Amstetten

Erstellt am 23. August 2016, 03:29

von Ingrid Vogl

Henschke: „Eine Win-win-Situation“. VCA-Sportdirektor Micha Henschke über die neue Spielgemeinschaft mit den hotVolleys, was sie dem Verein bringt und warum sie so lange nicht offiziell bestätigt wurde.

Alles unter Dach und Fach. VCA-Sportdirektor Micha Henschke verriet im NÖN-Interview erstmals Details über die Spielgemeinschaft mit den hotVolleys. Foto: Vogl  |  Vogl

NÖN: Gerüchte gab es schon lange. Nun ist die Spielgemeinschaft mit den hotVolleys beschlossene Sache. Mit Marvin Kellner steht aber nur ein Spieler der Wiener im AVL-Kader. Gibt der VCA lediglich den Namen her und hat gar nichts von der SG?

Micha Henschke: Nein, das stimmt so nicht ganz. Die hotVolleys haben seit Jahren einen Top-Nachwuchs und keine Bundesligamannschaft, wir eine Top-Bundesligamannschaft und einen super Nachwuchs. Wenn diese zwei Klubs zusammengehen, dann kann das nur eine Win-win-Situation sein. Im Endeffekt muss es immer um die Sportler und den Volleyball gehen.

Der VCA hat Top-Spieler im Nachwuchs, aber Konkurrenz belebt das Geschäft

Die hotVolleys behalten den Status der Akademie, aber was bringt die Spielgemeinschaft dem VCA konkret?

Wir haben allein in der letzten Saison viel Geld verloren: durch Altlasten des alten Vorstandes nach einer Steuerprüfung und durch den Rückzug von Sponsoren. Dass es uns noch gibt, ist eigentlich ein Wunder. Wir müssen und wollen daher unsere Kraft auf österreichische Spieler legen, so wie wir es auch schon in den letzten zwei Jahren gemacht haben. Da kommt uns natürlich eine Spielgemeinschaft mit dem besten Nachwuchsklub Österreichs sehr entgegen. Wir sparen uns so unter anderem die Transferkosten, was ja nicht unbedeutend ist.

Das war bei Marvin Kellner auch der Fall?

Ja, für ihn hätten wir über 2.500 Euro an die hotVolleys zahlen müssen. Jetzt kostet er uns nichts und der Spieler wird in einer Top-Mannschaft super ausgebildet. Das ist natürlich auch ein Hintergedanke hinter dem System.

Das heißt, dass der VCA von der Spielgemeinschaft vor allem in Zukunft mehr profitieren wird?

Profitieren wird der Volleyball. Der VCA hat Top-Spieler im Nachwuchs, aber Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir waren in der letzten Saison die erfolgreichsten Nachwuchsvereine in Österreich auf dem Großfeld. Der VCA hat im Nachwuchs zur Zeit neun Nationalspieler und die hotVolleys drei.Wenn man beide Vereine zusammennimmt, dann hat man für die Zukunft ein großes Potenzial an guten, jungen Spielern für die erste Mannschaft und für den österreichischen Volleyball. Die Besten werden sich durchsetzen.

Das klingt logisch und nachvollziehbar. Warum hat man trotzdem so lange gewartet, um die Spielgemeinschaft offiziell zu machen?

Das hat deshalb so lange gedauert, weil die Details erst geprüft werden mussten. Meine Bedingung war, dass ich im Nachwuchs die Spielgemeinschaft mit Waidhofen nicht aufgeben muss. Das hätte ich nie im Leben gemacht, denn Waidhofen ist der wichtigste Partner, den wir seit Jahren haben.

Ich arbeite im Hintergrund und schau, was passiert und dass alles läuft

Das heißt im Klartext, dass die Spielgemeinschaft nur im Erwachsenenbereich existiert?

Nur in der ersten Bundesliga. Da spielen wir als SG VCA Amstetten NÖ/hotVolleys. In der zweiten Bundesliga und im Nachwuchs spielen wir beide als eigenständige Vereine. Würden wir im Nachwuchs als SG spielen, dann darf nur eine Mannschaft zu den Staatsmeisterschaften – die hotVolleys oder wir. Das wäre nicht sinnvoll.

Was passiert mit der Wiener Volleyballakademie? Heißt der neue Leiter Micha Henschke?

Im Prinzip werde ich mich um die wichtigen Sachen kümmern. Ich arbeite im Hintergrund und schau, was passiert und dass alles läuft, aber nicht mehr. Wir werden zum Beispiel mit Christoph Lechthaler einen Ex-Nationalspieler als Trainer für die Akademie anstellen, weil es natürlich in unserem Interesse ist, dass gute Trainer gute Spieler ausbilden. Und die Wiener haben einen guten Nachwuchs und sie haben vor allem 150 Kinder. Ich wäre ja dumm, wenn ich das nicht machen würde.

Zurück zum VCA. Großes Ziel ist ja auch heuer der Cup. Gibt es eine Möglichkeit hier Spieler vom 2. Bundesliga-Team der hotVolleys einzusetzen?

Die gibt es. Man muss nur vor der Saison festlegen, welche Spieler man eventuell einsetzen möchte. Einer dieser Spieler wird Philip Ichovski sein. Er hat ja beim VCA aufgehört und macht in Wien seine Ausbildung fertig. Er wird bei den hotVolleys trainieren, in der 2. Bundesliga spielen und die Jungen führen. Dadurch kann er für uns im Cup spielen. So haben wir einen wichtigen Spieler wie Ichovski nicht verloren.

Der VCA geht mit einem neuen Trainer in die neue Saison. Hat Igor Simuncic die Arbeit mit der Mannschaft schon aufgenommen?

Nein, Trainingsbeginn ist in der ersten Septemberwoche. In den ersten vier Wochen werde ich die Mannschaft übernehmen, weil Igor noch mit dem kroatischen Nationalteam unterwegs ist. Eine Woche werden wir in Maribor trainieren, weil er dort mit dem Team ist. Dann kann er das jonglieren, dass er auch unsere Truppe sieht und trainiert.