Erstellt am 11. November 2015, 05:42

von Raimund Novak und Daniel Maier

Hallenbad kommt Gemeinden teuer. Schul-Gemeinden müssen 1,8 Millionen Euro zahlen – Schwadorf allein benötigt 1,2 Millionen Euro Eigenkapital.

Die Kosten der Hallenbad- , Turnsaal- und Vorplatzsanierung bereiten den vier Schulgemeinden große Sorgenfalten.  |  NOEN, Foto: Novak

Eine schnelle Lösung in Sachen Hallenbad ist dem Gemeinderat ein großes Anliegen, daher wurde vor wenigen Tagen eine Gemeinderatssitzung eingeschoben. Mit dem Eintreffen der an Fieber erkrankten Christiane Amsüss war dann auch die Beschlussfähigkeit erreicht und die Diskussionsrunde eröffnet.

Mehrere Varianten wurden von SP-Bürgermeister Jürgen Maschl präsentiert, wobei jene, die zwei neue Turnsäle oder einen Totalabriss mit Errichtung eines neuen Saals vorsahen, kaum Beachtung geschenkt wurden, da die Kosten vier Millionen Euro beziehungsweise 2,6 Millionen Euro betragen würden.

Vielmehr wurde über die bereits im Vorfeld diskutierte und wahrscheinlichste Variante, eine Sanierung der beiden Einrichtungen, diskutiert. Und so sehen die geplanten Maßnahmen im Detail aus: Die Sanierung des Hallenbads mit Nirostawanne, Säulenbau, Abflusserneuerungen, Nebenräumen- und Duschkabinenerrichtung etc. sieht Investitionskosten von 1.025.000 Euro vor.

Die Bürger sollen zahlen und dürfen dann
nur ins Hallenbad gaffen?“ 
Jürgen Maschl SP-Bürgermeister

Der 42 Jahre alte Turnsaal muss aufgrund von wackeligen Geräten, kaputten Boden und Duschleitungen um 550.000 Euro erneuert werden. Der Innenhof der Schule (Vorplatz), der gleichzeitig ein Fluchtweg ist, muss ebenfalls um 215.000 Euro umgestaltet werden, da die unebenen Betonplatten eine Gefahr darstellen.
60 Prozent der 1,8 Millionen Euro werden auf die Schulgemeinden Schwadorf, Kleinneusiedl, Enzersdorf und Rauchenwarth aufgeteilt, wobei Schwadorf mit 83 Schülern (von insgesamt 228) rund ein Drittel der 60 Prozent übernehmen muss.

40 Prozent des Gesamtbudgets gehen komplett auf das Konto der Heimatgemeinde. Schwadorf benötigt somit 1,2 Millionen Eigenkapital. „Bekommen wir einen Kredit in dieser Höhe überhaupt“, fragte sich ÖVP-Gemeinderat Thomas Richter. Bürgermeister Maschl betonte, dass Förderungen vom Land angesucht werden müssen. „Da wäre es wichtig, wenn wir mit einer geschlossenen Meinung in St. Pölten auftreten.“

EMS-Direktorin Gerlinde Stadler betonte im Vorfeld die Wichtigkeit der Einrichtung: „Das Hallenbad war für die Europaschule für vierzig Jahre der zweite Turnsaal. Beide Sportstätten waren bisher voll ausgelastet.“ Jede Schulstufe hat neben zwei Regelturnstunden wöchentlich auch zwei Schwimmstunden am Stundenplan. Auch die Volksschulen Schwadorf, Kleinneusiedl und Enzersdorf benützen das Bad regelmäßig.

Gemeinderat beschloss einstimmig

Aufgrund der in der Sitzung vorgetragenen Finanzanalyse im Vorfeld des Themenschwerpunktes Hallenbad, wo sich herausstellte, dass das Bad von der Öffentlichkeit nur selten in Anspruch genommen wird (2,2 Besucher pro Öffnungsstunde), meinte der geschäftsführende VP-Gemeinderat Josef Seyer: „Da brauche ich nicht lange überlegen, es muss ein reines Schulbad werden und die Öffentlichkeit gehört gestrichen.“ Der Bürgermeister meinte dazu: „Die Bürger sollen zahlen und dürfen dann nur ins Hallenbad gaffen, weil sie nicht rein dürfen? Das würden sie nicht verstehen.“ Eine massive Einschränkung der Öffentlichkeit, um Kosten zu minimieren war der Vorschlag des Ortschefs.

Seyer befürchtet, dass die Weiterführung als öffentliches Hallenbad mit zu vielen Kosten verbunden ist und stellte den Antrag das Gebäude als Schulbad zu führen. Die SPÖ warf ein, dass lediglich ein Grundsatzbeschluss über eine Sanierung gefällt werden soll - die ÖVP bat dann um eine Sitzungsunterbrechung.

Nach der fünfminütigen Beratung zog Seyer seinen Antrag zurück und der Gemeinderat beschloss einstimmig, unter der Berücksichtigung von Förderungen und positiven Rückmeldungen der anderen Gemeinden, die Sanierung.

Die Ereignisse

Frühjahr 2015: Der neu gewählte Bürgermeister Jürgen Maschl wird mit dem ersten großen Problem konfrontiert: Das Hallenbad neben der Europaschule ist in einem desolaten Zustand. Er rechnete mit mehreren 100.000 Euro Sanierungskosten.

Sommer 2015: Im Zuge von Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten für den Start in die neue Badesaison treten zahlreiche Schäden auf. Das Hallenbad wird bis auf Weiteres geschlossen.

September 2015: Die Gemeinde tüftelt an einer Lösung. Eine Sanierung, ein Neubau und ein Totalabriss stehen im Raum, wobei die kostengünstigste Variante, eine Sanierung, auf rund zwei Millionen Euro geschätzt wird.

Oktober 2015: Kleinneusiedl verfasst einen Grundsatzbeschluss, der eine Sanierung des Hallenbads vorsieht.

November 2015: Die Gemeinde Schwadorf folgt nach. Die Kosten für die Sanierung werden mit 1,8 Millionen Euro angegeben. Der Bürgermeister rechnet frühestens 2017 mit einer Wiedereröffnung.

Zitate

„Mir ist klar, dass Schwadorf eine rasche Lösung anstrebt, aber für uns ist die Meinung eines Fachmannes zu wenig. Wir möchten weitere Experten zurate ziehen, vielleicht gibt es günstigere Varianten.“
Ernst Schüller, ÖVP-Bürgermeister Rauchenwarth

„Es ist im Sinne unserer Kinder und der Bevölkerung, dass Bewegung nicht zu kurz kommt.“
EMS-Direktorin Gerlinde Stadler

„Eine Mehrzweckhalle wäre aus unserer Sicht nicht notwendig, da wir mit dem Turnsaal auskommen. Aber die Auflassung wäre ungünstig, weil der Schwimmunterricht im Lehrplan verankert ist.“
Sabine Nackel, Vorsitzende der Schulen Schwadorf/Kleinneusiedl

„Wir zahlen schon jetzt 3.000 Euro pro Jahr und Kind aus Enzersdorf und Margarethen in den Schulverband ein. Die Kosten für die Sanierung müssen kalkuliert werden. Wie viel Förderung gibt es, was bleibt unter dem Strich.“
Enzersdorf Bürgermeister Markus Plöchl, ÖVP