Erstellt am 16. März 2016, 14:32

von Gerald Burggraf

„Pickerl“-Überprüfung in der Raffinerie. Der Betrieb der Raffinerie Schwechat steht im April still. Zumindest ein Teil davon...

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Alle sechs Jahre muss die OMV eine gesetzlich vorgeschriebene Generalüberprüfung der Anlagen, den so genannten „Turnaround“, durchführen. Im April ist es nun wieder so weit.

Bereits in den kommenden Tagen werden die ersten sichtbaren Maßnahmen, wie das Aufstellen von Kränen, Containern und ähnlichem am OMV-Gelände gesetzt.

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Der Turnaround geht dann konkret von 4. bis 29. April über die Bühne. In diesem Zeitraum werden rund 50 Partnerfirmen mit etwa 2.500 Mitarbeitern am Standort arbeiten. Das Ab- und Anfahren der Anlage dauert jeweils zehn bis 14 Tage.

Im Zuge des Turnarounds kommt es zu einer gründlichen Reinigung, Inspektion und Wartung zahlreicher Anlagen. Vereinfacht dargestellt handelt es sich um eine „Pickerl“-Überprüfung bei einem Pkw. „Natürlich um einiges umfangreicher“, wie Raffinerie-Direktor Thomas Gangl im Rahmen einer Pressekonferenz betonte. Vor allem um die Sicherheit zu gewährleisten muss daher der Betrieb heruntergefahren werden.

„Auch das „Herzstück der Raffinerie“, die Rohöldestillationsanlage 4, wird abgeschaltet. Im Zuge dessen werden etwa fast 13 Kilometer an Rohrleitungen erneuert und 306 Tonnen Stahl verarbeitet. Ausgespart wird übrigens der Werksteil der Petro-Chemie, sprich der Kunststoffproduktion. „Alles zusammen wäre logistisch nicht möglich. Die Petro-Chemie folgt 2017“, so Gangl.

40 Millionen Euro für Turnaround

Doch auch die im kommenden Monat geplante Sicherheitsüberprüfung ist eine große Herausforderung. „Wir planen seit zwei Jahren daran“, erläuterte Stefan Hölbfer, Leiter des OMV Turnaround Managements.

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Abgesehen von den technischen Vorbereitungen und der sorgfältigen Auswahl der Partnerfirmen, darunter auch niederösterreichische Betriebe, ist auch die Versorgung der zusätzlichen 2.500 Fachkräfte ein wichtiger Punkt. Insgesamt nimmt die OMV dafür 40 Millionen Euro in die Hand.

Der zweite Turnaround im kommenden Jahr dürfte dann noch einmal so viel kosten. Dieses Geld ist laut Raffinerie-Chef Gangl gut investiert. „Unser oberstes Ziel ist es keine Unfälle zu haben. Die Sicherheit hat, neben der größtmöglichen Rücksichtnahme auf die Anrainer, oberste Priorität“, lässt er wissen.  

 
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Letztendlich garantiere der Generalinspektion die Aufrechterhaltung der hoch angesetzten Sicherheitsstandards. Immerhin ist die Raffinerie 365 Tage im Jahr 24 Stunden im Dauerbetrieb.

„Natürlich erreichen wird mit dem Turnaround auch Effizienzsteigerungen durch die Reinigung der Rohre und Anlagen. Doch die Investition können wir dadurch nicht reinholen“, gab Gangl zu Protokoll. Darum gehe es aber auch gar nicht, sondern in erster Linie um den Sicherheitsgedanken. Daher wurden auch 700 Mitarbeiter der beim Turnaround engagierten Partnerfirmen speziell geschult.

Auswirkungen auf Anrainer möglichst gering

Der zweite große Punkt ist die Rücksichtnahme auf die umliegende Bevölkerung. „Wir wollen gute Nachbarn sein“, unterstrich Gangl. Er könne nicht ausschließen, dass es zu Abfackelungen oder lauteren Geräuschen käme. „Wir versuchen es aber auf einem Minimum zu halten“, versprach er.

Eine Geruchsbelästigung sollte es grundsätzlich nicht geben. Allerdings merkte der Raffinerie-Direktor an, dass es beim Öffnen der Anlagen durchaus etwas stärker Riechen könnte. Der Reinigungsprozess sieht vor, dass die Anlagen einerseits mit Dampf und Stickstoff von Kohlenwasserstoff befreit wird und andererseits wird es auch einen großen Waschplatz im Süden der Raffinerie geben wird.

Anrainer können sich übrigens bei Fragen rund um den Turnaround rund um die Uhr über das „Grüne Telefon“ unter 0664/9108787 informieren.