Erstellt am 17. September 2015, 09:11

von Michael Bouda

Die Runde der Derbys. In der sechsten Runde stehen in der 1. Klasse West-Mitte besonders viele Nachbarschaftsduelle am Programm. Die Ausgangslagen sind unterschiedlich, doch bekanntlich folgen Derbys aufgrund ihrer Brisanz immer eigenen Gesetzen.

Pressbaums Kapitän Ronald Roschinsky (l.) erzielte in Kapelln ein Traumtor zum 3:0. Am Ende siegte seine Elf sogar mit 4:0 und meldete sich nach einem katastrophalen Saisonstart nun endgültig als Titelanwärter zurück.  |  NOEN, Claus Stumpfer
Mit Spannung erwartet wird am Freitagabend (19.30 Uhr) das Wienerwaldderby zwischen Pressbaum und Neulengbach - und nicht nur, weil der SVP dabei zum Sturmheurigen lädt, und damit die Feierlichkeiten zur Eröffnung der neuen Trainingsplätze am Samstag (10 Uhr) einläutet. Auf der einen Seite steht im Derby mit den Heimischen ein Titelkandidat, der nach Auftaktschwierigkeiten mit dem 3:0-Sieg über Statzendorf und dem 4:0-Auswärtstriumph in Kapelln wieder auf die Siegerstraße gefunden hat. Auf der anderen Seite läuft mit Neulengbach das noch punktelose Schlusslicht auf. Die aufgrund einer Reihe von Ausfällen verjüngte Zenleser-Truppe musste sich zuletzt bei Leonhofen knapp geschlagen geben.

Neulengbachs Personalsituation verschärft sich

Vor dem schwierigen Auswärtsspiel hat sich Neulengbachs Personalsituation aber noch einmal verschärft: Zu der ohnehin schon elendslangen Liste an Verletzten kommt nun auch Ajredini hinzu – er kassierte gegen Leonhofen die Ampelkarte. Obmann Josef Zenleser betrachtet die Ausgangslage nüchtern: „Wir wollen uns natürlich so teuer wie möglich verkaufen, aber man muss auch realistisch bleiben: Es wird ganz schwer für uns werden.“ Für die wiedererstarkten Pressbaumer ist das Ziel hingegen klar: Nachdem man mit dem Erfolg in Kapelln zwei Punkte auf die Tabellenspitze – Loosdorf und St. Georgen trennten sich unentschieden – gut machen konnte, fehlen nur mehr fünf Zähler auf Platz eins. „Wir wollen deshalb unbedingt den ‚Dreier’ holen“, bläst Pressbaums sportlicher Leiter Norbert Schmied zum Angriff. Auf die leichte Schulter nimmt er die Partie aber nicht: „Es wird sicher nicht einfach, aber ein Sieg wäre sehr wichtig, um im Rhythmus zu bleiben und weiter nach vorne aufzuschließen.“

Nachbarschaftsduell im Melker Bezirk

Auch im Melker Bezirk steht das nächste Nachbarschaftsduell an: Am Samstag (16 Uhr) bittet der SC Leonhofen die Loosdorfer zu sich nach St. Leonhard. Noch dazu ist es ein heißer Kampf um die Vorherrschaft im oberen Tabellendrittel, heißt es doch Vierter gegen Zweiten. Die Gastgeber konnten gegen Neulengbach zuletzt den zweiten Saisonsieg einfahren, der ASK wiederum rettete mit einem Tor kurz vor Schluss ein Remis im Spitzenduell mit St. Georgen – zum ersten Mal in der heurigen Saison gab man damit Punkte ab. Für Albert Höfler, Trainer der Gäste, ist die Sache klar: „Ein Derby hat immer andere Gesetze, aber wir wollen vorne dabei bleiben, also müssen drei Punkte her.“ Leonhofens Obmann Mario Schöner weiß: „Loosdorf ist am Samstag leichter Favorit, aber wenn wir defensiv fehlerfrei spielen und die Tagesform passt, können wir aus dem Spiel sicher etwas mitnehmen.“

Schadinger: „Wir haben einiges gutzumachen!“

Mit der Begegnung Markersdorf gegen Statzendorf findet am Freitagabend (19.30 Uhr) das nächste Derby statt. Bei beiden Teams läuft es noch nicht wirklich rund. Statzendorf konnte bisher lediglich gegen Leonhofen punkten und liegt damit auf dem vorletzten Tabellenplatz. Markersdorf musste sich nach einem soliden Start zuletzt in Lilienfeld 1:2 geschlagen geben – eine Niederlage, die Trainer Michael Schadinger zu Kritik veranlasste: „Manche Spieler scheinen nicht zu wissen, worum es geht“, sprach Schadinger von einer „komplett unnötigen Niederlage“. Die Scharte aus der Lilienfeld-Partie will Schadinger daher ausmerzen: „Wir haben einiges gutzumachen!“ Der USC-Coach erwartet jedenfalls ein emotionales Spiel, zeigt aber auch Zuversicht: „Ein Derby ist immer eine heiße Partie, aber wir wollen zeigen, dass wir zu Hause spielen.“

