Erstellt am 15. September 2015, 15:30

von NÖN Redaktion

Drei Gemeinden müssen wechseln. Lanzendorf, Leopoldsdorf und Maria Lanzendorf zu Mödling, der Rest kommt zu Bruck.

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Wie ein Blitz schlug am Donnerstag die Meldung ein, wonach der Bezirk Wien-Umgebung mit 1. Jänner 2017 aufgelöst wird. Bekannt gegeben wurde das Vorhaben vom ÖVP-Regierungsteam um Landeshauptmann Erwin Pröll nach einer Klausurtagung der Volkspartei in Mauerbach. Pröll selbst bezeichnete die Verwaltungsreform als „größten Schritt seit den 70er-Jahren und der Landeshauptstadt-Werdung“.



Die Reaktionen aus den betroffenen Städten und Gemeinden sind geteilt. Kritik kam vor allem aus dem ÖVP-dominierten Klosterneuburg, im rot-grünen Schwechat ist man skeptisch. Grundsätzlich begrüßt SPÖ-Bürgermeisterin Karin Baier die Verwaltungsreform inklusive der Auflösung des Bezirks Wien-Umgebung. „Das kann aber nur der erste Schritt einer umfassenden Reform sein“, betont sie.

Keine Vorinformation für betroffene Gemeinden

Zeitgleich bedauert Baier, wie auch beinahe alle ihrer Amtskollegen, dass es keine Vorinformation für die Gemeinden gegeben habe. Für die Umsetzung der Reform hat Baier aber auch gleich einige Wünsche parat: So fordert sie den Erhalt der Außenstelle der Bezirkshauptmannschaft in Schwechat sowie den Gerichtsbezirk in seiner aktuellen Form zu belassen. Darüber hinaus hoffe sie, dass sich die Stadt Schwechat entsprechend ihrer Größe und Wirtschaftsstärke örtlich aber auch namentlich niederschlägt.

Mit ihrer Forderung ist die rote Stadtchefin nicht alleine. Auch Rauchenwarths Bürgermeister und ÖVP-Teilbezirks-Sprecher Ernst Schüller fordert im neuen Bezirksnamen, das Wort „Schwechat“ wiederzufinden. „Eventuell als Bezirk ‚Schwechat-Bruck‘, das würde wesentlich dazu beitragen, dass sich die Bevölkerung mit der Region verbunden fühlt“, ist er überzeugt. Die Region Schwechat mit über 50.000 Einwohnern dürfe nicht „sang und klanglos“ in den Bezirk Bruck übergehen. Für ebenfalls noch auszuverhandeln sieht Schüller den Wegfall von Lanzendorf, Leopoldsdorf und Maria Lanzendorf Richtung Mödling. „Darüber sollte noch einmal diskutiert werden“, betont er.

Dieser Sichtweise schließt sich auch der selbst betroffene Leopoldsdorfer ÖVP-Ortschef Fritz Blasnek an. „Begeistert bin ich nicht, auch wenn klar war, dass es irgendwann Änderungen geben wird“, unterstreicht er. Wo seine Gemeinde letztlich dazugehören wird, müsse man noch in Gesprächen erörtern. „Wir müssen schauen, ob schon alles fix ist oder ob sich noch etwas ändern kann“, erläutert er. Klar sei, dass bei einem Wechsel nach Mödling die Verbindungen gestärkt werden müssten. Für ihn wäre ein eigenständiger Bezirk Schwechat überhaupt die beste Lösung gewesen.

Überraschung bei allen Bürgermeistern groß

Nicht ganz soweit geht der Himberger SPÖ-Bürgermeister Erich Klein. „Dass der Teilbezirk Schwechat zu Bruck kommt, ist schon in Ordnung“, erklärt er. Der Abspaltung der drei Nachbargemeinden Richtung Mödling kann er aber ebenfalls nichts abgewinnen. Die Vorgangsweise bezeichnet er sogar als „überfallsartig“, Klein selbst erfuhr bei seinem Kreuzfahrturlaub von der einschneidenden Verwaltungsreform.

