Erstellt am 08. Oktober 2015, 09:07

von Michael Bouda

Highlight in Loosdorf. Die anstehende Runde lockt mit einem besonderen fußballerischen Leckerbissen: dem Derby zwischen Loosdorf und Markersdorf.

Raphael Vorstandlechner (l.) traf beim Markersdorfer Schützenfest gegen Schlusslicht Neulengbach zweimal.  |  NOEN, Claus Stumpfer
Das stets heiß umkämpfte Nachbarschaftsduell zwischen Loosdorf und Markersdorf verspricht durch das bisherige Abschneiden der beiden Klubs noch mehr Brisanz. Auf der einen Seite die Loosdorfer, Titelkandidat, die einen perfekten Saisonstart hinlegten und bis inklusive der sechsten Runde nur gegen St. Georgen zwei Punkte abgaben. Die letzten beiden Partien sorgten allerdings für Ernüchterung: Zuerst verlor der ASK zu Hause gegen Pressbaum seine weiße Weste, zuletzt kam man in St. Veit nicht über ein torloses Unentschieden hinaus.

David Keelson neuer USC-Coach

Beinahe auf den Kopf gestellt ist die Situation beim erbitterten Konkurrenten Markersdorf. Mit lediglich sieben Zählern nach den ersten sieben Spieltagen legte der USC den schlechtesten Saisonstart seit der Saison 2011/12 hin – damals standen zum selben Zeitpunkt fünf Zähler zu Buche. Dies führte letzte Woche zu handfesten Konsequenzen: Am Montag trennten sich Klub und Trainer Michael Schadinger. „Der zwölfte Tabellenplatz entspricht nicht den Ansprüchen des USC Markersdorf“, fand der Sportliche-Leiter-Stellvertreter Karl Lechner klare Worte. Und ein Nachfolger war noch am selben Abend gefunden: David Keelson. „Er wird frischen Wind in die Mannschaft bringen“, erklärte Lechner letzte Woche. Und er sollte Recht haben: Gleich im ersten Spiel unter dem Neo-Coach feierte Markersdorf einen 8:1-Triumph über Neulengbach – „ein Befreiungsschlag“ für Lechner. Wie David Keelson das geschafft hat? Mit Einfühlungsvermögen. „Ich habe mit den Spielern Einzelgespräche geführt um die Probleme auszuloten. Dabei habe ich versucht, ihnen den Druck zu nehmen und Freude zu vermitteln – dass sie wieder an sich selber glauben,“ erzählt der neue Trainer (Mehr aus dem Interview mit David Keelson in der aktuellen Printausgabe der St. Pöltner, Herzogenburger und Pielachtaler NÖN).

Loosdorf unter Zugzwang

Nun wird sich in Loosdorf herausstellen, ob Markersdorf das eindrucksvolle Auftreten gegen Neulengbach bestätigen kann. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber acht Tore muss man auch einmal schießen. Man hat gemerkt, dass ein Ruck durch die Mannschaft gegangen ist“, geht Karl Lechner unbeschwert in die Partie: „Derby ist Derby – da werden die Karten neu gemischt – egal wie die Tabelle aussieht.“ David Keelson ist ebenso guter Dinge: „Wenn die Mannschaft in Loosdorf so engagiert ins Spiel geht wie gegen Neulengbach, kann man ihr nichts vorwerfen.“ Die Gastgeber sind allerdings ebenso bis in die Haarspitzen motiviert. ASK-Trainer Albert Höfler bläst schon zum Angriff: „Wir werden alles daran setzen, dass wir das Derby für uns entscheiden.“ Loosdorf benötigt den Sieg, um nicht den unmittelbaren Anschluss an die Tabellenspitze zu verlieren. Markersdorf könnte sich mit einem vollen Erfolg noch weiter nach vorne katapultieren und läge dann nur mehr vier Zähler hinter dem Lokalrivalen.

