Erstellt am 14. Juni 2017, 03:36

von Maximilian Köpf

Diesner-Wais: Locker vom Hocker in der Schweiz. Martina Diesner-Wais feierte in der Schweiz eine rundum gelungene Premiere über 100 Kilometer. „Es war ein ganz besonderes Erlebnis!“

Morgens halb zehn in der Schweiz. Martina Diesner-Wais und Bernhard Bock im Ziel des 100km-Laufs beim Bieler Kongresshaus.  |  privat

„Nur auf den letzten sieben Kilometern sind die Beine ein bissl schwerer geworden“ ist kein Satz, den man von jemandem zu hören gedenkt, der gerade zum ersten Mal in seinem Leben 100 Kilometer am Stück gelaufen ist. Martina Diesner-Wais meint ihn aber ernst. Am Wochenende lief die LT-Gmünd-Präsidentin begleitet von Laufteam-Obmann Bernhard Bock in Biel (Schweiz) ihren ersten 100-Kilometer-Lauf – mit Bravour. Ultra-Routinier Bock fand das Debüt sogar „sensationell. In Österreich gibt‘s wahrscheinlich nur zehn Frauen, die so eine Zeit laufen können.“

Elf Stunden und vier Minuten brauchte die Nationalratsabgeordnete für den Lauf durch die Schweizer Natur. Eine Stunde weniger als sie sich vorgenommen hatte. Und nur eine halbe Stunde mehr als Bock bei seinem ersten Hunderter vor fünf Jahren – auch in Biel.

„Die Zuschauer haben dich auch in der Nacht angefeuert und bejubelt.“ Martina Diesner-Wais

Bei ihrer Rückschau mit der NÖN war Diesner-Wais begeistert: „Ein besonderes Erlebnis, eine ganz tolle Geschichte. Super-Bedingungen – auch in der Nacht. Optimale Stimmung.“

Die Bieler Lauftage haben eine lange Tradition. Der in diesem Rahmen seit 1959 durchgeführte 100km-Lauf gilt als der größte seiner Art. „Die Zuschauer haben dich auch in der Nacht angefeuert und bejubelt“, erzählt Diesner-Wais, der auch die Streckenführung taugte: „Sie ist sehr abwechslungsreich, geht nicht nur eben dahin, sondern auch bergauf und bergab, auf verschiedenen Untergründen.“

Ein besonderer Teilabschnitt ist der holprige Part über einen Hochwasserschutzdamm zwischen Kilometer 56 und 65. „Der Abschnitt hat einen dschungel-ähnlichen Charakter. Der steinige Weg ist rundherum verwachsen, du läufst dort wie durch einen Tunnel“, sagt Bock. „Ho-Chi-Minh-Pfad“ wird der Streckenteil scherzhaft genannt. Das war auch der einzige Abschnitt, in dem die 832 Starter in der lauen Vollmondnacht ihre Stirnlampen brauchten.

Ab dort ging‘s für das Duo Platz um Platz nach vorne. Die beiden liefen die zweiten 50 Kilometer nämlich fast genauso schnell wie die ersten. „Das ist normalerweise unmöglich bei einem Ultralauf“, betont Bock. „Das gibt dir natürlich mental einen ordentlichen Aufschwung, wenn du permanent überholst.“

Diesner-Wais war die achtschnellste Frau

So viel Aufschwung, dass sie in 11:04 Stunden die Ziellinie im Bieler Stadtzentrum überquerten. Für Diesner-Wais bedeutete das den achten Platz (!) unter 128 Finisherinnen. Bock wurde in der Herrenwertung (591 Finisher) 36. Ohne Negativaspekte, wie beide betonten. Bock: „Natürlich werden nach 100 Kilometern mal die Beine schwer, aber das ist ja normal bei so einer Distanz.“

Und Diesner-Wais? Die hat nach ihrem zweiten Ultralauf – den ersten absolvierte sie im Vorjahr beim Mozart100 in Salzburg (56km) – schon etwas das Ultrafieber gepackt: „Der 100km-Lauf hat mir sehr gut gefallen. Es ist nicht auszuschließen, dass ich noch einen laufe.“