Bei Statzendorf hält sich die Euphorie nach der knappen 0:1-Pleite gegen Aufsteiger St. Veit am letzten Spieltag in Grenzen. „In Summe ist es derzeit sehr frustrierend“, gesteht ASV-Trainer Thorsten Sassmann und blickt dementsprechend nicht gerade freudig in Richtung Derby: „Wir müssen uns etwas einfallen lassen für die Markersdorf-Partie.“ Sassmann wirft die Flinte aber nicht ins Korn: „Die Mannschaft und der gesamte Verein sind eine Einheit, nur das entsprechende Ergebnis fehlt noch", hofft er, dass der Funke endlich überspringt. „Wir waren bisher gegen keine Mannschaft chancenlos und das wollen wir auch in Markersdorf zeigen.“ Beide Teams müssen je auf einen gelb-rot-gesperrten Spieler verzichten – die Schadinger-Elf auf Özgül, Statzendorf auf Ganzberger.

Zwei Nachbarn treffen aufeinander

Auch in der einzigen Samstagabendpartie (18 Uhr) treffen sich mit Pyhra und St. Georgen praktisch zwei Nachbarn. Nachdem es schien, dass Pyhra mit zwei Siegen in Folge (gegen Neulengbach und Bischofstetten) den Fehlstart in der Abstiegssaison wettgemacht hatte, musste die Kotek-Elf zuletzt zwei empfindliche Niederlagen hinnehmen, wobei die 0:5-Klatsche beim SC St. Pölten in der vergangenen Runde besonders bitter war. Für Trainer Wolfgang Kotek hakt es bei der Umsetzung: „Wir bringen im Moment nicht rüber, was wir trainiert und was wir drauf haben - im Spiel hapert es zurzeit hinten und vorne.“ Die Folge ist ein klarer Appell des Coachs: „Ich erwarte mir gegen St. Georgen eine Reaktion der Mannschaft!“ Nicht zuletzt soll das reichhaltige Programm am Wochenende anspornen. Kotek: „Von Freitag bis Sonntag haben wir in Pyhra unsere Sturmtage - das wäre ein guter Anlass, wieder eine entsprechende Leistung zu zeigen.“ Der Gegner hätte für dieses Vorhaben allerdings leichter ausfallen können als ausgerechnet der Tabellenführer.

St. Georgen nach wie vor ungeschlagen

St. Georgen ist nach wie vor ungeschlagen und hätte in der letzten Runde beim Gipfeltreffen in Loosdorf beinahe gewonnen. Trainer Andreas Heher zeigt sich aber gewarnt vor Pyhra: „Das 0:5 täuscht sicher, Pyhra hat Qualitäten – das weiß ich auch, weil ich Trainer Wolfgang Kotek kenne. Nicht zuletzt ist Stürmer Halabrin sehr stark.“ Dennoch will Heher die Tabellenführung verteidigen: „Wir werden versuchen drei Punkte einzufahren.“ Ein Rückschlag ist für Pyhra aber noch zu vermelden: Bei Daniel Gschwandtner haben sich die Befürchtungen bestätigt – in Bischofstetten erlitt er einen Kreuzbandriss. „Damit fehlt etwas die Schnelligkeit und der Zug zum Tor – nur mit Halabrin haben wir zu wenig Durchschlagskraft“, bleibt für SCP-Trainer Wolfgang Kotek einzig das Prinzip Hoffnung.

Mannschaften der Stunde

Am Samstag (16 Uhr) messen sich zwei zuletzt erfolgreiche Teams – der SC St. Pölten sowie Mank triumphierten in ihren letzten Begegnungen jeweils 5:0. „Es treffen sich zwei Mannschaften der Stunde – wir freuen uns auf die Begegnung“, erklärt SC-Trainer Alen Barlov. Mit dem Erfolg zuvor in Bischofstetten befindet sich der Gastgeber im Aufwind. „Gegen Pyhra konnten wir unseren Aufwärtstrend bestätigen. Nun wollen wir gegen Mank aufzeigen – zu Hause wollen wir immer gewinnen“, lässt Barlov keinen Platz für Zweifel. Zu kämpfen wird die Mannschaft aber mit dem langzeitigen Ausfall von SC-Topspieler Steindl haben – er zog sich letzte Woche im Training vermutlich den insgesamt vierten Kreuzbandriss im rechten Knie zu. „Wir wünschen ihm alles Gute! Er ist ein toller Bursche und jeder weiß, wie wichtig Alexander für den SC St. Pölten ist“, wird Barlov versuchen, seine Mannschaft auf das Fehlen von Steindl einzustellen.