Nachbarschaftsduell in Kapelln

Am Sonntag (15.30 Uhr) steht das zweite Derby der Runde auf dem Programm: Kapelln bittet den SC St. Pölten an die Perschling. Auch bei diesem Nachbarschaftsduell sind die Vorzeichen unterschiedlich. Kapelln gelang gegen Markersdorf der lang erwartete zweite Saisonsieg, im letzten Spiel in Bischofstetten konnte man aber nicht überzeugen – 2:3-Niederlage. „Wenn man so Fußball spielt, ist das kein Wunder“, zeigte sich Kapellns sportlicher Leiter Gerhard Reichard vor allem in Anbetracht der mangelhaften Chancenauswertung ernüchtert. Gegen den SC St. Pölten will man jedenfalls zurück auf die Siegerstraße. „Ich erwarte mit drei Punkte!“, gibt sich Reichard kämpferisch, denn langsam aber sicher müsse man das Punktekonto aufbessern: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in den Abstiegsstrudel hineinkommen. Aber ich bin mir sicher, dass es besser wird.“

SC St.Pölten feiert wichtigen Sieg

Anders ist die Lage beim SC St. Pölten, der sich in der letzten Runde nach zwei Niederlagen gegen Statzendorf rehabilitieren konnte. „Das war ein ganz wichtiger Sieg! Die Stimmung war schon ein wenig am Sand“, freute sich SC-Trainer Alen Barlov, dass sich seine Mannschaft „als Team präsentierte“. Der Hürde Kapelln ist sich Barlov bewusst: „In Kapelln ist es immer schwer, auch aufgrund des kleinen Platzes. Aber es ist das nächste Derby und da ist alles möglich.“ Fraglich ist bei den Landeshauptstädtern Halm, der gegen Statzendorf mit einer Knieverletzung nach einem Pressball vom Feld musste. Auch Pitgurskys Einsatz ist alles andere als sicher – ihm bereitet das Knie neuerlich Schmerzen. Zurückkommen wird dagegen Cekic, der seine Sperre abgesessen hat. Auch in Kapelln gibt es Neuigkeiten im personellen Bereich: Im Falle von Mutlus Wirbelsäulenverletzung gibt es Entwarnung. Der Abwehrchef ist mir einer starken Prellung davongekommen und könnte diese Woche bereits wieder mit leichtem Lauftraining starten. „Er ist ein Kämpfer“, weiß Gerhard Reichard.

Brandstätter kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück

Auch bei der Begegnung zwischen St. Georgen und St. Veit ist für Spannung gesorgt – stand St. Veits Trainer Walter Brandstätter doch noch bis zum Ende der letzten Meisterschaft an der Seitenlinie der St. Georgener. Beide Teams remisierten in der letzten Runde – St. Georgen im Spitzenspiel in Pressbaum, St. Veit gegen Titelkandidat Loosdorf. ATSV-Trainer Andreas Heher hat sich jedenfalls gut informiert. „Ich habe mir St. Veit gegen Loosdorf angeschaut und ‚Brandi’ ist ein alter Fuchs und ein guter Trainer – er wird die Mannschaft defensiv und auf Konter konzentriert ausrichten“, analysiert Heher. Die Rollen sieht er dabei klar verteilt: „Von der Qualität her, sind wir Favorit.“ Doch auch St. Veits Trainer Walter Brandstätter ahnt natürlich, was ihn gegen seinen Ex-Klub erwartet: „St. Georgen hat eine starke Truppe, die sogar noch über Loosdorf zu stellen ist. Wir werden uns noch etwas überlegen, um die vielen schnellen Spieler in den Griff bekommen zu können.“ Mit leeren Händen wollen die Gölsentaler jedenfalls nicht wieder nach Hause fahren. „Ein Punkt in St. Georgen ist unser Ziel“, stellt Brandstätter klar. Beim ATSV wird Beno rot-gesperrt fehlen.

SVP ohne Wallner

Mit Leonhofen und Pressbaum treffen ebenfalls zwei Teams aufeinander, die am vergangenen Wochenende jeweils zu einem Zähler kamen. Der FCL holte in einer starken Partie ein 2:2 in Pyhra, Pressbaum teilte sich mit Tabellenführer St. Georgen die Punkte (1:1). Leonhofens Obmann Mario Schöner ist sich der Stärke der Gogg-Elf bewusst: „Pressbaum sehe ich als stärkstes Team der Liga an, auch wenn sie nicht ganz vorne stehen. Wir können aber durchaus etwas erreichen, wenn wir kompakt stehen.“ Auch umgekehrt herrscht Respekt, wie Pressbaums sportlicher Leiter Norbert Schmied verrät: „Das Spiel gegen Leonhofen wird schwer genug – sie sind keine schlechte Mannschaft. Ich glaube, dort wäre ich mit einem X schon zufrieden.“ Fehlen wird dem SVP Wallner, der gegen St. Georgen die Rote Karte kassiert hat.

