Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Gemeinderatswahlen, Bezirksauflösung oder Verkauf des Multiversums: Das Jahr 2015 brachte eine Reihe von großen Veränderungen in den Bezirk.

Foto des Jahres: Im November werden die Feuerwehren der Region ausgerechnet in der größten Sturmnacht des Jahres alarmiert: Die Raststation Fischamend wird ein Raub der Flammen. Der massive Funkenflug verursacht große Probleme, sogar die Reifen eines am Rastplatz abgestellten PKW geraten in Brand. Insgesamt stehen 23 Fahrzeuge und 97 Florianis im Einsatz, das Löschwasser muss mit mehreren Tankfahrzeugen zur Einsatzstelle transportiert werden. Auslöser war ein brennender Mistkübel.  |  NOEN, FF Fischamend

Gemeinderatswahlen bringen Veränderungen

Die Wahlen am 25. Jänner haben im Bezirk für turbulente politische Veränderungen gesorgt. Gerade in Schwechat ist die Aufregung groß, und das liegt nicht nur an der Wahlbeteiligung, die mit rund 47 Prozent die niedrigste im ganzen Bezirk ist: Die regierende SPÖ stürzt um 24 Prozent auf 35 Prozent ab, stellt mit Karin Baier eine neue Bürgermeisterin. Vizebürgermeisterin wird Brigitte Krenn (Grüne), deren Partei auf 20 Prozent zulegen kann. Die FPÖ verdoppelt ihre Stimmen auf 25 Prozent, die ÖVP stürzt auf Platz 4 ab. Die NEOS schaffen unter Spitzenkandidat Michael Sicha und mit Christoph Mautner-Markhof den Einzug in den Gemeinderat.

Besser für die SPÖ schaut es dagegen in den umliegenden Gemeinden aus: In Maria Lanzendorf übernimmt Peter Wolf das Amt von Gabriele Maw (VP), mit Astrid Reiser kann in Zwölfaxing eine rote Bürgermeisterin den schwarzen Ortschef Gerhard Schwarzmann ablösen, obwohl die ÖVP stimmen- und mandatstechnisch als stärkste Partei aus der Wahl hervorgegangen ist. Mithilfe der Bürgerliste ZiB konnte jedoch eine politische Wende herbeigeführt und Reiser in das Amt der Bürgermeisterin gehievt werden.

In Fischamend, wo Bürgermeister Thomas Ram vor der Wahl die Liste „Gemeinsam für Fischamend“ ins Leben gerufen hat, konnte die Stadtregierung eine Zweidrittelmehrheit erringen. Die SPÖ stürzt um 20 Prozentpunkte auf 17 Prozent ab, die KPÖ (Liste Schuh) erreicht immerhin 9 Prozent.

Einen Eklat gibt es in Gramatneusiedl, als in den Wochen nach der Wahl die ÖVP und die Bürgerliste „Gramat voran“ eine Minderheitsregierung mit VP-Bürgermeisterkandidat Patrick Rosner stellen will – gestützt von der FPÖ und den Grünen. SP-Bürgermeisterin Erika Sikora bleibt aber im Endeffekt doch im Amt, indem sie FP-Mann Vetter zum Vize macht.

In Ebergassing erreicht mit den „Ebern“ eine Bürgerliste auf Anhieb Platz zwei – mit 18 Prozent der Stimmen. Die „Eber“ erwuchsen aus den Gegnern des Spar-Logistikzentrums und wurden als solche von der ÖVP unterstützt – was auch zu deren Unmut über die Gründung der Bürgerliste beitrug und letzten Endes zum Rücktritt des VP-Spitzenkandidaten Herbert Böhm führte.
 

Multiversum wird nun doch verkauft

Für das Schwechater Multiversum, das lange Jahre für politisches Hick-Hack gesorgt hat, will die Stadtgemeinde im November einen Käufer suchen: Vor dem Hintergrund der notwendigen Budgetsanierung soll die „Halle für alle“ innerhalb von drei Jahren verkauft werden. Die Anfang 2011 eröffnete Mehrzweckhalle war u.a. durch überhöhte Baukosten finanziell ins Trudeln geraten, der Rechnungshof gab Empfehlungen ab, ein Sanierungsplan wurde gefasst.

Seit Jahresende 2013 ist die Stadt 100-Prozent-Eigentümerin der Immobilie im Wert von 42 Mio. Euro. Im Juli hatte die rot-grüne Stadtkoalition einen Grundsatzbeschluss über die Zukunft der alljährlich Millionenzuschüsse erfordernden Veranstaltungshalle verabschiedet, der nur noch einen „Bedarfsbetrieb“ vorsah. Im Dezember ist schließlich auch die einquartierte Werner-Schlager-Akademie pleite.
 