Pitgursky wieder einsatzbereit

Freude bereitet Barlov aber das gelungene Comeback von Neuzugang Pitgursky – gegen Pyhra bereitete er nach seiner Einwechslung das 5:0 vor und erzielte ein Tor, das wegen Abseits aber nicht gegeben wurde. „Schon die 20 Minuten haben gereicht, um zu sehen, welche Klasse er hat“, ist Trainer Barlov begeistert. Manks Trainer Harald Schagerl gibt sich vor der Partie bescheiden: „Der SC ist, soweit ich das nach den gesehenen Spielen beurteilen kann, eine Top-Mannschaft", wäre er mit einem Punkt schon zufrieden. Wieder mit im Team sein wird der letzte Woche noch geschonte Benedikt Auer.

Aufsteiger St. Veit empfängt den FC Kapelln

Ebenfalls am Samstagnachmittag (16 Uhr) lädt Aufsteiger St. Veit den FC Kapelln zu sich ein. Für das Team von Trainer Marc Andre Unterhuber ist nach der bitteren 0:4-Pleite gegen Pressbaum Wiedergutmachung angesagt. Überhaupt konnte der FCK bisher nur zweimal punkten, was sich nun in St. Veit ändern soll. Die Brandstätter-Elf kann aber auf den Rückenwind aus dem ersten Saisonsieg in Statzendorf zählen. „Mit nun insgesamt sechs Punkten ist es ein bisschen leichter, die Vorbereitung auf die nächsten drei Heimspiele anzugehen“, hofft St. Veits Trainer Walter Brandstätter, dass der Sieg gegen den ASV ein Befreiungsschlag war. Positiv stimmt ihn jedenfalls die Defensivleistung: „Wir haben in Statzendorf zu Null gespielt, darauf können wir aufbauen.“

Lilienfeld bejubelte den ersten Saisonsieg

Ähnlich ist die Ausgangslage beim Duell zwischen Bischofstetten und Lilienfeld. Nur einen Punkt voneinander getrennt, musste Bischofstetten in Mank ein 0:5 einstecken, Lilienfeld hingegen bejubelte den ersten Saisonsieg zu Hause gegen Markersdorf. Lilienfelds Trainer Erwin Martinetz erwartet aber ein ganz anderes Spiel als gegen die Schadinger-Elf: „In Bischofstetten ist es nie einfach, denn auf dem kleinen Platz werden wir nicht die Räume für Konter vorfinden – da werden wir ganz anders spielen müssen.“ Zur Verfügung wird jedenfalls wieder Bajic stehen, der seine Sperre abgesessen hat. Fraglich ist aber der Einsatz von Innenverteidiger Jakovljevic – er schied im letzten Spiel verletzt aus. Bei den Hausherrn weiß Bischofstetten-Trainer Günter Kastenhofer, dass nach der 0:5-Niederlage etwas passieren muss: „Gegen Lilienfeld müssen wir endlich wieder Punkte holen", setzt er darauf, dass Pepeunig rechtzeitig fit wird. „Wir müssen aber aufhören, schön spielen zu wollen und das Spiel wieder über den Kampf machen.“

1. Klasse West/Mitte

  Mannschaft Sp. S U N Tore +/- Pkt.
1 St. Georgen/Stfd. 5 4 1 0 14:6 8 13
2 Loosdorf 5 4 1 0 9:4 5 13
3 Mank 5 3 2 0 14:4 10 11
4 Leonhofen 5 2 3 0 10:7 3 9
5 SC St. Pölten 5 2 2 1 14:7 7 8
6 Pressbaum 5 2 2 1 13:7 6 8
7 Markersdorf 5 2 1 2 7:8 -1 7
8 Pyhra 5 2 0 3 9:10 -1 6
9 St. Veit 5 1 3 1 6:9 -3 6
10 Lilienfeld 5 1 2 2 7:9 -2 5
11 Kapelln 5 1 1 3 8:12 -4 4
12 Bischofstetten 5 1 1 3 7:15 -8 4
13 Statzendorf 5 0 1 4 4:10 -6 1
14 Neulengbach 5 0 0 5 2:16 -14 0

Die nächste Runde:

Freitag, 19.30 Uhr: Markersdorf - Statzendorf (M. Mayr; F. Mayr), Pressbaum - Neulengbach (Enachi; Wind).

Samstag, 16 Uhr: Bischofstetten - Lilienfeld (Inal; H. Reiter), Leonhofen - Loosdorf (Rauschmayr; Güclü), SC St. Pölten - Mank (T. Fuchs; F. Pohl), St. Veit - Kapelln (G. Fuchs; R. Achobadze); 18 Uhr: Pyhra - St. Georgen/Stfd. (O. Fluch; Roggenbauer).

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