Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:12

von Andreas Fussi

Neuer Lärmschutz ist einzigartig. Die NÖN bekam Einblick in Arbeiten für die neue Lärmschutzwand im Bereich des dreispurigen A4-Ausbaus.

Landschaftsarchiktekt Paul Kandl und Asfinag-Projektleiter Andreas Hautzinger zeigten, wie der Lärmschutz gerade entsteht. Auf die Gestaltung wurde großer Wert gelegt.  |  NOEN, Fotos: Fussi

Der dreispurige Ausbau der A4 Ostautobahn steht vor der Fertigstellung. Derzeit werden nur noch die Lärmschutzwände errichtet, die aber ihresgleichen suchen.  Der Anrainer-Schutz durch diese neue und höhere Wand ist spürbar besser und auch auf die Gestaltung wurde Wert gelegt. Die NÖN durfte exklusiv die neue Lärmschutzwand und ihre Entstehung besichtigen. Hervorgegangen ist dem Ganzen ein Gestaltungswettbewerb. Eine Fachjury hat unter zahlreichen Projekten jenes von Landschaftsarchitekten Paul Kandl als Siegerprojekt ausgewählt.
 

Kandl interessierte beim Reizthema Lärmschutzwände vor allem, wie man eine gewisse Leichtigkeit hineinbringen könne. Seine Idee war es, den gesamten Bereich der Wand als eine Art Daumenkino für die vorbeifahrenden Menschen wirken zu lassen. Als Motto hat er den Pannonischen Landschaftsraum ausgewählt, mit Wind und Wasser und der typischen Vegetation. Sein Hauptgestaltungsmerkmal sind die Steher, die bei Kandl „vom Stiefkind zum strukturgebenden Protagonisten“ werden.

Eine Lärmschutzkassette geht in die andere über. Die Verdichtung und dann wieder Ausweitung führe zum gewünschten Daumenkino-Effekt. Dazwischen sind aufgeklappte Zwickel angeordnet, die mit transparentem Acrylglas gefüllt sind, das einen Blick in die dahinterliegende Landschaft ermöglicht. „Es ist eine unspektakuläre Gestaltung, die nicht nervig ist, sondern eine dezente Begleitung darstellt“, so Kandl.

Mehr Aufmerksamkeit und kein Tunnelblick

Beim Grundmaterial des Lärmschutzes hat man sich bewusst für ein ökologisches entschieden, nämlich Recycling-Holzbeton-Teile. Asfinag-Projektleiter Andreas Hautzinger schwärmt: „Diese Art der Gestaltung einer Lärmschutzwand ist bislang einzigartig!“ Baubeginn für den Lärmschutz war heuer im April. Zur Zeit sei man gerade in der Phase des Einsetzens der Kassetten. Eine solche ist 5 x 1 Meter groß. In Summe werden 2.000 solcher Holzbeton-Teile verwendet.

2012 wurde der Gestaltungsbeirat gegründet, seither sind 11 Lärmschutzprojekte durch Gestaltungswettbewerbe umgesetzt worden. „Im Schwerpunkt steht für uns aber immer die Verkehrssicherheit“, so Hautzinger. Diese werde durch die neue Art der Gestaltung sogar gefördert. Denn die Abwechslung der Elemente schärfe die Konzentration der Autofahrer und der sonst vielfach auftretende Tunnelblick falle weg.

Holz als optisches Element auf Rückseite

Auch auf die Optik der Rückseite der Lärmschutzwand wurde Wert gelegt und eine Lärchenholz-Konstruktion gewählt. „Wir wollen, dass die Bürger nicht auf grauen Beton schauen müssen, sondern auf Holz“. Auch die Böschung wird bepflanzt, was einen schönen Übergang darstelle. Insgesamt wurden für den Lärmschutz im Bereich Fischamend ca. 200.000 m gerodet. Als Ersatzmaßnahme werden rund 18 Hektar in Maria Ellend ausgepflanzt.