Erstellt am 20. Mai 2016, 02:34

von Josef Rittler

Zeitelhofer tritt ab: Nachfolge ist offen. Nach parteiinterner Aussprache legte der VP-Bürgermeister aus "gesundheitlichen Gründen" sein Amt zurück.

Josef Zeitelhofer  |  NOEN, Müller

Im Vorjahr hatte er noch die Absolute für die ÖVP Hainburg geholt, nun ist die Ära Josef Zeitelhofer schon wieder Geschichte. Vergangene Woche verkündete der Hainburger Bürgermeister überraschend seinen Rücktritt.

Begründet wird die Entscheidung sowohl von der Volkspartei als auch von Zeitelhofer selbst mit gesundheitlichen Problemen. „Ich habe meinen Gesundheitszustand unterschätzt und leide immer noch unter den Folgen einer Chemotherapie“, so Zeitelhofer. Bürgermeister sei ein Job rund um die Uhr, das schaffe er einfach nicht mehr.

Dass der Rücktritt aber sehr plötzlich erfolgte, hat zu Mutmaßungen über die wahren Hintergründe geführt. Das Gratisblatt „heute“ wollte sogar wissen, dass der Stadtchef „aus dem Amt gemobbt“ worden sei. In einer geheimen Parteisitzung, die während Zeitelhofers Urlaub abgehalten worden sei, hätten Parteifreunde Kritik am Arbeitsstil des Bürgermeisters geübt. Nachdem Zeitelhofer das Protokoll der Sitzung gelesen hatte, soll er sich zum Rücktritt entschlossen haben.

„Das ist Unsinn“, meint Zeitelhofer. Die Sitzung hätte zwar stattgefunden, sie sei aber keineswegs geheim und der Grund gewesen, alles von heute auf morgen hinzuschmeißen. Er danke allen für ihr Vertrauen und „dem neuen Bürgermeister wünsche ich viel Erfolg bei seinen Aufgaben.“

SP: „Rücktritt hat bitteren Beigeschmack“

Vizebürgermeister und Stadtparteiobmann Helmut Schmid dementiert ebenfalls: „Es war eine normale Vorstandssitzung der Stadtpartei, wie sie in regelmäßigen Abständen stattfindet. Sie wurde protokolliert und es wurden einige Kritikpunkte angeführt, mehr aber auch nicht. Ich habe mit Josef Zeitelhofer noch stundenlang gesprochen, schließlich hat er sich mit Hinweis auf seine angeschlagene Gesundheit zum Amtsverzicht entschlossen.“

Anders sieht das die SPÖ. „Josef Zeitelhofer wollte ein Bürgermeister für alle sein, wie es sich gehört. Das dürfte einigen in der Volkspartei nicht gefallen haben. Wäre er tatsächlich krankheitshalber zurückgetreten, dann hätte ihn seine Partei mit Würde, Anstand und Lob verabschiedet. Für viele Hainburger, die letztes Jahr Zeitelhofer und nicht ÖVP gewählt haben, wird ein bitterer Beigeschmack bleiben“, meint der SP-Fraktionsvorsitzende Stadtrat Wilhelm Beck.

Ein Nachfolger soll noch diese Woche bestimmt werden. Die kolportierten Gemeinderäte Michaela Gansterer-Zaminer und Hannes Wimmer haben abgewinkt. „Das ist für mich gar kein Thema“, erklärt Gansterer-Zaminer.

Die Stimmung in Hainburg ist gedämpft, war Zeitelhofer doch über die Parteigrenzen hinaus geachtet und beliebt. „Für mich ist er immer noch der Bürgermeister“, meinte etwa eine Hainburgerin zur NÖN.