Erstellt am 06. Oktober 2015, 13:56

von Brigitte Wimmer und Benjamin Mühlbacher

Naturjuwel im Blick der Landwirtschaft. Schaffen Naturschutz und Landwirtschaft einen Konsens? Dieser Frage ging der Naturschutzbund nach. Die NÖN war dabei.

 |  NOEN, Brigitte Wimmer

In Moosbrunn befindet sich eines der letzten intakten Niedermoore Österreichs, die „Brunnlust“. Im Jahre 1983 wurden knapp 10 Hektar von der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung zum Naturdenkmal und zum Europaschutzgebiet erklärt.

Niedermoore und Feuchtwiesen garantieren die ungestörte Vogelbrut und die Verbreitung seltener Pflanzen- und Tierarten. Zum Beispiel brüten große Brachvögel im Moosbrunner Niedermoor.
Aktuell führte der NÖ Naturschutzbund eine Exkursion durch das Moor, dabei stießen die Teilnehmer auf viele bedrohte Pflanzenarten. Mehr als 50 Personen machten mit.
 



Im Zentrum standen die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Ökologie des Moores. Aus der einstigen Landschaft mit weitläufigen Hutweiden wurde eine intensiv genutzte, drainagierte Ackerlandschaft. Dadurch wurden viele Niedermoore ausgetrocknet und zurückgedrängt. 40 in Österreich gefährdete Pflanzen wachsen im Niedermoor von Moosbrunn und am Doberring haben dieses Jahr sogar Graugänse gebrütet und Kraniche lassen sich hier ebenfalls nieder, um Familien zu gründen. „Da die Bodentemperatur im Niedermoor konstant gleich bleibt können hier viele kaltlebige Pflanzenarten überleben, die sonst nur noch in den Alpen wachsen“, sagte Norbert Sauberer, Obmann der Regionalgruppe Feuchte Ebene-Thermenlinie.

Strenge Vorgaben der Europäischen Union

Durch die gezielte Maht können seltene Gräser und Pflanzen erhalten werden, die sonst durch das schnelle Wachstum von Schilf, Reitergras, Schneid-ried und Knollenbinse erstickt würden. Landwirt Andreas Kogl ist einer der Bauern, der diese Feuchtwiesen pflegt. Da gibt es von der EU ganz klare Vorgaben und einen Zeitschnittplan, der teilweise aber etwas realitätsfremd ist. „Wenn da zum Beispiel eingetragen ist, ich darf von 10. April bis 28. Mai mähen, aber in der Zeit regnet es sehr häufig, gibt es keine Toleranzzeiten und die EU-Förderungsprämie für den Landwirt ist in Gefahr.

Die Mehrheit der Landwirte steht schwer unter
Druck der aktuellen Agrarpolitik der EU.“ 
Norbert Sauberer, Obmann der Regionalgruppe


Auch Walter Hödl, Vorsitzender des Naturschutzbundes NÖ, übte Kritik an der gängigen Agrarpolitik: „Jahrhunderte lang profitierten viele Tierarten von der bäuerlichen Bewirtschaftung. Heute wird dieser Bonus durch die gängige Praxis wieder zunichtegemacht. Die industrielle Ackerlandschaft ist für Feldhase, Rebhuhn oder Feldhamster lebensfeindlich. Wenn die Landwirte die Wiesen nicht mehr mähen, hat das sichtbare Folgen: Braunes Gras vom Vorjahr bedeckt die Wiese, Sträucher und Bäume kommen auf. Immer mehr Flächen werden in Bauland umgewidmet, aufgeforstet, verbaut oder verbrachen.“

Norbert Sauberer sieht ein weiteres Problem: „Ich kenne in der Region einige Landwirte, die viel Verständnis für die Bedürfnisse sensibler Pflanzenarten zeigen und die uns bei der Biotopflege helfend zur Seite stehen. Die Mehrheit steht aber schwer unter dem Druck der Agrarpolitik der EU, und diese lässt wenig Spielraum für Artenschutz. Umso wichtiger ist es, ausgesuchte wertvolle Flächen durch Ankauf zu sichern.“ Heuer ist es dank vieler Spenden gelungen, große Flächen mit der Sibirischen Schwertlilie bei Moosbrunn und der Sumpf-Gladiole bei Pischelsdorf zu kaufen.