Bürgerinitiative stellt Widerstand gegen Spar-Logistikzentrum ein

Seit im März 2011 verkündet wurde, dass der österreichische Handelsriese Spar ein Logistikzentrum in Ebergassing errichten will, hat sich Widerstand geregt – und eine Bürgerinitiative gebildet. Es finden mehrere Infoveranstaltungen und Gespräche zwischen Spar und der Bürgerliste statt, die sich die vollständige Verhinderung des Großprojekts auf die Fahnen geheftet hat. Die angestrebte Umweltverträglichkeitsprüfung wird allerdings abgelehnt. Im Laufe des Jahres söhnt sich die Bürgerinitiative schließlich mit Spar aus, mit dem Hinweis, sie hätten ohnehin einige Dinge erreicht, darunter die Verlegung des LKW-Parkplatzes, den Spar aber ohnehin an anderer Stelle errichtet hätte.

Der Bau des Logistikzentrums beginnt und ist im Oktober des Jahres außen weitestgehend abgeschlossen, es folgt der Innenausbau der Anlage. Eine Inbetriebnahme ist allerdings erst im Frühjahr, ein Vollbetrieb erst Ende 2016 denkbar.
 

Bezirk Wien-Umgebung wird aufgelöst

Ein Paukenschlag lässt im September aufhorchen: Die Landesregierung beschließt, den Bezirk Wien-Umgebung aufzulösen, die Gemeinden werden auf andere Bezirke aufgeteilt. Für den Raum Schwechat bedeutet das: Eine Fusion mit dem Bezirk Bruck an der Leitha ist am 1. Jänner 2017 Realität. Nicht klar ist am Anfang noch die Zuteilung der Gemeinden Lanzendorf, Maria Lanzendorf und Leopoldsdorf – diese sollen ersten Vorstellungen zufolge dem Bezirk Mödling angegliedert werden.

Später wird dieses Vorhaben revidiert; die drei Gemeinden werden wie der Rest der Region Bruck an der Leitha zugeschlagen, was auch die Lokalpolitiker aufgrund der bereits bestehenden politischen und wirtschaftlichen Verbindungen befürworten. Noch nicht ausdiskutiert ist der Standort der Bezirkshauptmannschaft des neuen Großbezirks. Während aufgrund bestehender Strukturen viel für Bruck an der Leitha spricht, will sich aber auch Schwechat ins Rennen werfen. Immerhin habe man als große Stadtgemeinde am Rande von Wien eine optimale Lage, aber auch die entsprechenden Einrichtungen, die eine Bezirkshauptstadt mit sich bringen sollte. Was ebenfalls noch unklar ist: Der Name des neuen Bezirks.
 

Änderung in den Schwechater Pfarren

Die katholische und die evangelische Pfarrgemeinde stehen ab September vor neuen Herausforderungen und Situationen. Bei den Katholiken gibt es einen Pfarrerwechsel und bei den Evangelischen einen Diözesenwechsel samt Amtseinführung. Gerald Gump wechselt auf eigenen Wunsch nach 16 Jahren Leben und Dienst als Pfarrer von Schwechat mit September in zwei Pfarren Wiens. Sein Nachfolger wird Werner Pirkner, der per 1. September Pfarrer von Schwechat, Mannswörth, Rannersdorf und Zwölfaxing und zugleich auch Leiter der Pfarren-Gemeinschaft Raum Schwechat wird.

Die evangelische Pfarre dagegen war bislang kirchenorganisatorisch der Diözese Wien zugeordnet, ab 1. September ist Schwechat eine niederösterreichische Pfarrgemeinde.
 

Eklat nach FP-Facebook-Sagern

Ein Eintrag von Maria Lanzendorfs FPÖ-Gemeinderat Erhard Brunner löst im März Kopfschütteln und Empörung aus. Auf der Facebook-Seite von Schwechats FPÖ-Spitzenkandidat Johann Ertl, in der dieser den NÖN-Artikel über die Absage einer Zusammenarbeit der Grünen mit der FPÖ teilte, schrieb Brunner folgenden Kommentar: „tja, so sind sie nun, diese Gutis und Toleran-Aposteln (sic!)! Wie Hitler und Stalin zusammen!!“ und stellt dazu ein Zwinkersmiley.

Der Vorfall wird bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Anklagepunkte: Verdacht der Herabwürdigung religiöser Lehren, der Verhetzung sowie der gefährlichen Drohung. Sowohl innerhalb der Ortsführung als auch auf FPÖ-Landesebene denkt man über einen Ausschluss aus dem Gemeinderat beziehungsweise der Partei nach. Brunner selbst sieht bei sich jedoch keine Schuld und denkt nicht an Rücktritt. Ende März wird er dennoch als Mitglied des Gemeindevorstandes abberufen und von der FPÖ ausgeschlossen, bleibt jedoch als wilder Mandatar erhalten.

