Erstellt am 15. Oktober 2015, 08:50

von Michael Bouda

Zwei Derbys mit möglicher Folgewirkung. Die zehnte Runde steht an und läutet das letzte Viertel der Herbstsaison ein. Nur mehr vier Spieltage bleiben im Kalenderjahr 2015 und der Kampf um die Winterkrone und die damit einhergehende Ausgangslage für den Frühjahrsdurchgang spitzt sich zu. Diese Woche wartet der Spielplan mit zwei Derbys auf, die schon eine kleine Vorentscheidung im Rennen um den Herbstmeistertitel bringen können.

St. Georgen durfte nach tollem Kampf auch gegen St. Veit, den neuen Klub von Ex-Trainer Walter Brandstätter, jubeln - 3:1-Sieg. Nun muss die Heher-Elf nach Markersdorf und will ihre weiße Weste natürlich behalten.  |  NOEN, Claus Stumpfer
Der Freitagabend (19.30 Uhr) steht dabei ganz im Zeichen des Derbys zwischen den aufstrebenden Markersdorfern und Tabellenführer St. Georgen. Unter Neo-Trainer David Keelson hat der gebeutelte USC wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden – und zwar sehr eindrucksvoll. Zuerst zündete man gegen Neulengbach ein wahres Torfeuerwerk – 8:1. Letztes Wochenende gewann man das prestigeträchtige Nachbarschaftsduell bei Loosdorf 1:0. Markersdorf konnte damit vom zwölften auf den fünften Tabellenrang vorpreschen. Mit diesem Rückenwind will Hans Höderl, sportlicher Leiter des USC, nun in das Derby gegen St. Georgen gehen: „Ich erwarte mir das gleiche Spiel wie gegen Loosdorf – die Mannschaft muss bissig und aggressiv sein und 102 Prozent geben.“ Fraglich ist beim USC Adiyaman, der an muskulären Problemen laboriert.

Leader St. Georgen zu Gast in Markersdorf

Zu Gast ist in der einzigen Freitagabendpartie der Runde Leader St. Georgen. Nach wie vor ist die Heher-Elf ungeschlagen, und feierte letzten Samstag einen hart erkämpften 3:1-Erfolg über St. Veit, das Team von Ex-Trainer Walter Brandstätter. Für Coach Andreas Heher liegt gerade im bisherigen, sensationellen Abschneiden seiner Mannschaft der Trumpf für die letzten vier Begegnungen: „Wir können ohne Druck in die Partie gehen, befreit aufspielen.“ Außerdem führt Heher die idealen Bedingungen in der L&G-Bau-Arena ins Treffen: „In Markersdorf erwarte ich beste Platzverhältnisse – das kommt uns zugute.“ Einen Favoriten sieht der Erfolgscoach aber nicht: „Es wird ein ebenbürtiges Spiel – wer seine Taktik besser umsetzen kann, wird gewinnen.“ Fehlen wird beim ATSV Beno, der nach seiner Roten Karte gegen Pressbaum erst ab dem 27. Oktober wieder randarf. Mit einem St. Georgener Sieg wäre der Herbstmeistertitel bereits in Reichweite, Markersdorf könnte mit einem „Dreier“ dagegen noch weiter an die Tabellenspitze aufschließen und den Abstand auf den Tabellenführer auf sieben Zähler verringern.

"Spiel gegen Loosdorf wird ganz, ganz schwierig"

Das zweite Derby, das sich stark auf den Kampf um die Winterkrone auswirken kann, ist jenes zwischen dem Vorletzten Bischofstetten und Titelkandidat Loosdorf – zurzeit sechs Zähler hinter St. Georgen und einen Punkt hinter Mank auf Rang drei. Die Bischofstettner mussten sich in der letzten Runde geschlagen geben und avancierten damit zum ersten Punktelieferanten für Neulengbach (1:3). Bekanntlich kassierte auch Loosdorf zu Hause eine Niederlage – 0:1 gegen die Nachbarn aus Markersdorf. Allzu guter Dinge ist Bischofstettens Trainer Günter Kastenhofer nicht: „Wir sind den ganzen Herbst schon vom Verletzungspech verfolgt. Das Spiel gegen Loosdorf wird ganz, ganz schwierig.“ Verzichten muss Kastenhofer nämlich auf Jendruscak, Frenzl, Schagerl und den Langzeitverletzten Burger. Doch auch Loosdorf-Trainer Albert Höfler nimmt das Bezirks-Derby nicht auf die leichte Schulter: „Wir wollen wieder auf die Siegesstraße zurück, es wird aber schwierig. Der Platz in Bischofstetten ist sehr klein. Wir müssen mit Qualität auftrumpfen.“ Um vorne dranzubleiben ist ein voller Erfolg für Loosdorf unerlässlich, Bischofstetten könnte sich dagegen mit einem Sieg von den Abstiegsrängen entfernen.

