Erstellt am 20. Januar 2016, 05:23

von Benjamin Mühlbacher

Gemeinde in Aufruhr: 186 Jobs wackeln. Deutscher Eigentümer könnte das traditionsreiche Gramatneusiedler Werk schließen. Entschieden ist aber noch nichts.

Auf der Evonik Para-Chemie kommen scheinbar stürmische Zeiten zu. Die Gemeindeführung befüchtet, dass der deutsche Eigentümer die Fabrik schließt, dort beruhigt man. Entscheid sei noch keine gefallen.  |  NOEN, Gerald Burggraf

Das Gerücht machte in Gramatneusiedl schon länger die Runde, jetzt zeichnen sich konkretere Konturen ab: Die Firma EVONIK Para-Chemie könnte ihren Betrieb schließen. Als Gund dafür stehen Strukturänderungen und Einsparungsmaßnahmen im Raum. Insgesamt 186 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, nicht nur unter den Betroffenen ist schon von „Marienthal zwei“ die Rede.

Kampflos will SP-Bürgermeisterin Erika Sikora EVONIK nicht ziehen lassen. Sie wandte sich mit einem Schreiben an die deutsche Mutterfirma, in dem sie auf die Probleme und die geschichtliche Komponente hingewiesen hat. „Es wäre ein herber Schlag, auch in Hinblick auf die Marienthaler Geschichte. Sehr viele Bürger wären betroffen und für ihre Familien bedeutete ein Ende von EVONIK eine Katastrophe“, heißt es in dem Brief. Mit ihrem Schreiben verbuchte die Bürgermeisterin zumindest einen Teilerfolg: Die Deutsche Konzernführung sagten Gespräche noch im Jänner zu, Termin steht aber noch keiner fest.

Deutsche signalisieren Verständnis

Erich Auer, Chef von Gramat Voran und Umweltmanager der Para-Chemie, versucht den Ball flach zu halten. Gegenüber der NÖN spricht er von „mehreren Szenarien, die im Augenblick durchgespielt werden. Es gibt ein Restrukturierungsprogramm, aber das Horrorszenario, das die Bürgermeisterin hier anspricht, wird von uns derzeit nicht angedacht.“ Das hieße, Auer gehe davon aus, dass das Werk erhalten bleibt, wie er auf NÖN-Nachfrage bestätigt. Was ihn so sicher mache: „Erfahrungswerte aus der Vergangenheit und der lange Bestand des Werkes in Gramatneusiedl“, so Auer abschließend.

Die Deutschen signalisieren unterdessen Verständnis für die Gramater Situation, bitten in ihrem Antwortschreiben an Bürgermeisterin Sikora aber auch um „Verständnis für die wirtschaftliche Situation des Konzerns“. Augenblicklich werden alle Werke weltweit geprüft.

Jürgen Dürr, Geschäftsführer des Gramater Werks, findet die selben Wort wie der Mutterkonzern: „Im Moment findet eine strategische Ausrichtung des Geschäftsgebiets statt. Das soll dazu beitragen die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Bis zum 2. Quartal 2016 soll ein ganzheitliches Konzept erarbeitet werden. Entscheidung ist noch überhaupt keine gefallen.“ Bis zum Sommer soll nun Klarheit über die Zukunft herrschen.

REAKTIONEN

„Das Aus für das Werk wäre ein gewaltiger Schock für die Region und eine zweites Marienthal.“
SP-Bürgermeisterin Erika Sikora

„Das ist Tragik pur, wenn man betrachtet, wie viele Menschen aus der Region dort beschäftigt sind. Leidtragende werden die Personen über 50 sein, für sie wird es am Arbeitsmarkt sehr schwer werden“
FP-Vizebürgermeister Markus Vetter

„Wir wünschen allen Betroffenen, dass der Konzern noch eine Lösung findet, um den Standort in Gramat zu halten. Im Falle einer Schließung müssen sich die Gemeinden einen Sozialplan überlegen“.
Sebastian Schirl-Winkelmayer Gramater Grüne

„Die Schließung des Werks wäre natürlich sehr bitter für Arbeiter und Angestellte. Es ist nahezu unmöglich, dass so viele Menschen in der Region wieder einen passenden Job finden. Wir hoffen, dass es nicht soweit kommt. Hier sollten alle politischen Kräfte zusammenwirken.
ÖVP-Obmann Patrick Rosner

„Wir werden alles was politisch in unserer Macht steht tun, um das Werk in Gramatneusiedl, die Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Kompetenz zu halten. Sollte das Werk geschlossen werden, wäre das eine Katastrophe.“
Julius Fellner, Gramat Voran