Erstellt am 11. Mai 2016, 06:04

von Susanne Müller

Wahlkampf geht in seine heiße Phase. FP und SJ liefern sich Schlagabtausch. Unterstützer für Van der Bellen formieren sich in der Region.

Brucks FP-Chef Franz Krupbauer, Werner Herbert und Christian Höbart ärgerten sich über den SJ-Flyer.  |  NOEN, Foto: Müller

Das Rennen um das Amt des Bundespräsidenten polarisiert wie selten eine Wahl zuvor. Die Stichwahl am 22. Mai, bei der sich herausstellen wird, ob Alexander Van der Bellen oder Norbert Hofer in die Hofburg einzieht, wirft auch in der Region ihre Schatten voraus.

Für Aufregung in den Reihen der FPÖ sorgte in der Vorwoche eine Flyer-Aktion der Sozialistischen Jugend (SJ) vor den beiden Bundesschulen in der Brucker Fischamenderstraße. Die Flugzettel riefen einerseits dazu auf, Alexander Van der Bellen zu wählen. Andererseits war darauf auch zu lesen: „Hofer verhindern“ – mit einer Liste von Argumenten, die aus Sicht der SJ gegen einen Präsidenten Norbert Hofer sprechen.

„Die Flugzettel stoßen uns sauer auf. Es geht nicht darum, ob man für oder gegen einen Kandidaten ist. Jeder soll seine Meinung haben und kundtun“, räumt FPÖ-Bezirkssprecher Werner Herbert ein. Das Problem für die FPÖ sei jedoch „die Art und Weise, wie dieser Schriftsatz verfasst wurde. Hier wird ein Horrorszenario gezeichnet“, so Herbert, der dafür eine Entschuldigung von der SJ einfordert.

Welle des politischen Engagements 

Im Wahlkampf sei manch scharfes Wort erlaubt. „Wenn mit Angstparolen gearbeitet wird, haben wir dafür aber kein Verständnis“, so Herbert. Und auch FP-Landesparteiobmann Christian Höbart meldete sich dazu zu Wort und meint, es gehe SPÖ und ÖVP seit dem Erdrutschsieg der FP im ersten Wahlgang lediglich darum, den Machtverlust zu stoppen. „Daher greifen sie zu unlauteren Werkzeugen“, so Höbart.

Michael Gogola von der SJ Schwechat und stellvertretender Landesvorsitzender der Sozialistischen Jugend stellt zum einen klar: „Das war ein Begleitflyer zur Unterstützungserklärung für Alexander Van der Bellen.“
Zum anderen betont Gogola: „Wir haben lediglich Gründe aufgelistet, warum wir einen Präsidenten Norbert Hofer für eine Katastrophe halten würden.“ Die Aufregung bei der FPÖ versteht Gogola nicht. „Wenn die FPÖ 364 Tage im Jahr die Partei mit den scharfen Worten ist, die Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufhetzt, dann muss es auch uns erlaubt sein, im Wahlkampf pointiert zu formulieren“, so Gogola. Die FPÖ sei selbst gerne angriffig.

„Wenn man den blauen Funktionären ihr eigenes Verhalten vorhält und Kritik an ihrem enorm weit rechts stehenden Kandidaten übt, reagieren sie weinerlich und beleidigt“, so Gogola.
Die weit auseinander liegenden Positionen der beiden Kandidaten bei der Bundespräsidentenwahl sorgen jedenfalls auch für eine Welle des politischen Engagements in der Region.

Unterstützer aus der Region aus allen Lagern

In Bruck etwa hat sich nun ein parteiunabhängiges, regionales Unterstützungskomitee für Alexander Van der Bellen gegründet. „Der Anstoß dazu kam von Gerhard Mölk“, erzählt Brucks Grünen-Sprecher Roman Kral, der die Idee freilich sofort aufgegriffen hat. Zum Startschuss am Freitag kamen Vertreter mehrerer politischer Fraktionen, wie etwa der ehemalige Brucker VP-Stadtrat Herbert Stava oder der frühere Hainburger SP-Stadtrat Thomas Häringer, aber auch bislang politisch nicht aktive Personen in den Brucker Schulpark.

„Es stehen zwei profilierte Persönlichkeiten zur Wahl. Alexander Van der Bellen ist jemand, der weltoffen, ruhig und besonnen ist und optimistisch in die Zukunft blickt. So jemanden brauchen wir“, ist Kral überzeugt. Das neu gegründete Personenkomitee will bis zur Wahl mit Aktionen und Infos für Van der Bellen werben. Die erste Initiative findet am Donnerstag ab 16 Uhr am Brucker Bahnhof statt.