Erstellt am 01. Oktober 2015, 09:27

von Michael Bouda

Pressbaum kann sich für Titelkampf in Stellung bringen. Mit einem Heimsieg über St. Georgen will die Gogg-Elf den verpatzten Saisonstart endgültig abhaken und sich als Titelkandidat zurückmelden. Der Tabellenzweite Loosdorf muss zum Aufsteiger St. Veit, der längst in der Klasse angekommen ist.

Lilienfeld (grüne Dressen) ließ es gegen den SC St. Pölten zwar unnötig spannend werden, ging aber dennoch mit einem 2:1 als Sieger vom Platz.  |  NOEN, Claus Stumpfer
Die Aufholjagd des SV Pressbaum beeindruckt. Ein holpriger Saisonstart mit lediglich einem Punkt aus den ersten drei Runden sorgte bei der als Titelkandidat gehandelten Gogg-Elf für Enttäuschung. Doch in gleichem Ausmaß eindrucksvoll kam dann die Wende: Seit dem vierten Spieltag, an dem man zu Hause Statzendorf 3:0 schlug, gewannen die Pressbaumer nicht nur alle vier Partien, sondern kassierten keinen einzigen Gegentreffer und schenkten ihren Gegnern gleichzeitig insgesamt zwölfmal ein. „Dass wir seit vier Spielen kein Tor mehr bekommen haben ist Wahnsinn“, hebt auch Pressbaums sportlicher Leiter Norbert Schmied den Höhenflug seiner Mannschaft hervor. Als wäre dies nicht genug, schlug die Gogg-Truppe in der letzten Runde im Duell der Titelkandidaten Loosdorf, womit die Tuchfühlung zur Tabellenspitze hergestellt ist.

Mit der nun anstehenden Begegnung kann sich Pressbaum endgültig für den Titelkampf in Stellung bringen – am Freitagabend (19.30 Uhr) empfängt man Tabellenführer St. Georgen. „Wenn wir daheim gegen St. Georgen gewinnen, wäre die Liga wieder so richtig offen – das wäre optimal für eine spannende Meisterschaft“, erklärt Schmied – wohl nicht ganz uneigennützig. Mit einem Sieg kämen die Pressbaumer auf zwei Punkte an den ATSV heran, auf Loosdorf besteht dieser geringe Abstand bereits jetzt schon. Doch dabei haben auch die St. Georgener noch ein Wörtchen mitzureden. Und Trainer Andreas Heher glaubt an seine Erfolgself: „Ich weiß, dass wir auch in Pressbaum bestehen können.“ Der Coach zeigt sich dennoch gewarnt: „Pressbaum ist zu Hause einfach sehr stark.“ Um den Angriff abzuwehren, kann Heher vermutlich auf die Rückkehr von Zinner setzen. Doch auch den Pressbaumern verleiht ihre Personalsituation Mut: „Es ist alles mit an Bord – das ist wirklich optimal“, kann Schmied auf die Rückkehr von Eberle und den wieder erstarkten Noga zählen.

Am Samstag lockt das Derby zwischen dem SC St. Pölten und Statzendorf, das gleich in noch einer Hinsicht ein Nachbarschaftsduell ist – die beiden Vereine liegen nämlich, nur einen Punkt voneinander getrennt, auf den Tabellenrängen neun und zehn. Die Vorzeichen sind allerdings recht unterschiedlich. Gastgeber SC St. Pölten konnte an die beiden Kantersiege in Bischofstetten und gegen Pyhra nicht anschließen, schlitterte danach in ein 1:7-Debakel gegen Mank und musste sich zuletzt knapp in Lilienfeld mit 1:2 geschlagen geben. Die Statzendorfer auf der anderen Seite scheinen nach dem Fehlstart in die Erfolgsspur gefunden zu haben – in der vorletzten Runde feierte man in Markersdorf den ersten Saisonsieg, vergangenen Samstag legte man gleich gegen Bischofstetten nach. „Ich hoffe, dass die Bremse in den Köpfen der Spieler jetzt endgültig gelöst ist“, steigt bei ASV-Trainer Thorsten Sassmann die Zuversicht. Was das Derby nun betrifft, gibt er sich kämpferisch: „Wir haben mit dem SC aus der letzten Saison noch eine Rechnung offen. Es wird zwar sicher eine schwere Partie, aber wir wollen punkten.“ SC-Trainer Alen Barlov macht keinen Hehl aus der Ausgangslage: „Statzendorf hat jetzt zweimal gewonnen, wir zweimal verloren – nach dem jetzigen Stand ist Statzendorf Favorit.“ Doch Barlov traut seiner Mannschaft zu, das Ruder wieder herumzureißen: „Ein Derby hat immer eigene Gesetze und Rufi Jusufi wird sicher, Sadam Jusufi wahrscheinlich wieder mit dabei sein.“ Verzichten muss Barlov allerdings auf den gelb-rot-gesperrten Cekic – übrigens der einzige Spieler, der zurzeit in der ersten Klasse West-Mitte eine Strafe abzusitzen hat.

