Erstellt am 10. Juni 2016, 23:48

von APA/Red

Frankreich feierte EM-Auftaktsieg gegen starke Rumänen. Gastgeber Frankreich hat einen Fehlstart in die Heim-Europameisterschaft gerade noch vermieden.

 |  NOEN, APA (AFP)

Im Eröffnungsspiel siegten die ihren dritten EM-Titel anpeilenden "Bleus" am Freitagabend im Stade de France gegen Rumänien mit 2:1 (0:0). Dimitri Payet gelang erst in der 89. Minute das Siegestor. Der beste Mann auf dem Platz traf mit einem strammen Schuss aus 20 Metern ins Kreuzeck.

Die Franzosen waren durch einen Kopfball von Olivier Giroud in der 57. Minute in Führung gegangen, mussten aber kurz darauf den Ausgleich durch einen von Bogdan Stancu verwandelten Foul-Elfmeter (65.) hinnehmen. Der routinierte Patrice Evra hatte zuvor Nicolae Stanciu ungeschickt im Strafraum attackiert. Die Hausherren liefen dann vergeblich an - ehe Payet abzog. In Gruppe A geht es mit der Auftaktrunde am Samstag weiter. In Lens trifft Albanien auf die Schweiz.

Der nach seinem Treffer mit Tränen in den Augen ausgetauschte West-Ham-Legionär Payet (29) bewahrte Frankreich am Ende vor einer großen Enttäuschung. Groß sind die Erwartungen der Grande Nation in die Elf von Trainer Didier Deschamps, einen Rückschlag gegen die biederen Rumänen zum Auftakt hatte wohl niemand auf der Rechnung.

Schon der Beginn der Partie hatte für die französischen Fans aber eine Schrecksekunde zu bieten. Stancu tauchte in der 4. Minute nach einem von einem Mitspieler verlängerten Eckball plötzlich allein vor Hugo Lloris auf, konnte Frankreichs Kapitän aber nicht bezwingen. Frankreich offenbarte dabei einmal mehr eine Schwäche bei Standardsituationen. Insgesamt machte die notgedrungen neu formierte Abwehr nicht den sichersten Eindruck.

Die Rumänen versteckten sich zunächst überraschend nicht. Aufgrund ihrer abwartenden Spielweise schon kritisiert, versuchten die Osteuropäer ihrerseits, Akzente zu setzen. Im Mittelfeld machte der Außenseiter dicht, die Hausherren konnten ihr Angriffs-Trio Dimitri Payet, Antoine Griezmann und Olivier Giroud dadurch nur selten ins Spiel bringen. Paul Pogba versuchte vergeblich, das französische Spiel zu ordnen.

Immerhin sorgte Giroud nach zehn Minuten per Kopf für Torgefahr, vier Minuten später traf der etwas glücklich an den Ball gekommene Griezmann per Kopf die Stange. Rumänien musste sich vermehrt darauf verlegen, die Räume in der eigenen Spielhälfte dicht zu machen. Frankreich kam besser in die Partie, ein Griezmann-Flachschuss verfehlte das Gehäuse knapp (36.). Als der ungarische Referee Viktor Kassai zur Pause pfiff, hatten "Les Bleus" aber im Gegensatz zum Gegner keinen Schuss auf das gegnerische Tor zustande gebracht.

Die Rumänen hatten auch nach Seitenwechsel den besseren Start. Frankreichs Abseitsfalle schnappte nicht zu, Stancu versuchte es dieses Mal per Volley, traf den Ball aber nicht optimal (48.). Trainer Anghel Iordanescu haderte an der Seitenlinie.

Frankreich übernahm danach jedoch wieder das Kommando - und wurde belohnt. Nach einer Flanke von Payet machte Rumäniens Schlussmann Ciprian Tatarusanu nicht die beste Figur, Giroud köpfelte ein. Das Stade de France bebte. Noch während sich die Heimfans aber über die Führung freuten, beendete ein Pfiff von Kassai die Euphorie. Evra hatte bei Stanciu eingehakt, Stancu verwertete den Elfer zwar nicht platziert, aber scharf. Frankreich war wenige Minuten nach dem scheinbar befreienden 1:0 wieder gefordert.

Deschamps brachte Kingsley Coman für Griezmann, später mit Anthony Martial für Pogba den nächsten Jungstar. Die Rumänen verteidigten danach zunächst erfolgreich, ehe Payet für die Blauen zuschlug.

Frankreich-Trainer Didier Deschamps meinte nach dem Spiel: "Wir haben ein bisschen Schwierigkeiten gehabt, die Zügel loszulassen. Aber am Ende steht diese Belohnung. Das ist sehr wichtig, das erste Spiel zu gewinnen. Wir haben gewusst, dass wir gegen einen Gegner spielen, gegen den es nicht leicht wird. Sie hätten auch in Führung gehen können. Wir haben unsere Pferde aus dem Stall gelassen, aber sie hatten Mühe, in den Galopp zu kommen. Am Ende haben wir sogar mit vier Stürmern gespielt, um zu gewinnen."

Der rumänische Trainer Anghel Iordanescu sieht positive Momente und auch schwierige Augenblicke: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, haben einen guten Start erwischt. Wenn wir das Führungstor erzielt hätten, hätte dies das ganze Spiel geändert." Für Rumäniens Kapitän Vlad Chiriches hat zu einem Sieg nur das Glück gefehlt. "Wir hatten Chancen, in Führung zu gehen, am Ende haben aber die Franzosen getroffen. Frankreich war stark, keine Frage. Gegen uns waren sie aber vor allem individuell stark."

Vor dem Spiel wurde das Turnier von Star-DJ David Guetta sowie Hunderten Tänzern in fantasievollen Kostümen mit einem Spektakel aus Tanz, Farben, Licht und Musik eröffnet. Auf einem riesigen Teppich mit park-artigem Muster waren Lampions um ein riesiges Karussell zu sehen. Cancan-Tänzerinnen umschwärmten die Szene in knalligen Kostümen.

Als ein riesiger Eiffelturm auf einem 550 Quadratmeter großen Banner in die Luft gezogen wurde, verwandelten die 80.000 Zuschauer die Ränge im Stadion mit Farbtafeln in die Nationalfarben der 24 Teilnehmerländer.

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