Erstellt am 22. September 2015, 15:32

von Otto Havelka

Obstbäume müssen rasch gerodet werden. Die Gemeinde verlangt die Rückgabe von sechs Hektar Pachtgrund. Eine Obstplantage muss binnen 14 Tagen gerodet werden.

Marillen pflücken für alle: Johann Kriegler will statt der Rodung der Bäume einen »Sozialen Obstgarten« installieren.  |  NOEN, Otto Havelka

Vergangene Woche flatterte im Gemeindeamt ein Urteil des Bezirkgerichts Schwechat ein, das SP-Bürgermeister Roman Stachelberger aufatmen ließ. Der Schwadorfer Bäcker Johann Kriegler habe binnen 14 Tagen bei sonstiger Exekution das Grundstück Nr. 2466 (...) geräumt von eigenen Fahrnissen zu Übergeben“.

Hinter dem amtlichen Text verbirgt sich eine existenzielle Katastrophe. Denn de facto heißt das, Kriegler müsste in zwei Wochen rund sechs Hektar Obst- und sonstige Bäume roden, was auch Bürgermeister Stachelberger für „nicht machbar“ hält.

Gemeinde will nicht für Aufforstung Verantwortung übernehmen

Der Streit um das Grundstück schwelt schon seit Jahren. Kriegler hatte das Areal vor Jahrzehnten von der Gemeinde für eine Baumschule gepachtet und pflanzte dort vor allem Nuss- und Marillenbäume, deren Früchte er auch für die eigene Bäckerei verwendete. Nun lief der Pachtvertrag aus, die Gemeinde will das Areal lieber für den geplanten Golfplatz zur Verfügung stellen und verlangt eine Rückgabe des Grundstückes im seinerzeitigen Zustand – sprich: ohne Bäume. Das hat einen guten Grund. Rund vier Hektar gelten mittlerweile als Wald im Sinne des Forstgesetzes. Wer sie rodet, muss üblicherweise die dreifache Fläche wieder aufforsten.

Das bleibt der Gemeinde nun erspart, trifft Pächter Kriegler aber wie ein Keulenschlag.

Bürgermeister Stachelberger: Es ist nicht meine Absicht, ihn umzubringen. Wenn Kriegler einen Plan vorlegt, werden wir Vernunft walten lassen. Entscheiden muss aber der Gemeinderat.“

Bäcker Kriegler, der noch am Freitag vergangener Woche nichts von dem Gerichtsurteil wusste, reagierte auf die Anfrage der NÖN, was er nun tun werde, gefasst: Er werde jedenfalls keinen Einspruch gegen das Urteil erheben, so sein erstes Statement. Noch im Sommer hatte Kriegler versucht, seine Bäume als „größten sozialen Obstgarten Österreichs“, in dem sich jeder bedienen kann, zu retten. Nun will er die Bäume an den künftigen Golfplatz-Eigentümer verschenken. Die Erfolgsaussichten sind gering. Die Gemeinde will das Grundstück ohne Bäume zurückhaben.