Neben dem SC St. Pölten hat auch der Tabellenzweite Loosdorf am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) in St. Veit die Chance, wieder auf die Siegerstraße zurückzukehren. „Wir müssen das abhaken und auf das nächste Spiel schauen. Wir wollen wieder zurück in die Erfolgsspur. Drei Punkte sind das Ziel,“ findet ASK-Trainer Albert Höfler klare Worte. Doch Aufsteiger St. Veit scheint zurzeit nichts aufzuhalten. Die letzte Niederlage setzte es für den nunmehrigen Tabellenfünften Ende August gegen Mank, in den jüngsten drei Runden feierte die Brandstätter-Elf volle Erfolge, zuletzt ein 3:0 gegen Neulengbach. Die kommenden beiden Partien betrachtet Trainer Walter Brandstätter als Gradmesser: „Jetzt kommen mit Loosdorf und St. Georgen die wirklichen Prüfsteine, danach werden wir sehen, wie weit wir wirklich sind.“ Doch es überwiegt der Optimismus: „Es ist immer alles möglich.“ Die Gölsentaler können dabei aus dem Vollen schöpfen – Schildbeck wird wieder zur Verfügung stehen.

Die Begegnung zwischen Markersdorf und Neulengbach könnte beinahe den Titel Kellerderby tragen – Vorvorletzter gegen Schlusslicht. Die Platzierung auf dem zwölften Rang hat nun in Markersdorf zu Konsequenzen geführt: Am Montagabend trennten sich der USC und Trainer Michael Schadinger. „Es war eine Trennung in beiderseitigem Einvernehmen. Wir bedanken uns bei Michael Schadinger sehr herzlich für die gute Zusammenarbeit in den letzten zweieinhalb Jahren“, erklärt Markersdorfs Sportlicher-Leiter-Stellvertreter Karl Lechner. Nun soll frischer Wind in den Verein kommen: David Keelson, früher Spieler und zuletzt sowie weiterhin U-8-Trainer beim USC wird die Kampfmannschaft zumindest bis zum Winter coachen, sein „Co“ wird beziehungsweise bleibt Christian Kreuzer. Die Trendwende soll nun gegen das abgeschlagene Schlusslicht Neulengbach her. „Der Sieg ist Pflicht!“, bläst Lechner zum Angriff. „Wir müssen uns wieder aufrichten, um den Anschluss ans Tabellenmittelfeld nicht zu verlieren“, hofft Lechner, dass seine Mannschaft bald das Hauptproblem lösen kann: In der Vorwärtsbewegung verliert man zu oft den Ball und läuft dadurch schnell in einen Konter. Die nach sieben Runden noch mit leeren Händen dastehenden Neulengbacher werfen die Flinte nicht ins Korn. „Man sieht Woche für Woche, dass jeder jeden schlagen kann. Mit Selbstvertrauen und ein wenig Glück werden wir hoffentlich auch bald für Überraschungen sorgen“, meint Obmann Josef Zenleser.

Der Tabellendritte Mank – punktegleich vor den Pressbaumern – bittet am Freitagabend (19.30 Uhr) die Lilienfelder an den „Eisteich“. Nach den beiden Kantersiegen im Derby gegen Bischofstetten (5:0) und beim SC St. Pölten (7:1) musste der USC in der letzten Runde gegen Pyhra (0:1) zum ersten Mal in dieser Saison als Verlierer vom Platz gehen. Nun sollen wieder drei Punkte her – in Mank weiß man, was einen gegen Lilienfeld erwartet. „Sie werden sich alle hinten reinstellen, weil sie gesehen haben, dass es im Fall von Pyhra aufgegangen ist. Wir müssen uns da was überlegen, müssen aber vor allem wieder laufen und aggressiv spielen. Ich hoffe auf einen Sieg“, gibt sich USC-Trainer Harald Schagerl kämpferisch. Die Lilienfelder wiederum können auf den Rückenwind aus sieben eingefahrenen Punkten aus den letzten drei Partien – darunter der Sieg am vergangenen Wochenende gegen den SC St. Pölten – setzen. Die letzte Pleite liegt überhaupt bereits fünf Runden zurück – ein 1:3 beim FC Leonhofen am 22. August. „In Mank wird es schwer, aber für uns ist sicher alles möglich“, weiß Trainer Erwin Martinetz, dass allerdings sicher eine bessere Chancenauswertung als zuletzt gegen die Barlov-Truppe nötig sein wird. Sajic hat seine Sperre abgesessen, allerdings fällt Trnka mit einer Meniskusverletzung für längere Zeit aus.

