Erstellt am 25. September 2015, 06:37

von NÖN Redaktion

"Wir sind alle Marienthal!". Eine Performance nach Texten aus der Marienthalstudie und Margit Hahns neuem Stück „Fair und nachhaltig kündigen“. Premiere am 3. Oktober in Gramat.

Die Künstlerin bringt eine kritische Auseinderdetzung mit der Arbeitswelt. Spitze Formulierungen inklusive.  |  NOEN, privat

„Wir sind alle MARIENTHAL!“ Eine multimediale Performance über Arbeit und Arbeitslosigkeit im Rahmen des Jahresprojekts „TRANSFORMANCE continued“ steht vor der Premiere, diese findet am Samstag, 3. Oktober um 19:30 Uhr im Gemeindezentrum Marienthal statt.

Die Basis der Performance bilden Textauszuge aus der berühmten soziografischen Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ der SoziologInnen Paul F. Lazarsfeld, Marie Jahoda und Hans Zeisel aus dem Jahr 1933, die dem Uraufführungstext „Fair und nachhaltig kundigen“ (2015) der österreichischen Autorin Margit Hahn gegenübergesetzt werden. Damit soll gewährleistet werden, dass ein aktueller Text aus der Feder einer Schriftstellerin, die sich seit Jahren mit dem Thema Arbeit / Arbeitsplatzverlust und den dahinter liegenden Machtstrukturen auseinandersetzt – recherchierend und literarisch verfremdend –, neue Einsichten auf heutige Dimensionen einer exponentiell ansteigenden Arbeitslosigkeit ermöglicht.

Verlust von Vertrauen in die Veränderbarkeit

Die Konfrontation der Epochen – hier frühe Dreißigerjahre, da die letzten 6 Jahre seit der „Großen Krise“ zu Beginn eines neuen Jahrtausends – evoziert neue, oft erschreckende Parallelen und Aussichten. Allen voran steht die gefährliche „Politikverdrossenheit“, die einhergeht mit dem Verlust von Vertrauen in die Veränderbarkeit der Welt, einer allgemeinen Erosion politischer Teilhabe und ein resultierender Demokratieabbau, der einer der Folgen von Ausbildungs- und Arbeitsverlust ist, begleitet vom Schwund gesellschaftlicher Partizipation, besonders unter bildungsfernen Schichten.

In der Textmontage „Fair und nachhaltig kündigen“ versammelt und kontrastiert Margit Hahn Case-Studies, Geschichten von gekündigten oder von Arbeitslosigkeit bedrohten Männern und Frauen, die Existenzängsten und gesellschaftlicher Entwertung ausgesetzt sind, und Aussagen, Kalauer, Zitate und Gesprächsfragmente von Chefs, Abteilungsleitern, Konzernmanagern. Letztere dokumentieren die äußerste Kälte und Grausamkeit gegenüber Einzelschicksalen, mit der die von Kapitalinteressen geleitete Logik der Konzerne betriebliche Restrukturierungsmaßnahmen zur „Notwendigkeit“ erklärt und daraus angeblich nötig gewordene Entlassungen von zu viel, zu alt, zu teuer gewordenem Personal ableitet.

Margit Hahn untersucht mit der ihr eigenen Feder, mit Humor und Schonungslosigkeit nicht bloß, was in den Chefetagen der Großbetriebe gesagt, geschrieben und argumentiert wird, sondern vor allem auch die Sprache, das Managerkauderwelsch, mit der das tagtäglich vor sich gehende, zur „Normalität“ verkommene Ausrangieren von tausenden Menschen kommentiert und legitimiert wird.


Das Team

Künstlerische Leitung/Regie/Raum: Eva Brenner (A/USA), Projektleitung/Pressearbeit: Andrea Munninger(A), Regieassistenz: Johannes Starmühler(A), Dramaturgie/Textrecherche: Michaela Adelberger(D) Assistenz: Felix Kristan (A), Janea Hansen (D), Katja Schatilowa (D), Technik/Licht: Richard Bruzek (A), Objekte/Kostüme: Markus Kuscher (A), Fotografie: Roman Picha (A), Musik: Walter Nikowitz (A/AR), Maren Rahmann (D); Performance: Rremi Brandner (A), Tristan Jorde (A), Luise Ogrisek(A), Maren Rahmann (D). Live-Video/Dokumentation: Bernhard Riener (A), Grafik/Homepage: Alexander Schlögl (A), EDV-Beratung: Oliver Sowa (A), Beratung: Walter Baier (A), Andrea Komlosy (A), Gerhard Lukawetz (A).