Erstellt am 24. Februar 2016, 05:49

von Gerald Burggraf

Schwere Mängel: „Horrorjahre“ im Traumhaus. Familie Sonneck wollte ein rundum fertiges Eigenheim und bekam genau das Gegenteil.

Christian und Isabella Sonneck - im Bild mit Sohn Paul - sind verzweifelt: Zahlreiche Baumängel machen aus dem Traumhaus ein Horrorhaus. So sollte die Randwulstpunktverklebung 40 Prozent der Ziegelsteinmauer bedecken. Tatsächlich wurden nur kleine Punkte aufgebracht.  |  NOEN, Foto: Burggraf
Es sollte der Traum im Grünen werden. Im April 2014 zog Familie Sonneck aus Wien-Oberlaa wenige Kilometer weiter nach Leopoldsdorf. Als neues Eigenheim kauften Christian und Isabella Sonneck um 360.000 Euro ein Reihenhaus der Wohnbauvereinigung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (WBV-GÖD).

Einen Monat lang schien es auch das erwartete Traumhaus zu sein. Doch bereits im Mai 2014 traten die ersten Mängel zutage. Grundsätzlich nichts Gravierendes, dennoch der Startschuss für einen bis heute andauernden Streit zwischen Hauseigentümern und Bauträger. Im Zuge der Ausbesserungen wurden laut der Familie ein paar Probleme behoben, andere wiederum nicht. Ein versprochenes Sanierungsprotokoll der ausführenden Firma „SPP Hausbau“ habe man ebenfalls nie gesehen. Die Sonnecks blieben hartnäckig und mit der Zeit traten weitere Ungereimtheiten ans Tageslicht.

Es ist seit zwei Jahren der blanke Horror.
Wir haben ein Jahr durchgeweint, mittlerweile
sind uns die Tränen ausgegangen.“
Isabella Sonneck

„Wir haben waagrechte Risse in der Mauer. Ein Sachverständige meinte, dass hier keiner oder zumindest zu wenig Kleber zwischen den Ziegelsteinen verwendet wurde“, berichten Christian und Isabella Sonneck. Im Gästezimmer wurde zur Überprüfung ein Riss geöffnet, wie sich die NÖN bei einem Lokalaugenschein überzeugen konnte, kann man durch den Spalt die Dämmplatte sehen.

Ebenfalls ein großes Thema ist der Energieausweis. Beworben wurde das Bauprojekt mit einem Wert von 31 kWh, im Bescheid waren aber 41 kWh ausgewiesen. Dieser Wert ist nicht wohnbauförderungswürdig, das dürfen nur maximal 36 kWh sein. Deshalb wurde der Antrag auch abgewiesen. Auf Nachfrage der Familie bei der WBV-GÖD wurde dann ein Ausweis von 33 kWh ausgestellt.

Am Bauamt liegt jedoch weiterhin jener mit 41 kWh auf. „Meinen Mandanten ist völlig unklar, wie es dazu kommen konnte. Da das gekaufte Haus nicht förderwürdig wäre, könnten sie möglicherweise einer strafrechtlichen Verfolgung, wie beispielsweise Förderungsbetrug, ausgesetzt werden“, merkt Sonneck-Anwalt Wolfgang List an.

Es gibt nur Streitigkeiten mit der Familie Sonneck,
was auf eine klar subjektive Motiviertheit hindeutet.“
Leonhard Göbel, Anwalt der WBV-GÖD

Knapp ein Jahr nach dem Einzug zog die Familie vor Gericht. Seitdem wird prozessiert. Ursprünglich wollten die Leopoldsdorfer 20.000 Euro Schadenersatz, für die WBV-GÖD viel zu hoch angesetzt. Laut einem Gutachten einer externen Baufirma liegen die Sanierungskosten aber weit höher, nämlich bei fast 164.000 Euro. „Es ist seit zwei Jahren der blanke Horror. Wir haben ein Jahr durchgeweint, mittlerweile sind uns die Tränen ausgegangen“, so Isabella Sonneck.

Enttäuscht sind die Hausbesitzer auch von der WBV-GÖD. „Bisher hat noch niemand mit uns gesprochen“, erzählen sie. Obwohl es bei allen 14 Häusern Mängel gebe, ist man die einzige Familie, die sich gerichtlich wehrt. „Ich bin als Querulantin abgestempelt“, weiß Sonneck.

Streitwert von 20.000 Euro

Diese Einschätzung wird durch die Stellungnahme von Genossenschafts-Anwalt Leonhard Göbel von der Kanzlei „Nepraunik & Prammer Rechtsanwälte“ gestützt. So meint er, „dass es nach meinen Informationen ausschließlich Streitigkeiten mit der Familie Sonneck, was auf eine klar subjektive Motiviertheit der Eigentümer hindeutet“, gibt.

Er betont zudem, dass es sich nur um einen Streitwert von 20.000 Euro handle und es keinen Unterschied zu anderen Gewährleistungsprozessen gebe. Den Vorwurf, dass ein falscher Energieausweis erstellt wurde, weist er als „unrichtig“ zurück und bezeichnet ihn als „vollkommen substanzlose Unterstellung“. Darüber hinaus sei der erforderliche Wert für den Heizwärmebedarf deutlich unterschritten worden. Bei der Baufirma und Energieausweis-Verfasserin „SPP Hausbau“ erläutert man zudem, dass der ursprüngliche Energieausweis auf ein falsches Produkt – den Einreichplan – ausgestellt wurde.

Die Mängel – Eigentümer versus Baufirma

Angaben der Eigentümer:
• Rissbildungen an sämtlichen Wänden.
• Beim Öffnen der Fassade hat sich herausgestellt, dass die Randwulstpunktverklebung mit einer erforderlichen Kontaktfläche von mindestens 40 Prozent der Gesamtfläche nicht gegeben ist.
• Bei den Fassadendämmplatten wurden an den Außenwänden nicht EPS F + Platten wie laut Energieausweis sowie Einreichplan angegeben, sondern normale Styropordämmstoffe angebracht.
• Fenster und Türen ohne entsprechende Zertifizierung eingebaut (keine CE-Kennzeichnung).
• Die erforderliche Putzstärke von 7 mm wurde an keiner Stelle vorgefunden. Die tatsächlich vorhandene Putzstärke lag zwischen 3,5 mm und 6 mm.

Angaben der SPP Hausbau:
• Hierbei handelt es sich um Risse, die bei Neubauten immer auftreten. Die Risse im Gästezimmer über der Garage sollten durch ausspritzen der Ziegelfuge mit Fugenmörtel und Verdübelung mit Epoxidharz und Stahlnägeln behoben werden. Zudem soll ein verstärktes Netz eingearbeitet werden. Das entspreche dem Stand der Technik.
• Hier verweist man auf die Verarbeitungsrichtlinien.
• Bei den Fenstern handle es sich um Salamander-Fenster mit europaweiter CE-Zertifizierung
• Beim Putz gebe es keine gesetzliche Mindeststärke von 7 mm. 4,5 mm sollten aber vorhanden sein. Bei einer Putzstärke von 3,5 mm bis 6 mm käme man auch rechnerisch zu mehr als 4,5 mm im Mittel.