Überrascht zeigt sich auch Kleinneusiedl SPÖ-Ortschef Leopold Winkler. Der Zugehörigkeit zu Bruck kann er einiges abgewinnen, allerdings macht er sich Sorgen um die gewachsenen Verbandsstrukturen, wie beim Abfallwirtschaftsverband AWS, oder der Feuerwehr. „Alle Gemeinden aus dem Teilbezirk haben vor einigen Jahren gemeinsam ein Feuerwehrfahrzeug gekauft, das nun in Ebergassing steht. Auch die drei Orte, die nun wegfallen. Wollen die nun ihr Geld zurück?“, sieht der Kleinneusiedler Bürgermeister noch einige offene Fragen. Ein weiteres Fahrzeug hätte heuer bestellt werden sollen und in Maria Lanzendorf stationiert werden. Doch die Gemeinde soll sich nun ebenfalls nach Mödling verabschieden.

Der dortige SPÖ-Ortschef Peter Wolf sieht für seine Bürger keinen Unterschied. „Es ist unerheblich, ob sie auf die Bezirkshauptmannschaft nach Mödling oder Schwechat fahren“, glaubt er. Anders sei die Situation etwa beim AWS, da wolle er im Schwechater Verbund bleiben. Kritik übt Wolf über die Eingliederung der Braustadt in den Brucker Bezirk, denn „Schwechat ist eine große Stadtgemeinde. Es muss die logische Konsequenz sein, dass Schwechat Bezirkshauptstadt wird.“

Ähnlich sieht das auch sein Lanzendorfer Partei- und Amtskollege Peter Komarek. Er lässt auch keinen Zweifel daran, wohin seine Gemeinde gehen soll. „Wir müssen im Gerichtsbezirk Schwechat bleiben“, unterstreicht er. Geplant ist jedoch ein Wechsel nach Mödling. Für diesen Schritt fehlt Komarek jedoch eine aufschlussreiche Erklärung. „Die kann mir keiner geben“, ärgert er sich.

Nahezu ausschließlich positiv reagiert hingegen der parteiunabhängige Fischamender Bürgermeister Thomas Ram (Gemeinsam für Fischamend) auf die Auflösung des Bezirks. „Ich begrüße es, dass die Region Schwechat und der Bezirk Bruck jetzt enger zusammenwachsen. Diese Forderung habe ich schon vor 15 Jahren erstmalig gestellt, da wir mit den Orten im Bezirk Bruck sehr enge Kontakte pflegen.“ Einzig die Art der Information sei für ihn ein Drüberfahren und hätte er sich anders vorgestellt.

ZITIERT

„Bei Themen wie Polizei, Abwasserverband, Abfallverband oder Wirtschaftskammer wird es sicher noch ein großes Geschrei geben.“
Ebergassings Bürgermeister
Roman Stachelberger (SPÖ)


„Die Art und Weise war nicht gut. Zudem werden wir getrennt, obwohl der Gerichtsbezirk Schwechat größer ist als der Brucker.“
Gramatneusiedls Ortschefin
Erika Sikora (SPÖ)


„Es sind viele Emotionen im Spiel, aber von der Sache her wird sich, da die Außenstelle in Schwechat erhalten bleiben wird, nichts ändern.“
Moosbrunns Bürgermeister
Gerhard Hauser (ÖVP)


„Die Stadt Schwechat soll keine regionalpolitische bedeutende Rolle mehr zukommen. Ich trete daher für eine Neubenennung des künftigen Verwaltungsbezirks ein.“
Schwadorfs Ortschef
Jürgen Maschl (SPÖ)


„Das als großen Wurf zu bezeichnen ist für meine Begriffe dürftig. Wichtig ist, dass der Gerichtsbezirk Schwechat bleibt. Da wurde offenbar nicht viel nachgedacht, was das etwa für die Schulen bedeutet.“
Zwölfaxings Bürgermeisterin
Astrid Reiser (SPÖ)