Einen Eklat gibt es im Mai in Gramatneusiedl: FP-Vizeorts-chef Markus Vetter regte mit einem Facebook-Posting, in dem er gegen Asyl-Zeltlager wetterte („Vielleicht noch ein paar Sonnenliegen und ein LKW voll iPads fürs Internet? Ach wie schön ist Österreich!“) auf. Vetter steht zu seinem Posting, Bürgermeisterin Erika Sikora (SP) weiterhin zu ihrem Koalitionspartner.
 

Hannes Fazekas kehrt in den Nationalrat zurück

Innerparteilicher Widerstand regt sich im September, als bekannt wird, dass Schwechats Ex-Bürgermeister und Ex-Nationalratsmandatar Hannes Fazekas (SP) nach dem Rücktritt seines Weinviertler Parteikollegen Hannes Kuzdas dessen Mandat im Hohen Haus übernehmen und somit ins Parlament zurückkehren will. Fazekas war 2008 sogar Landesspitzenkandidat für den Nationalrat gewesen.

2013 landete er auf einem Listenplatz, der für einen Einzug nicht mehr reichte. Als Lokalpolitiker ist er ebenfalls 2013 über die Multiversum-Turbulenzen gestolpert und wurde als Bürgermeister abgesetzt, ihm folgte Gerhard Frauenberger. Er selbst bezeichnet seinen doppelten Amtsverlust als „dunkelste Stunden meines Lebens“. Aus den eigenen Parteireihen wird ihm nahegelegt, das freigewordene Nationalratsmandat nicht anzunehmen, was Fazekas aber ablehnt – er wird am 23. September im Parlament angelobt.
 

Johann Ertl tritt aus der FPÖ aus

Der langjährige FP-Funktionär Johann Ertl, der lange als Bezirksobmann tätig gewesen ist, tritt im September aus der Partei aus. Via Facebook gibt er bekannt, er könne den Rechtsruck seiner Partei nicht länger mittragen. Später konkretisiert er, dass auch andere Faktoren maßgeblich an seiner Entscheidung beteiligt gewesen seien: So hinterfragt er den Grund für den Parteiausschluss der Salzburger FPÖ rund um Karl Schnell, dessen persönlicher Freund er ist.

Auch seine Absetzung als Klubobmann der Partei im August habe zu der Entscheidung beigetragen. Dem Gemeinderat bleibt Ertl dennoch erhalten; er sieht sich fortan als Bürgerliste. Er spricht auch von „Säuberungsaktionen“ durch Heinz-Christian Strache, wodurch er in der Hierarchie gefallen sei.
 

Zwei Morde in Himberg

Im März werden in Pellendorf zwei leblose Personen in einer Blutlache aufgefunden. Wie sich später herausstellt, handelt es sich um einen 75-jährigen Mann und seine um drei Jahre jüngere Gattin. Für das Ehepaar, das von der eigenen Tochter gefunden wurde, kommt jede Hilfe zu spät. Die gerufene Notärztin kann nur noch den Tod feststellen. Laut Landespolizeidirektion sieht es so aus, dass der Mann zuerst die 72-jährige Pensionistin und dann sich selbst erschossen haben soll. Der Grund für die Tat soll eine schwere Krankheit sein.

Im Oktober kommt es schließlich zu einem zweiten Mordfall, der allerdings erst im November publik wird: Ein 52-jähriger Mann, ein ungarischer Staatsbürger, sucht die Polizeidienststelle Himberg auf und zeigt den Tod seiner Lebensgefährtin Tiborne Szakacs aus Szombathely, ebenfalls Ungarn, an. Erst später rückt der Mann schlussendlich mit der Wahrheit heraus. Er gibt zu, im Zuge eines Streites – es dürfte nicht nur einmal zu einer Eskalation gekommnen sein – seine Freundin Ende Oktober mit einem Messer ermordet zu haben.
Die 46-Jährige erliegt einer fatalen arteriellen Blutung, nachdem sie einen wuchtigen Messerstich am Oberkörper erlitten hat, die Tatwaffe ist ein circa 20 Zentimeter langes Küchenmesser. Blutspuren des Opfers können daran sichergestellt werden.
 

Hallenbad ist sanierungsbedürftig

Im November kommt eine finanzielle Herausforderung auf die Gemeinde Schwadorf zu: Das Hallenbad ist sanierungsbedürftig, mehrere Varianten werden vorgeschlagen. Aufgrund einer schlechten Frequenz (nur 2,2 Besucher pro Öffnungsstunde) wird ein Abriss überlegt. Eingebunden sind aber die Schulgemeinden: Die EMS Schwadorf und die Volksschulen Schwadorf, Kleinneusiedl und Enzersdorf frequentieren das Bad regelmäßig. Eine Entscheidung steht noch aus.
 