Mank-Bezwinger SC Pyhra, der mit dem 1:0-Auswärtssieg seine Niederlagenserie beenden konnte, empfängt am Freitagabend (19.30 Uhr) den punktegleichen FC Leonhofen. SCP-Trainer Wolfgang Kotek will an den Erfolg anschließen: „Zu Hause wollen wir natürlich punkten. Wir müssen jetzt versuchen, Konstanz hineinzubringen.“ Gleichzeitig warnt er aber vor den Gästen: „Es wird eine harte Partie – Leonhofen ist eine robuste, kompakte Mannschaft.“ Aber auch die der FCL, der letzte Woche mit einem starken Auftreten Tabellenführer St. Georgen das Leben schwer gemacht hat, wird sich nicht verstecken. „Gegen Pyhra sind wir sicher dabei. Wir sind guter Dinge, dass wir mindestens einen Punkt holen können,“ spricht aus Trainer Mario Gally die Zuversicht. Außerdem sieht er einen weiteren Trumpf – mit Blick auf die Niederlagen der Nachbarn Mank und Loosdorf zuletzt: „In der Liga geht es drunter und drüber, jeder schlägt jeden.“

Die einzige Sonntagspartie dieser Runde (15.30 Uhr) findet in Bischofstetten zwischen der SU und Kapelln statt. Die Kastenhofer-Truppe steht als Vorletzter in der Rangliste unter akutem Zugzwang – nur ein Punkt (gegen Lilienfeld) steht für die SU aus den letzten fünf Runden zu Buche. „Wir sind zuversichtlich, dass sich das Blatt für uns bald wendet. An individueller Qualität mangelt es ja nicht, aber das Gefüge stimmt noch nicht ganz“, ist sich Bischofstetten-Obmann Hans Senger im Hinblick auf das Spiel bewusst. Besser lief es kürzlich für die Kapellner. Nur zweimal hatte die Unterhuber-Elf in den ersten sechs Runden nicht das Nachsehen gehabt, gegen Markersdorf gelang mit einem 4:2-Sieg aber der Befreiungsschlag, wobei das Spiel mit vier Toren in den ersten 28 Minuten für den FCK nicht besser hätte beginnen können. „Die Mannschaft ist jetzt motiviert für Bischofstetten“, ist Kapellns sportlicher Leiter Gerhard Reichard euphorisch. Kopfzerbrechen bereitet ihm aber nach wie vor die Personalsituation. Valasek ist weiterhin angeschlagen, Abwehrchef Mutlu ist mit seiner Rückenverletzung für lange Zeit out und die sich schon länger ziehende Verletzung von Spielertrainer Marc Andre Unterhuber hat sich erneut verschlimmert. Die Zuversicht überwiegt bei Reichard aber: „Voriges Jahr haben wir um die gleiche Zeit auch nicht mehr Punkte gehabt, und schließlich sind wir Vierter geworden. Ich hoffe, jetzt fängt es zum Laufen an.“

1. Klasse West/Mitte

  Mannschaft Sp. S U N Tore +/- Pkt.
1 St. Georgen/Stfd. 7 6 1 0 21:8 13 19
2 Loosdorf 7 5 1 1 13:7 6 16
3 Mank 7 4 2 1 21:6 15 14
4 Pressbaum 7 4 2 1 18:7 11 14
5 St. Veit 7 3 3 1 10:9 1 12
6 Leonhofen 7 2 3 2 13:13 0 9
7 Lilienfeld 7 2 3 2 10:11 -1 9
8 Pyhra 7 3 0 4 11:15 -4 9
9 SC St. Pölten 7 2 2 3 16:16 0 8
10 Statzendorf 7 2 1 4 10:12 -2 7
11 Kapelln 7 2 1 4 12:15 -3 7
12 Markersdorf 7 2 1 4 11:15 -4 7
13 Bischofstetten 7 1 2 4 8:19 -11 5
14 Neulengbach 7 0 0 7 2:23 -21 0
 

Die nächste Runde:

Freitag, 19.30 Uhr: Mank - Lilienfeld (Trancau; Tazreiter), Markersdorf - Neulengbach (Schwarzbuhler; Simhofer), Pressbaum - St. Georgen/Stfd. (Baumholzer; Babuscu), Pyhra - Leonhofen (Pischl; Redzaj).

Samstag, 15.30 Uhr: SC St. Pölten - Statzendorf (Flatzelsteiner; A. Boros), St. Veit - Loosdorf (Sulejmanovic; Baumühlner).

Sonntag, 15.30 Uhr: Bischofstetten - Kapelln (F. Kaya; Tazreiter).

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