Personalsorgen beim FCK

Vom Tabellenplatz her noch bessere Chancen auf den Herbstmeistertitel als Loosdorf hat der USC Mank, der am Samstagabend (18 Uhr) den FC Kapelln empfangen wird. In Statzendorf gaben die Manker zuletzt zweimal eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand – ein Umstand, der Trainer Harald Schagerl zu denken gibt. „Es wird kein bisschen leichter, wir müssen viel mehr laufen und aufhören zu glauben, dass wir im Stehen gewinnen können,“ will Schagerl nun wieder auf die Siegerstraße zurück. Die Kapellner können Mut aus dem 4:1-Erfolg gegen den SC St. Pölten schöpfen, der sportliche Leiter Gerhard Reichard bleibt dennoch vorsichtig: „Es wird sehr schwer werden, aber es ist alles möglich – alleine die letzte Runde hat gezeigt, dass jeder jeden schlagen kann.“ Allerdings sind die Personalsorgen beim FCK noch einmal größer: Asanin hat sich vor der letzten Partie beim Aufwärmen verletzt, Ringler ist mit einem stark angeschwollenen Knöchel fraglich. „Wir laufen absolut auf Sparflamme. Jetzt heißt es durchhalten bis zum Winter.“ Ein Detail macht die Begegnung aber noch interessanter: Pavel Stasek. Der Verteidiger war mit Andreas Heher nach Kapelln gekommen, wechselte aber vergangenen Sommer nach Mank. „Ich hätte ihn gerne noch bei uns“, erzählt Kapellns Reichard.

Pyhra und Pressbaum treffen aufeinander

Zwei Teams, die sich am letzten Wochenende geschlagen geben mussten, stehen sich in der Begegnung zwischen Pyhra und Pressbaum gegenüber. Die Pyhraner unterlagen auswärts Lilienfeld, zum Unmut von Trainer Wolfgang Kotek: „Das war eine geschlossen schlechte Mannschaftsleistung.“ Titelkandidat Pressbaum hat Kotek extra am Sonntag bei Leonhofen beobachtet: „Sie sind eine sehr starke Mannschaft mit einer sehr guten Offensive und schnellen Außenverteidigern. Wenn sie so spielen, schaut es schlecht aus für uns.“ Und noch dazu ist die Gogg-Elf nach der 1:2-Pleite in St. Leonhard/Forst auf Wiedergutmachung aus. „Nach dem enttäuschenden Resultat wollen wir das Maximum aus den letzten vier Partien herausholen. Den ersten Schritt dafür gilt es in Pyhra zu setzen. Wir wollen und müssen gewinnen“, bläst Pressbaums Trainer Stefan Gogg zum Angriff, der allerdings auf den rotgesperrten Wallner verzichten muss.

Leonhofen bezwang Titelkandidat Pressbaum

Mit St. Veit und Leonhofen stehen sich am Samstag (15 Uhr) zwei punktegleiche Tabellennachbarn gegenüber. Die Brandstätter-Elf ging zuletzt in einem Spiel auf Augenhöhe in St. Georgen als Verlierer vom Platz, Leonhofen konnte sensationell Titelkandidat Pressbaum in die Knie zwingen. Bei beiden Teams ist die Motivation deshalb hoch. „Wir werden uns gut auf Leonhofen vorbereiten um zu Hause einen ‚Dreier’ einfahren zu können“, erklärt St. Veits Coach Walter Brandstätter. Dass die Gölsentalter gut vorbereitet sein werden, weiß auch Leonhofen-Coach Mario Gally: „St. Veit ist sicher gut auf uns eingestellt, Walter Brandstätter war oft zum Beobachten bei uns. Aber wir haben jetzt wieder Selbstvertrauen, wir wollen unseren Aufwärtstrend beibehalten. Wir sind aber sicher auf Augenhöhe.“

Der ASV bewies Moral

Erfolgreich waren zuletzt Lilienfeld und Statzendorf, die sich am Samstag (15 Uhr) messen. Nach dem 3:1-Heimsieg gegen Pyhra will Lilienfelds Trainer Erwin Martinetz gleich nachlegen: „Wir wollen den Schwung mitnehmen und auch gegen Statzendorf gewinnen. Der ASV wiederum remisierte am vergangenen Wochenende gegen Mank, bewies dabei aber Moral, lag zweimal zwei Tore zurück. „Auf dieser Leistung kann man aufbauen. Außerdem müssen wir auswärts wieder einmal drei Punkte holen“, stellt Statzendorfs Trainer Thorsten Sassmann klar, für den es aber natürlich ein besonderes Spiel ist – war er doch selbst vier Jahre beim SC Lilienfeld tätig.

Neulengbach peilt die nächsten Punkte an

Eine Wiederholung des sensationellen Siegs in Bischofstetten – zugleich die ersten Punkte der Saison – peilt Neulengbach unter Neo-Trainer Markus Mrdalj schließlich beim SC St. Pölten an, der sich im letzten Spiel in Kapelln 1:4 geschlagen geben musste. SVN-Obmann Josef Zenleser bleibt aber am Boden: „Wir sind nicht in der Situation, dass wir uns irgendetwas erwarten können. Wir müssen an unsere Leistungsgrenze gehen und hoffen, dass es für einen Sieg oder einen Punkt reicht.“ Walter Steindl, sportlicher Leiter des SC St. Pölten, geht halbwegs zuversichtlich in die kommende Partie: „Wir haben jetzt eine Woche Zeit zum Regenerieren.“ Außerdem wird die Personalsituation laut Steindl nicht so angespannt sein: „Während des Matches in Kapelln spielte auch unsere höchste Nachwuchs-Landesliga-Mannschaft. Am kommenden Wochenende ist da aber anders – deshalb können sich die Jungen Sebastian Hofbauer, Nico Harauer und Armin Abazovic wieder beweisen.“

Die nächste Runde:

Freitag, 19.30 Uhr: Markersdorf - St. Georgen/Stfd. (Gerstbauer).

Samstag, 15 Uhr: St. Veit - Leonhofen (Tiefenbacher), Lilienfeld - Statzendorf (Radenkovic), SC St. Pölten - Neulengbach (Steininger); 18 Uhr: Mank - Kapelln (Schachner).

Sonntag, 15 Uhr: Bischofstetten - Loosdorf (Scheibenpflug), Pyhra - Pressbaum (Flatzelsteiner).

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