Erstellt am 22. Oktober 2015, 05:57

von Otto Havelka

Marillen und Nüsse als Polit-Zankapfel. Die vom Gericht angeordnete Rodung der Obstplantagen des Schwadorfer Bäckers Johann Kriegler sorgt für politischen Zwist.

Krieglers Obstplantage soll vorerst als Erholungsgebiet für die Bevölkerung erhalten bleiben  |  NOEN, Otto Havelka

Die VP-Fraktion preschte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung mit einem Dringlichkeitsantrag vor: Die Gemeinde solle Herrn Kriegler „im Zuge der erzwungenen Rodung der ‚Pfaffenöden‘ und der einhergehenden Ersatzpflanzungen finanziell entlasten“.

Wie die NÖN berichtete, hat Krieger seit Jahrzehnten ein mehrere Hektar großes Grundstück von der Gemeinde gepachtet und dort Obstbäume gepflanzt. Nun ist der Pachtvertrag ausgelaufen, und die Gemeinde fordert eine Rückgabe des Grundstückes im ursprünglichen Zustand – sprich: ohne Bäume.

Bäume müssen Golfplatz weichen

Das Bezirksgericht Schwechat entschied vor wenigen Wochen im Sinne der Gemeinde und forderte in seinem Urteil Herrn Kriegler auf, das Grundstück binnen 14 Tagen „geräumt von eigenen Fahrnissen zu übergeben“.

Die (finanziell) harte Nuss neben den Kosten für die Rodung ist dabei, dass für das Fällen der Bäume die dreifache Fläche an Wald wieder aufgeforstet werden muss.

VP-Fraktionschef Anton Hietz will dieses Urteil außer Kraft setzen. Es sei nur recht und billig, dass derjenige die Kosten für die Ersatzaufforstung trägt, der auch den Nutzen von der Rodung der „Pfaffenöden“ und der weiteren Nutzung dieser Fläche hat. Und das sei die Firma Huber, die auf dem Gelände einen Golfplatz errichten will.

SP-Bürgermeister Roman Stachelberger zeigt für das Ansinnen der VP-Fraktion wenig Verständnis. Für ihn ist ein Verzicht auf die Umsetzung des Gerichtsurteils „nicht vertretbar“.

Der Schwadorfer Bäcker Johann Kriegler habe mit dem Obstanbau viele Jahre „ein Geschäft gemacht und Geld verdient“, so Stachelberger. Es sei daher nicht einzusehen, warum ein Ebergassinger Unternehmen dafür zahlen soll.

Gemeinderat beschließt Schonfrist für Kriegler

Das finanzielle Damoklesschwert wird vorerst dennoch nicht auf Bäcker Kriegler niedersausen. Nach einem Antrag der Bürgerliste „Eber“ beschloss der Gemeinderat, als Eigentümer der Flächen am „Pfaffenöden“ mit der Einforderung der Rodung solange zuzuwarten bis die Umsetzung und Ausfinanzierung des Golfplatzkonzepts nachweislich abgesichert ist.

Bis dahin soll der „Obstgarten“ im jetzigen Umfang erhalten bleiben und „der Bevölkerung zur Nutzung als Naherholungsgebiet zur Verfügung gestellt werden“.