Erstellt am 21. Januar 2016, 05:38

von Marcella Bolaffio

Rannersdorf feiert 70 Jahre Pfarre. Pater Dominik Poppen zeigte sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs für den Aufbau der Kirche verantwortlich.

Die Pfarrkirche »Maria Herz« besteht mittlerweile seit 70 Jahren.  |  NOEN, Bolaffio

„Wenn aus einem Hasenstall eine Kirche werden kann, wenn aus Wasser Wein wird, was kann dann erst aus uns werden, wenn wir Gott nur wirken lassen“, endet Bischofsvikar Rupert Stadler die Festmesse zum 70-jährigen Bestehen der eigenständigen Pfarre Rannersdorf. Und tatsächlich, wo heute der Altar steht, war einst ein Hasenstall. „Da ist dann zunächst eine Kapelle entstanden und dann ist das da alles dazu gebaut worden“, erklärt Maria Pap, Pastoralassistentin in Rannersdorf, und deutet auf das Kirchenschiff.

„Ha, weißt noch, wie uns die Dachziegel fast erschlagen hätten, beim Dachabdecken?!“ „Und da oben hamma Kino g’spielt! Das war das erste Kino, dass es da in der Gegend überhaupt gegeben hat! Nach der Kirche samma da hingangen – und die Mama hat g’schimpft!“, tauschen Frau Neubauer, Franz Russ, Rudolf Volek und andere Zeitzeugen im Zuge der Ausstellung Erinnerungen aus.
 



Dass so viele, damals Jugendliche, von sich aus beim Bau einer Kirche – und das unter zweifelhaften Sicherheitsmaßnahmen – mithelfen, ist heute kaum vorstellbar. Vollbracht hat dieses Wunder Pater Dominik Poppen, der während des Zweiten Weltkrieges als Kaplan in Schwechat eingesetzt war. Dem Nationalsozialismus zum Trotz – und unter Einsatz des eigenen Lebens – hielt „Onkel Poppen“ an seinen eigenen Idealen fest. Unter anderem begeisterte er die Jugendlichen für die Idee der Pfadfinder, die damals streng verboten war.

„Er gründete mit Kriegsende die erste Pfadfindergruppe in Rannersdorf, die damals auch tatkräftig am Bau der Kirche beteiligt war“, weiß Richard Hauer, heutiger Gruppenführer der Pfadfindergruppe Schwechat, die heute wieder in Rannersdorf beheimatet ist.

Die Geschichte der Kirche in Rannersdorf ist eng mit dem Wirken der Menschen verbunden. „Segne diese Zeit, in die du uns hineingestellt hast. (...) Mitzubauen an einer Kirche von heute ist unser Auftrag – dazu sind wir bereit.“