Erstellt am 24. März 2016, 12:26

von APA/Red

Kontrollausweitung für Flughafen-Wien ein "Placebo". Als keine gute Idee, sondern als "eine Placebo-Maßnahme, die scheinbar die Sicherheit erhöht", hat Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger etwaige Sicherheitskontrollen bereits vor dem Betreten eines Flughafengebäudes bezeichnet.

Polizisten am Flughafen Wien-Schwechat am Dienstag, 22. März 2016. Die Sicherheitsmaßnahmen am Flughahfen Wien-Schwechat wurden nach den Terroranschlägen in Brüssel verstärkt.  |  NOEN, GEORG HOCHMUTH (APA)
Diese würden den "Ort der Gefährdung nur verlegen", sagte er am Donnerstag gegenüber dem "Ö1-Morgenjournal". Denn die Menschenansammlungen würden sich einfach verschieben.

Ähnliche Maßnahmen habe er auf dem Flughafen Istanbul selbst beobachtet, mit dem Resultat, dass sich zudem die Wartezeiten erhöhen. Die Pläne zu den angesprochenen Kontrollen wurden gestern, Mittwoch, laut einem Bericht der "Welt" bekannt, in dem "hohe Kreise" der EU-Kommission zitiert wurden.

Käme es tatsächlich zu einem solchen Entschluss seitens der EU, würde sich man natürlich an die Vorschriften halten, sagte der Airport-Vorstand. Jäger gab dabei zu bedenken, dass bei der großen Anzahl der Flughäfen ein "unglaublicher Aufwand" entstehen würde. Die daraus entstehenden Kosten hätten wohl die Reisenden mitzutragen, wobei "Kosten kein Argument seien", wenn es um die Sicherheit geht.

Geringe Minderheit an potenziellen Attentätern

Der Airport-Vorstand betonte, dass es eine verschwindend geringe Minderheit an potenziellen Attentätern gebe, und auf diese "Gefährder" sollte man sich mit entsprechenden Maßnahmen konzentrieren, anstatt 15 Millionen Fluggäste und deren Begleitpersonen zu kontrollieren. Jäger hielt andere Vorgehensweisen zur Erhöhung der Sicherheit jedenfalls für sinnvoller. Als Beispiel nannte er ein Profiling der Flughafenbesucher, bei dem Experten die Reisenden über Monitore auf deren Verhalten beobachten und im Bedarfsfall die Sicherheitskräfte alarmieren sollten.

Der Flughafen Wien hatte zuletzt im März des Vorjahres die Sicherheitskontrollen für elektronische Geräte aufgrund neuer EU-Regelungen verschärft. Ebenso stockte der Airport den Personalstand seiner Sicherheitsfirma VIAS um 100 Securitys auf und investierte fünf Mio. Euro in das Sicherheitsequipment. Nach den Terroranschlägen in Brüssel wurden die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal erhöht. An den Personenkontrollen änderte sich nichts, da diese laut Landespolizeidirektion seit den Terroranschlägen in Paris bereits hoch sind.

EU-Experten sollen ab nächster Woche über die Flughafensicherheit beraten: Laut Information eines EU-Vertreters soll es ein Treffen von Flugsicherheitsexperten EU-28 geben sowie ein Treffen von Fachleuten für Transportsicherheit.