Erstellt am 11. März 2016, 05:49

von Daniel Maier und Birgit Samer

Hakerl statt Note: Benotung abschaffen?. Alternative Bewertungsschemen werden für Volksschulen gefordert - nur teilweise sinnvoll, bewerten Experten.

Sollen Volksschüler künftig flächendeckend nur noch mündlich bewertet werden oder hat das „alte“ Notensystem noch immer seine Vorteile? Experten sehen das Potenzial in beiden Modellen – solange es kombiniert eingesetzt wird. (Symbolbild aus der Volksschule Mannswörth.)  |  NOEN, Daniel Maier

Die Diskussion ist nicht neu - schon lange wird darüber geredet, Noten in der Volksschule abzuschaffen, um den Leistungsdruck zu mindern und durch alternative, meist verbale Bewertungskriterien eine neue Form der Beurteilung herbeizuführen. Die NÖN hat sich in den Schulen im Bezirk umgehört.

In der Volksschule Schwechat setzt man auf ein alternatives Bewertungssystem – im Klassenforum wird von den Eltern für die 1. und 2. Klassen abgestimmt, ob Noten oder ein Pensenbuch gewünscht werden. Ab der 3. und 4. Klasse gibt es dann eine reguläre Benotung. „Ich finde das eine gute Lösung“, ist Elternvereinsobfrau Barbara Dorfmeister zufrieden.

Direktorin Roswitha Deitzer schlägt vor, die Benotung zu staffeln: „In der ersten Klasse sollte es flächendeckend eine verbale Beurteilung geben, in der zweiten Klasse soll durch die Eltern abgestimmt werden. In der dritten und der vierten Schulstufe halte ich eine alternative Benotung nicht für sinnvoll.“

Alternative Beurteilungsschemen als Schulversuch

Ebergassings Volksschuldirektorin Ulla Lefebvre kommentiert: „Man kann alternative Beurteilungsschemen einfach als Schulversuch anmelden.“

Ulrike Rottensteiner, Direktorin der Volksschule Lanzendorf kann einer freiwilligen Wiederholung einer Klasse durchaus etwas abgewinnen, sofern das Kind dadurch die Möglichkeit bekommt, seinen Entwicklungsrückstand aufzuholen. An ihrer Schule finde eine Klassenwiederholung sehr selten und immer mit dem Einverständnis der Eltern statt. Für Rottensteiner geht die derzeitige Diskussion allerdings an den wahren Problemen vorbei: „Die wirkliche Frage heißt für mich nicht „Noten oder keine Noten? Viel mehr, wie schaffen wir es, die Schulqualität zu steigern, um Kinder auf die zukünftigen Anforderungen des Lebens bestmöglich vorzubereiten?“, lamentiert sie.

Rudolf Schriefl, Vorsitzender des Volksschulausschusses in der Gemeinde, verweist auf positive psychologische Effekte einer Änderung: „Auf das Selbstwertgefühl der Kinder könnten sich die geplanten Maßnahmen positiv auswirken“, kann er sich vorstellen.