Zitate des Jahres

„Für mich ist das keine Schulreform, schon gar keine Bildungsreform. Es ist der alte, österreichische, halbherzige Weg, und davon nur der erste, kleine Schritt“, ist Rainer-Maria Weihs, Direktor der NMS Schwechat-Schmidgasse, über die sogenannte Reform enttäuscht.

„Wir haben nicht die rote, aber die gelbe Karte erhalten“, sieht sich Schwadorfs Bürgermeister Jürgen Maschl (SP) mit einem Mandatsverlust nach der Gemeinderatswahl konfrontiert.

„Uns wär ja sonst fad“, kommentiert Multiversums-GF Martin Sörös den Einbruch von Speiseöl in die Halle.
„Dass er sagt, als Vizebürgermeister hätte er das alles (bezüglich der Multiversums-Turbulenzen, Anm.) nicht gewusst, ist eine billige Ausrede“, schüttelt Schwechats NEOS-Fraktionsführer Michael Sicha den Kopf über Ex-Bürgermeister Gerhard Frauenberger.

„Ich werde sicher keine Ratschläge geben. Weil sie sowieso nicht gehört werden“, kommentiert Hannes Fazekas seine bevorstehende Arbeit als Nationalrat und das Verhältnis zu Schwechat.

„Das ist schon in Ordnung“, ist Himbergs Bürgermeister Erich Klein wenig abgeneigt über die Zusammenlegung des Bezirks mit Bruck/Leitha.
 


2015 nahmen wir Abschied von ...


... Rudolf Tonn. Schwechats Langzeit-Bürgermeister Rudolf Tonn verstarb zu Christi Himmelfahrt bei einem Aufenthalt in Kärnten. Tonn prägte Schwechat während seiner langen Amtszeit von 1973 bis 1991 – damit ist er der längstdienende Stadtchef. Sein Rücktritt erfolgte nicht ganz freiwillig, dennoch wurde ihm bereits zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt, in dem das Rannersdorfer Stadion nach ihm benannt wurde. Tonn war auch Ehrenbürger der Stadtgemeinde.

... Richard Trenkwalder. Schwadorf trauert im Juli um den im Ort ansässigen Unternehmer Richard Trenkwalder. Er war Vorreiter in Sachen Personalleasing, hat die Gemeinde auch zu Investitionen in die Infrastruktur bewegt und kam aufgrund seiner Persönlichkeit auch bei der Bevölkerung gut an. Seine beiden Söhne haben sich ebenfalls in Schwadorf niedergelassen. Trenkwalder war von 2007 bis 2014 Präsident des Fußballvereins Admira Wacker, wo er mit seiner Personalfirma als Hauptsponsor einstieg.

... Franz Gölles. Anfang Juli verstirbt der Maria Lanzendorfer Altbürgermeister Franz Gölles. Von 1981 bis 1999 war er als Ortschef, davor schon im Gemeinderat tätig. In seiner 18-jährigen Amtszeit entstanden unter anderem der Feuerwehrbau, Sozialwohnungen im Ort sowie der Kleingarten und der dazugehörige Verein, dessen erster Obmann er war. Gölles, der 1939 in der Steiermark geboren wurde, trat 1957 in die Freiwillige Feuerwehr ein, 1988 stieg er zum Hauptbrandmeister auf; bis zu seinem Tod war er Ehrenhauptbrandmeister.

... Baschar Abou-Harb. Der beliebte Leopoldsdorfer SPÖ-Politiker und Gemeindearzt Baschar Abou-Harb erliegt Ende September seinem schweren Krebsleiden. Seit 1993 war er politisch tätig. Mit 17 Jahren war Abou-Harb 1969 nach Wien gekommen, um Medizin zu studieren. Im Alter von nur 28 Jahren schloss er sein Studium ab und war damals einer der jüngsten Ärzte in Österreich. Zunächst wollte er nur einige Monate in Leopoldsdorf organisieren, es wurden aber mehr als dreißig Jahre daraus. Den Beruf als Arzt übte er bis zuletzt aus.

... Rudolf Schneider. Der bekannte Zimmermeister Rudolf Schneider verstirbt im Dezember. Der Ehrenobmann der Blasmusik Mannswörth ist unerwartet im 74. Lebensjahr aus dem Leben geschieden. Schneider war Mitglied beim Bauernbund und dem Landesjagdverband.

... Karl Schmid. Im Alter von 62 Jahren verstirbt der langjährige ÖVP-Gemeinderat aus Zwölfaxing unerwartet. Zu diesem Zeitpunkt war er nicht mehr im Amt.