Erstellt am 08. Oktober 2015, 05:32

Wir sind Marienthal. Theaterpremiere | Samstag war im Gemeindezentrum Uraufführung des oben genannten Stückes des Mobilen Projekttheaters „Fleischerei“.

Schauspieler des Theaters Fleischerei während der Premiere: Rremi Brandner, Maren Rahmann, Tristan Jorde.  |  NOEN, Bernhard Riener

Die Aufführung fand mit Unterstützung der Gemeinde Gramatneusiedl statt  – Marienthal ist ja ein Teil davon. Es werden viele Zitate aus der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ der Soziologen Paul F. Lazarsfeld, Marie Jahoda und Hans Zeisel aus dem Jahr 1933 dem Text „fair und nachhaltig kündigen“ der Autorin Margit Hahn aus dem Jahr 2015 gegenüber gestellt.

Ausgangspunkt ist die Geschichte der Weltwirtschaftskrise von 1929 und der Untergang der Gramatneusiedler Textilfabrik 1930. Viele Zitate beschäftigen sich mit Aussagen von Chefs, Managern oder deren Beauftragten in Gesprächen mit Beschäftigten, denen die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses oft mit notwendigem Beschäftigungsabbau, dringenden Sparmaßnahmen und Ähnlichem mitgeteilt wird. Und das sehr, sehr oft mit äußerster Kälte und Grausamkeit gegenüber Einzelschicksalen. Allein in Gramatneusiedl/Marienthal waren über 300 Familien betroffen.

Die Aufführung beschäftigt sich vor allem mit den Problemen, den Folgen der Arbeitslosigkeit Betroffenen. Regisseurin Eva Brenner hat tolle Arbeit geleistet. Sie hat die Darsteller hervorragend eingestellt und ihnen Aufgaben verschiedenster Art übertragen. Walter Nikowitz unterstützt das Stück musikalisch.
Die Darsteller Rremi Brandner, Tristan Jorde, Luise Ogrisek und Maren Rahmann (die auch Akkordeon spielt), werden ihren Aufgaben, die nicht leicht sind, vollends gerecht.

Denn das Stück selbst, die Handlung und die Inhalte, wird von Szene zu Szene bedrückender. Die Darsteller gehen voll mit und vermitteln dem Publikum die wachsenden Ängste vor der Arbeitslosigkeit. Und man fragt sich: ist das heute viel anders, wohin führt die Zukunft? Denn die Folgen für zukünftige Arbeitslose haben sich bis heute nicht geändert. Denn, so ein Zitat: „Arbeitslosigkeit bedeutet Verlust des Selbstvertrauens, bedeutet Armut.“
Die Vorstellung endet mit einem Lied mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Das sehr aufmerksame Publikum dankt mit langanhaltendem Applaus.

WEITERE TERMINE

jeweils in Wien 19:30 Uhr:

07.10. VHS Hietzing
15.10. Amtshaus Wieden
23.10. Bezirksamt Alsergrund
19.11. Bezirksamt Mariahilf
27.11. Bezirksmuseum Josefstadt