Erstellt am 08. Juni 2016, 05:55

von Theresa Puchegger

Eklat um Vetter-Entgleisung. FP-Vizebürgermeister Vetter richtete Gaspistole auf Nachbarn. Zuvor will er mit einem Messer bedroht worden sein. Oppositionsparteien fordern in offenem Brief Konsequenzen.

FP-Vize Markus Vetter steht nach Nachbarschaftsstreit erneut in Kritik. SP-Bürgermeisterin Erika Sikora wollte sich zu möglichen Konsequenzen nicht äußern.  |  NOEN, NÖN

FP-Vizebürgermeister Markus Vetter sorgt erneut für Aufsehen: Am Montagabend kam es zwischen Vetter und seinem Nachbarn Ibrahim Bulut zu einem Streit, der derart eskalierte, dass sogar die Polizei anrücken musste.
Auslöser für die Auseinandersetzung dürfte der Hund des Vizebürgermeisters gewesen sein, der ohne Leine unterwegs gewesen sein und die Frau des Nachbarn angebellt haben soll.

Was danach passiert ist, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Während Vetter angibt, von seinem Nachbarn beschimpft und mit einem Rasiermesser bedroht worden zu sein, weist dieser die Vorwürfe entschieden zurück. Er habe den Vizebürgermeister lediglich dazu aufgefordert, den Hund zurückzurufen. Vetter habe darauf nicht reagiert und stattdessen begonnen, Bulut zu beschimpfen und ihm mit dem Umbringen zu drohen.

Einsatzkommando Cobra wurde angefordert

Eine Drohung mit einem Rasiermesser habe es nicht gegeben: „Ich habe kein Rasiermesser, sondern eine ganz normale Rasierklinge. Ich habe mich gerade rasiert. Außerdem habe ich nur vom Balkon aus mit ihm gesprochen“, erklärt Bulut im Gespräch mit der NÖN. Nach einem hitzigen Wortwechsel sei Vetter „in seine Wohnung gegangen und hat die Gaspistole geholt. Er hat sie auf uns gerichtet und sogar abgedrückt, aber sie hatte keine Munition“.

Vetter selbst sieht das freilich anders. Bulut habe ihn bedroht und ihm zugerufen, dass Allah ihm und seiner Frau den Kopf abschneiden werde.
Die alarmierte Polizei habe den Vizebürgermeister alkoholisiert auf dem Gehsteig angetroffen, erklärt NÖ Polizeisprecher Johann Baumschlager. Sogar das Einsatzkommando Cobra wurde angefordert, dann jedoch wieder zurückgerufen. Die Gaspistole wurde samt Munition sichergestellt und ein Waffenverbot gegen Vetter erlassen, während das Rasiermesser nicht gefunden wurde. Gegen Vetter liegt eine Anzeige vor.

Verantwortung als Bürgermeisterin

Ob dieser Vorfall Konsequenzen für Vetter in seinem Amt als Vizebürgermeister haben wird, ist unklar. SP-Bürgermeisterin Erika Sikora, die mit Vetter koaliert und damit eine knappe Mehrheit um ein Mandat im Gemeinderat erreicht, wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Und auch Schwechats SP-Bezirkschef Gerhard Razborcan hielt sich eher bedeckt: „Das ist eine Angelegenheit der SPÖ Gramatneusiedl. Glücklich bin ich mit dem Vorfall aber natürlich nicht.“ Vetter selbst räumte nun ein, überreagiert zu haben, betonte aber auch, dass sein Nachbar schon mehrmals durch seine „aggressive Art“ aufgefallen sei. Dieser hingegen meinte, dass Vetter ihn regelmäßig am Gang beschimpfe: „Er sagt immer, dass er uns aus der Wohnung rausschmeißen wird.“

Mit diesem Vorfall verstärkt sich nun auch der Ruf der Opposition nach Konsequenzen. Grüne, VP und Gramat Voran fordern SP-Bürgermeisterin Erika Sikora in einem offenen Brief dazu auf, Vetter das SP-Mandat, auf dem er sein Amt als Gemeinderat und Vizebürgermeister ausübt, „zu entziehen und somit weiteren Schaden für den Ruf der Gemeinde zu verhindern“.

Sikoras Aussage in der letzten Ausgabe der NÖN, wonach sie Facebook-Postings nicht interessieren, stieß demnach auf Unverständnis: „Es liegt in Ihrer Verantwortung als Bürgermeisterin, sich um das Ansehen der Gemeinde zu kümmern.“ In der nächsten Gemeinderatssitzung werde man die Forderung durch einen entsprechenden Antrag bekräftigen. Gramatneusiedl habe „keinen Vizebürgermeister verdient, der Selbstjustiz ausübt und Waffen auf Menschen richtet“.