Erstellt am 08. Juni 2016, 05:10

von Gerald Burggraf, Susanne Müller und Josef Rittler

VOR stellt neues Tarifsystem vor. Verkehrsverbund Ost-Region lässt Zonen verschwinden. Durchwegs überraschte Gesichter in der Politik.

Der Verkehrsverbund Ost-Region setzt ab 6. Juli auf ein neues Tarifsystem und verabschiedet sich von den Zonen.  |  NOEN, Symbolfoto: Burggraf
Über 30 Jahre gilt nun bereits das Zonen-Tarifsystem des Verkehrsverbund Ost-Region (VOR). Wirklich glücklich wurde damit niemand. Denn vor allem die Tatsache, dass eine Fahrt ab dem Zonenanfang genauso viel kostete, wie vom Zonenende war nur schwer verständlich.

Deshalb gaben die drei VOR-Gesellschafter vor rund drei Jahren den Auftrag, ein neues Tarifsystem zu entwickeln. Mit 6. Juli wird es soweit sein, wie die Geschäftsführer Wolfgang Schroll und Thomas Bohr nun bekannt gaben. Die Zonen verschwinden komplett, stattdessen muss der Kunde künftig beim Kauf eines Tickets, seine Fahrstrecke definieren – damit sind dann letztendlich die zurückgelegten Kilometer entscheidend.

Oder wie es VOR-Pressesprecher Georg Huemer formuliert: „Der Preis berechnet sich nach dem tatsächlich in Anspruch genommenen Angebot“. Im Endeffekt zielt die Systemumstellung auf eine „fairere und nachvollziehbarere“ Art der Ticketberechnung (mehr dazu im Landesteil auf Seite 9).

Die einzige Information, die wir im Vorfeld
erhalten haben, ist, dass der VOR daran
arbeitet.“ Brigitte Krenn, Schwechats
Vizebürgermeisterin (Grüne)
Wie bei jeder Reform wird es auch hier Gewinner und Verlierer geben, wobei keine Preiserhöhung geplant ist. Zu den Profiteuren dürften jene Gemeinden zählen die sich direkt an der Wiener Stadtgrenzen befinden oder an einer Grenze ihrer bisherigen Zone. Als Reichenbeispiel dient etwa die Situation in Perchtoldsdorf (Bez. Mödling), vergleichbar mit der Lage Leopoldsdorfs, also direkt an der Wiener Stadtgrenze.

Dort musste man bisher für die Jahreskarte, die neben der ersten Außenzone auch Wien beinhaltet, 780 Euro zahlen. Mit dem neuen Tarifsystem wären es dann nur noch 605 Euro. Die Kernzone Wien 100 bleibt übrigens erhalten und ist von der Umstellung nicht betroffen.

Die Gemeinden seien laut VOR bereits im Vorfeld von den Neuerungen in Kenntnis gesetzt worden. Dort sieht man die Sache aber anders. Hainburgs VP-Bürgermeister Helmut Schmid: „Wir haben nur die Information bekommen, dass es keine Zonen mehr gibt“. Er pendelt selbst mit einer Jahreskarte nach Wien zur Arbeit. Was sich konkret ändern werde, sei aber nicht bekannt. „Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass das neue System den Bahnkunden billiger kommt.“

50.000 Euro im Jahr sparen

Gerüchtehalber zu Ohren gekommen ist die Neuerung Schwechats Vizebürgermeisterin Brigitte Krenn (Grüne). „Die einzige Information, die wir erhalten haben, ist, dass der VOR daran arbeitet. Und das es vor dem Sommer etwas geben wird. Genaueres weiß ich aber nicht“, ärgert sie sich. Generell hätte sich Krenn über eine einfache Zonenerweiterung gefreut. „Damit könnten wir uns 50.000 Euro im Jahr für die Schwechater Öffi-Card sparen“, erklärt sie. Diese sei nichts anderes als eine Erweiterung der Kernzone 100, jedoch auf Kosten der Stadtgemeinde Schwechat. Langfristig hält die Vizebürgermeisterin sowieso eine Pauschalkarte, wie das 365-Euro-Ticket in Wien als zielführend.

Überrascht über das künftige VOR-Tarifsystem reagiert man auch in anderen Gemeinden der Region. Etwa in Bruck: „Verwundert“ ist etwa SP-Vizebürgermeister Gerhard Weil: „Ich habe mit dem VOR und den ÖBB an sich einen guten Kontakt durch mehrere bisherige Projekte, aber davon weiß ich nichts.“
Ähnlich überrascht zeigt sich auch Fischamends Bürgermeister Thomas Ram (RAM).

„Wir wurden nicht informiert. Ich finde es ehrlich gesagt auch schade, dass die Zone 100 bleibt“, erklärt er auf Anfrage der NÖN. Man werde sich die Reform des VOR-Tarifsystems jedoch ganz genau anschauen und hoffe auf Verbesserungen für die Fischamender Bevölkerung.


Zum Thema

• Der VOR: Der Verkehrsverbund Ost-Region wurde 1984 gegründet und fasst den öffentlichen Verkehr in Wien, Niederöstereich und Burgenland zusammen. Die jeweiligen Bundesländer sind auch gleichzeitig die Gesellschaft mit zwei Mal 44 Prozent (Wien und NÖ) sowie zwölf Prozent.

• Die Region: Auf einer Fläche von über 23.500 m2 leben knapp 3,7 Millionen Menschen.

• Die Verkehrszahlen: Jährlich fahren über eine Milliarde Fahrgäste (Stand 2014) mit den den rund 40 Verkehrsbetrieben im VOR. Der Verkehrsverbund vereint 881 Linien mit 11.784 Haltestellen.

• Die Erlöse: Im Jahr 2014 erwirtschaftet der VOR rund 600 Millionen Euro.

• Die Geschäftsführer: Wolfgang Schroll und Thomas Bohr

• Weitere Neuerungen: Neu im VOR-Ticketsortiment sind Senioren- und Behinderten-Vergünstigungen sowie Tageskarten. Tickets sind ab 6. Juli auch online über den VOR-Onlineshop erhältlich. www.vor.at