Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:37

von NÖN Redaktion

Moosbrunner wird ÖVP-Obmann in Wien. Der bald 34-jährige Gernot Blümel soll die ÖVP Wien vor dem endgültigen Untergang bewahren. Lob kommt vom Moosbrunner Ortschef.

 |  NOEN, APA/HERBERT NEUBAUER
Nach den neuerlichen Verlusten der Volkspartei bei der Landtagswahl in Wien, hat der bisherige Obmann Manfred Juraczka das Handtuch geworfen. Am Montag begann sich dann das Personalroulette in der Volkspartei zu drehen. Nachdem laut APA Außenminister Sebastian Kurz den Job des Wiener VP-Obmanns nicht haben will, muss ein anderer junger Schwarzer die Bürgerlichen in Wen vor dem endgültigen Untergang bewahren. VP-Generalsekretär Gernot Blümel wird diese schwierige Aufgabe übernehmen.

Montagnachmittag ist Blümel vom Landesparteivorstand der Wiener Volkspartei mit 95,7 Prozent der Stimmen zum geschäftsführenden Obmann gewählt worden. Formal vollzogen wird die Übergabe Anfang 2016 beim Landesparteitag. Der Moosbrunner führt aber ab sofort die Geschäfte. „Das ist eine große Aufgabe. Ich freue mich“, sagte er gleich nach der Sitzung.

Erneuerungsprozess der Volkspartei

Blümels größte Herausforderung bisher war der Erneuerungsprozess der Volkspartei, der dieses Jahr im Mai bei einem Reformparteitag seinen Höhepunkt fand. Nach der Nationalratswahl 2013 machte Spindelegger Blümel zum Generalsekretär. Dass er nach dem Rücktritt Spindeleggers als ÖVP-Obmann im Sommer 2014 unter Nachfolger Reinhold Mitterlehner den Job behalten durfte, spricht für ihn. Blümel gestaltet den Stil der VP-Parteizentrale zwar bissig, im persönlichen Umgang ist der am 24. Oktober 1981 geborene ÖAAB-ler allerdings umgänglich und höflich.

Der Moosbrunner legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres, macht viel Sport und lebt in der Wiener Innenstadt. In der Partei wird Blümel gerne als modernes, hippes Aushängeschild gesehen. Er selbst bezeichnet sich als konservativ und pro-europäisch. In seiner Heimatgemeinde Moosbrunn war er bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein (Fußball) und Musikverein (Flügelhorn, Tenorhorn, Schlagzeug). Während seiner Studienzeit in Wien ist er zur JVP und zur katholischen Studentenverbindung Norica gegangen.

Glückwünsche von Moosbrunns VP-Bürgermeister

Gernot Blümel sei genau „der Richtige für die Neuaufstellung“ der Landespartei, zeigte sich ÖVP-Bundesparteiobmann Reinhold Mitterlehner in einer Aussendung überzeugt.
Moosbrunns VP-Bürgermeister Gerhard Hauser wünscht Blümel via NÖN „viel Glück, denn die Aufgabe ist sicher keine einfache.“ Er sei „ein sehr intelligenter Mensch, er hat das Gespür und das Gefühl durch seine Erfahrung als Generalsekretär, etwas zum positiven für die ÖVP Wien zu verändern.“

Auch ÖVP-Bezirkschef Lukas Mandl streut Blümel Rosen: „Gernot Blümel gehört zum Besten, was der ÖVP Wien jetzt passieren kann. Er hat eine feste Werthaltung und gerade deshalb eine herrliche urbane Weltoffenheit. Er macht nicht viele Worte, sondern harte Arbeit. Und jene Worte, die er sagt, sitzen exakt und sind von Kompetenz, Gestaltungswille und Zukunftsorientierung geprägt.“ Blümel selbst sei laut Mandl „sehr diszipliniert und wird den Funktionären der ÖVP Wien Disziplin, harte Arbeit und Orientierung an wesentlichen modernen Themen vorleben.“

BEZIRKS-REAKTIONEN AUF DIE WIEN-WAHL

„Das Ergebnis ist aufgrund der Flüchtlingsthematik und des Rechtsrucks sehr beachtlich und positiv zu bewerten. Ich glaube aber trotzdem, dass es notwendig ist, sich auf Bundesebene mit den Wahlen intensiv auseinanderzusetzen. Es ist merkbar, dass beide Regierungsparteien überall Verluste einfahren. Es ist höchst Zeit, sich da etwas einfallen zu lassen. Es gehört etwa das Team im Bund erneuert und die Sorgen der Menschen angegangen. Das gegenseitige Blockieren muss aufhören – oder man beendet rasch die Partnerschaft.
Gerhard Razborcan, SPÖ

„Während es in Niederösterreich Verlässlichkeit auch in stürmischen Zeiten gibt, muss Wien von Wahl zu Wahl bangen und hoffen. Die Wiener Landesregierung wird mit diesem Wahlergebnis weiterhin weniger stabil sein als die Niederösterreichische. Da sieht man schon, dass klare Mehrheitsverhältnisse besser sind.“
Lukas Mandl, ÖVP

„Ein toller Erfolg der Wiener FPÖ, alle Wahlziele wurden erreicht. Wir landeten mit über 30 Prozent das historisch beste Ergebnis in Wien. Der Großbezirk Simmering wurde blau eingefärbt. Ganz wichtig sind aber die insgesamt 34 Mandate, womit wir die Sperrminorität erreichten. Spätestens 2018 wird die FPÖ offiziell zur stärksten Partei in Österreich aufsteigen und den Kanzler stellen.“
Wolfgang Zistler, FPÖ

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Die Koalitionsverhandlungen werden zeigen, ob es weiter Rot-Grün in Wien geben wird. Von der Zusammenarbeit her wünsche ich mir das. Es hat sich zugespitzt auf ein Duell zwischen Häupl und Strache. Sachthemen haben da keine Rolle mehr gespielt.“
Brigitte Krenn, die Grünen

„Wir NEOS haben mit ca. 6 Prozentbeachtlich gut abgeschnitten. Das erste Mal seit 20 Jahren ist wieder eine neue Kraft in den Wiener Gemeinderat eingezogen – und das gleich im ersten Anlauf; die Grünen haben es erst beim dritten Anlauf geschafft. Für uns ist das ein klares Zeichen: Die Menschen wünschen sich Veränderung!“
Norbert Etz, NEOS