Lilienfeld hofft auf einen Heimsieg

Lilienfeld und Pyhra, die am Samstag aufeinandertreffen, müssen beide auf je einen gesperrten Spieler verzichten. Bei den Stiftstädtern muss Kolundzija aufgrund seiner fünften Gelben Karte aussetzen, außerdem wird Trnka mit Meniskusproblemen den ganzen Herbst ausfallen. Trainer Erwin Martinetz hofft trotzdem auf einen vollen Erfolg: „Wir wollen Pyhra mit einem Heimsieg in der Tabelle überholen.“ Im Fall der Kotek-Truppe fehlt Stanisic nach seinem Torraub in der Partie gegen Leonhofen. „Stanisic wird ganz stark abgehen, weil er die Abwehr organisiert“, erklärt Pyhras Trainer Wolfgang Kotek, sieht aber durchaus Chancen für seine Mannschaft: „Es wird eine Partie auf Augenhöhe.“

Im Duell zwischen Bischofstetten und Neulengbach empfängt der Viertletzte das Schlusslicht. Die SU konnte aber zuletzt gegen Kapelln (3:2) den zweiten Saisonsieg feiern und will nun gleich nachlegen. „Gegen Neulengbach hoffen wir auf einen Sieg. Dann sind wir wieder so weit im Plan, bevor mit Loosdorf und St. Georgen die Creme de la Creme der Klasse auf uns wartet“, weiß Bischofstetten-Trainer Günter Kastenhofer. Die Wienerwaldelf wartet auch nach acht Runden weiter auf die ersten Punkte – am vergangenen Wochenende setzte es mit dem 1:8 in Markersdorf eine ganz besonders empfindliche Pleite. Nun soll der Obmann Schwung bringen: Trainer Michi Zenleser warf nach dem Debakel beim USC das Handtuch – nun übernimmt Michis Vater und SV-Obmann Josef Zenleser das Ruder: „Hoffen wir auf das Beste.“

Statzendorf will sich rehabilitieren

Zu guter Letzt gastiert Mank, punktegleich mit Loosdorf erster Verfolger von Tabellenführer St. Georgen, bei Statzendorf. Die Manker feierten zuletzt einen knappen 2:1-Sieg gegen Lilienfeld und könnten mit einem Sieg bei einer gleichzeitigen Niederlage der Heher-Elf an die Tabellenspitze stürmen. Statzendorf hingegen musste nach zwei Siegen in Serie im Derby beim SC St. Pölten wieder eine Pleite einstecken. Nun will man sich im Heimspiel rehabilitieren – allerdings keine leichte Aufgabe gegen den Zweiten der 1. Klasse West-Mitte.

1. Klasse West/Mitte

  Mannschaft Sp. S U N Tore +/- Pkt.
1 St. Georgen/Stfd. 8 6 2 0 22:9 13 20
2 Mank 8 5 2 1 23:7 16 17
3 Loosdorf 8 5 2 1 13:7 6 17
4 Pressbaum 8 4 3 1 19:8 11 15
5 St. Veit 8 3 4 1 10:9 1 13
6 SC St. Pölten 8 3 2 3 19:17 2 11
7 Markersdorf 8 3 1 4 19:16 3 10
8 Leonhofen 8 2 4 2 15:15 0 10
9 Pyhra 8 3 1 4 13:17 -4 10
10 Lilienfeld 8 2 3 3 11:13 -2 9
11 Bischofstetten 8 2 2 4 11:21 -10 8
12 Kapelln 8 2 1 5 14:18 -4 7
13 Statzendorf 8 2 1 5 11:15 -4 7
14 Neulengbach 8 0 0 8 3:31 -28 0

Die nächste Runde:

Samstag, 15.30 Uhr: Loosdorf - Markersdorf (Weber), Statzendorf - Mank (Geyer), Bischofstetten - Neulengbach (Tembel), St. Georgen/Stfd. - St. Veit (Selmani), Lilienfeld - Pyhra (Bayrakdar).
Sonntag, 15.30 Uhr: Leonhofen - Pressbaum (Pruckner), Kapelln - SC St. Pölten (Reiss).

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