Erstellt am 03. Februar 2016, 12:32

von Marcella Bolaffio

Wohnbauprojekt in Rannersdorf sorgt für Unmut. Anrainer fürchten um "ihren" Turm. Gemeinde, Denkmalamt und Genossenschaft versuchen zu beruhigen.

Ansicht Mitterbach: Ein Stock fehlt noch.  |  NOEN, Foto: Bolaffio

"Das ist ein Wahnsinn, wie knapp da an den Turm gebaut wird - ich bin schockiert! Bald sieht man den Turm von keiner Seite mehr! Jeder, mit dem ich red‘ ist schockiert“, zeigt sich Anrainer Julius Minarik bestürzt. „Jetzt sieht man ihn noch, aber die sind ja erst beim ersten Stock!“, weist der Rannersdorfer Franz Ruß auf die Ansicht vom Mitterbach aus hin. „Darf das überhaupt sein, der Wallhof steht ja unter Denkmalschutz?“, fragt man sich in der Umgebung allgemein.

„Nichts wird abgerissen! Der Turm wird integriert!“, ist die erste Reaktion seitens der Gemeinde. „Das vordere Gebäude und der Turm stehen unter Denkmalschutz und bleiben so bestehen“, betont Christina Basafa-Pal von der Kulturabteilung der Stadtgemeinde. „Aber die Neubauten sind keine gemeindeerrichteten Gebäude – die genaue Abstimmung erfolgt daher zwischen Bauträger und Bundesdenkmalamt.“

Das Denkmalamt ist mit dem Projekt vertraut, zeigt sich interessiert, dass nach langer Pause wieder weitergebaut wird und weist darauf hin, dass tatsächlich geschichtsträchtiges Material mit dem Wallhof verbunden ist. Doch: „Leider gibt es für Dinge, die rund um ein Denkmal gebaut werden – egal wie knapp – keinerlei rechtliche Handhabe. Auch keine Möglichkeit, bei der Gestaltung mitzureden, denn was in der Praxis zumeist passiert, ist, dass einfach rundum Kubaturen errichtet werden, die mit dem Denkmal konkurrieren. Erst, wenn etwas tatsächlich direkt andocken würde, könnte man eingreifen“, erklärt Margit Kohlert vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Niederösterreich.

„Natürlich, man kann nicht
alles bewahren, wie es war“

„Von unserer Seite gibt es keine Probleme mit den historischen Gebäuden“, versichert der Technische Leiter des Projekts, Horst Eisenmenger, vom Bauträger Wien-Süd. „Alle Abstände und sonstigen Auflagen sind mit dem Bundesdenkmalamt abgesprochen und abgestimmt.“

„Natürlich, man kann nicht alles bewahren, wie es war“, zeigt sich Marie Gruscher, Obfrau vom Kulturverein Wallhof diplomatisch, wenn auch resigniert: „Mitsprechen kann man eh nicht und die, die mitsprechen durften, haben es anscheinend abgesegnet.“

Dazu das Wohnbauamt der Stadtgemeinde Schwechat: „Die Gemeinde hat da kein Mitspracherecht, das Projekt wurde schon vor bald zehn Jahren begonnen.“ Vor Kurzem wurde endlich die erwartete Förderung genehmigt und darum ging es nun weiter. „Keine Empörung, nur etwas Wehmut“, entlockt Gruscher das Bauprojekt. „Ich weiß ja nicht, wie es ausschauen wird. Es soll ja in weiterer Folge ein richtiges Zentrum werden.“