Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:43

von Andreas Fussi

Potenzielle Käuferin bietet 7,8 Millionen. Übernahmeangebot für „visionäres Konzept“ liegt vor, aber vorerst gibt es keine Unterlagen für Kauf-Interessentin.

Das Multiversum steht zum Verkauf an. Konkrete Informationen zu Details der Abwicklung gibt es aber erst ab Ende Jänner.  |  NOEN, Foto: Fussi

Nach der öffentlichen Ankündigung der Stadtführung, das Multiversum verkaufen zu wollen, gibt es bereits Interessenten. Was es allerdings nicht gibt, sind konkrete Unterlagen seitens der Stadt bezüglich Verkauf und Immobilie.

Das stößt den Anbotslegern sauer auf. Die NÖN traf etwa die Geschäftsführerin einer Medizintechnik-Firma, die vor drei Wochen ein freibleibendes Übernahmeangebot übermittelte. Ihr Kaufpreis: 7,8 Millionen Euro brutto. Das bis 15.12. gültig gewesene Angebot inkludiert Immobilie und sämtliche Mietverträge, Verbindlichkeiten werden nicht übernommen.

Der Interessentin schwebt ein „Medical World“ im Multiversum vor, von medizinischer Versorgung angefangen bis zu medizinischen Veranstaltungen. Die Eventhalle wäre weiterhin auch für Sport- und Kulturtermine zu mieten. Das Vorhandensein des Gebäudes mache eine Realisierung des Projektes möglich. Etliche internationale Firmen stünden für dieses „visionäre Konzept“ Gewehr bei Fuß, heißt es. Vor allem die Nähe zum Flughafen beeindrucke die potenziellen Investoren. Verärgert zeigt sich die Interessentin, dass es bislang keine Unterlagen seitens der Stadtgemeinde gibt. Dadurch könne sie auch kein verbindliches Angebot stellen.

 „Es ist noch zu früh für eine genaue Verkaufsstrategie“

Dazu hält SP-Bürgermeisterin Karin Baier fest: „Die weitere Vorgehensweise zum möglichen Verkauf des Multiversums wird ab Jänner in Abstimmung mit der neuen Geschäftsführung erfolgen.“ Alle Interessenten würden dann Informationsmaterial zur Verfügung gestellt bekommen, so Baier, die um Verständnis ersucht, „dass wir Inhalte von Angeboten nicht öffentlich behandeln“.

Auch Vizebürgermeisterin Brigitte Krenn, Grüne, erklärt, dass von der neuen Geschäftsführung zum Verkauf des Multiversums Vorbereitungen getroffen werden. „Dann werden alle Interessenten eingeladen, Angebote zu legen. Diese Schritte müssen gut vorbereitet werden, denn wir verkaufen ja nicht irgendein Ding, sondern eine wertvolle Immobilie.“

Krisenmanagerin Annette Neumayer-Weilner gibt gegenüber der NÖN an, am 10. Dezember zur neuen Geschäftsführerin bestellt worden zu sein. Sie wolle nun alles sichten und prüfen. „Es ist noch zu früh für eine genaue Verkaufsstrategie.“ Man möge ihr bis Ende Jänner Zeit geben. „Ernstzunehmende Käufer können bis dahin warten“, ist sie überzeugt.

Reaktionen der Opposition

„Es fällt in den Aufgabenbereich der neuen Geschäftsführerin, Angebote zu bewerten und Verhandlungen mit Kaufinteressenten zu führen. Der angebotene Kaufpreis erscheint mir allerdings wenig attraktiv. Auch wenn es intensiver Bemühungen bedarf – der Verkauf der Veranstaltungshalle muss gewissenhaft betrieben werden. Ein Verscherbeln der Immobilie wäre ein weiterer verheerender Fehler für die Finanzen der Stadt.“
Andrea Kaiser, FPÖ

„Das Kaufangebot für das Multiversum kann ich nicht kommentieren, wir haben leider viel zu wenig Informationen. Nur soviel dazu: 7,8 Millionen Euro kostet uns das Multiversum im Jahr! Die Errichtungskosten werden langfristig 70 bis 100 Mio. Euro betragen! Jetzt soll sich jeder sein Bild selber machen.“
Lukas Szikora, ÖVP

„Wir haben dieses Übernahmeangebot genauso wie alle anderen Fraktionen zur Information bekommen. Wenn so, wie in diesem Schreiben dargestellt, vonseiten der Bürgermeisterin drei Wochen keine Reaktion gekommen ist, würde ich das als grob fahrlässig bezeichnen. In der Situation in der sich Schwechat befindet, muss man ernsthaft nachdenken, ob der Stadtregierung noch bewusst ist, was sie tut. Leider werden uns solche Informationen auch nicht weitergeleitet – wo wir wieder beim „Informationsfluss“ wären…“
Michael Sicha, NEOS