Erstellt am 18. Februar 2016, 05:34

von Daniel Maier

Keine Angst vor PISA. Jeder Fünfte mit Mangel bei sinnerfassendem Lesen, verrät Studie – bei den Zahlen ist aber Vorsicht geboten, so Experten.

Gymnasiums-Direktor Heinz Lettner vermisst eine Auswertung nach Schultypen.  |  NOEN, Foto: NÖN

Die Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie scheinen erschreckend – bis zu einem Fünftel der Schüler soll nicht sinnerfassend lesen können. Gerne wird die Studie als Projektion des Versagens des Bildungssystems herangezogen.

Zu Vorsicht rät aber Heinz Lettner, Direktor am Schwechater Gymnasium – er weist darauf hin, dass die Fakten nicht wirklich aussagekräftig seien, zumal diese meist vereinfacht dargestellt werden: „Aus meiner Sicht wäre es wichtig, zu wissen, aus welchen Bereichen, also Schultypen, diese negativen Zahlen herkommen, um dann auch entsprechend gegenzusteuern. Es gibt sicher eine interne Auswertung; ich vermute dahinter aber durchaus schulpolitische Gründe.“

„So wie überall im Leben gibt es auch unter
den Schülern ein breites Spektrum“
 Reinhard Ransböck

Am Gymnasium wird jedes Jahr in den ersten Klassen das sogenannte Salzburger Lesescreening durchgeführt, um Defizite in diesem Bereich auszuloten und Leseförderung dort anzusetzen. Das zeigt sich auch in den Ergebnissen: Im diesjährigen Durchgang gab es nur 13 Prozent unter-, dafür aber 38 Prozent überdurchschnittliche Ergebnisse.

„Und auch bei den 13 Prozent muss man bedenken, dass diese nicht dem Nicht-lesen-können-Etikett entsprechen“, so Lettner. Somit sei zu belegen, dass die kolportierte „Nichtlesefähigkeit“ nicht aus dem AHS-Bereich stamme.

Dass man aber auch in anderen Schultypen vorsichtig mit den Zahlen agiert, betont Reinhard Ransböck, Direktor der IMS Lanzendorf: „So wie überall im Leben gibt es auch unter den Schülern ein breites Spektrum. Wir haben junge Menschen, mit denen ich bereits über George Orwell diskutiert habe, und andere, die in der Sekundarstufe noch eher Silbenlesen.“