Erstellt am 25. November 2015, 05:53

von Maximilian Köpf und Michael Salzer

Die aussterbende Spezies „Schiri“?. Referees werden im Waldviertel immer weniger. Die NÖN begab sich in der Fußball-Szene auf Spurensuche.

Marcel Hobbiger ist einer der wenigen jungen Schiri-Hoffnungsträger im Waldviertel. Der 24-jährige Schremser leitet momentan Spiele in den zweiten Klassen. Foto: Christopher Eckl  |  NOEN, Christopher Eckl

Den Pfeifenmännern im Waldviertel geht langsam aber sicher die Luft aus. Oberhalb der 2. Klasse dürfen nur mehr fünf Waldviertler Spiele leiten.

Zwei davon kommen aus dem Bezirk Gmünd: Alen Nuhanovic aus Heidenreichstein und Klaus Kainberger aus Hirschenwies. Für die 2. Klasse sind zwölf Referees berechtigt. Der Waldviertler Schiri-Obmann, Hubert Pfeiffer, prophezeit für das Frühjahr die letzte Chance: „Da starten wir noch einmal eine Offensive.“

Neben der normalen Tätigkeit. Denn die Schiedsrichtergruppe Waldviertel sei, laut Pfeiffer, nämlich in Schulen präsent, besuche die Vereine bei deren Trainings. Dort sei aber nicht viel zu holen. Zuletzt wurde in Waidhofen ein Schaufenster gestaltet. „Daraufhin hat sich einer zur Prüfung angemeldet“, so Pfeiffer.

Werbung könne nie schaden, sagt das einstige Schiedsrichter-Aushängeschild, Franz Mostböck: „Der persönliche Kontakt ist aber immer besser.“ Der Vestenpoppener leitete lange Jahre Spiele in der Bundesliga. Jetzt ist er im Oberhaus als Spielbeobachter tätig (siehe dieswöchige NÖN-Printausgabe, Seite 73).

Schiri-Idole für die Werbung nutzen

Das seien genau jene Schiedsrichter, die jetzt Werbung machen sollten, meint wiederum Manfred Mayer, Trainer des ASV Schrems: „Wenn ein Schiedsrichter in die Schule kommt und erzählt, dass er schon bei Rapid - Austria oder einem anderen wichtigen Bundesliga-Spiel gepfiffen hat, dann macht das auf die Kinder einen Eindruck. Dann sehen sie, was sie auch als Schiedsrichter erreichen können. Warum soll es dort keine Idole geben?“

Der Eggenburger Mayer ist selbst Jugendschiedsrichter in der Gruppe Nordwest. Derart schwere Probleme gibt es dort nicht. „Auch wenn‘s nicht leicht ist“, sagt er. „Die Waldviertler können für die Probleme wenig. Ich glaube, Hubert macht es nicht so schlecht.“

„Mir kommt vor, die Talente werden verheizt“

Vor allem im Umgang mit jungen Schiedsrichtern ortet Mayer aber Fehler – und zwar von oberster Stelle, dem NÖ-Schiedsrichterkollegium (NÖSK) und dem ÖFB: „Mir kommt vor, die Talente werden verheizt. Sie werden viel eingeteilt, machen am Anfang auch mit, weil ihnen das Pfeifen ja gefällt, aber irgendwann wird‘s ihnen zu viel und sie hören auf.“

Das deckt sich teils mit den Aussagen von Markus Gerstbauer. Der Zwettler ist aktuell der einzige Waldviertler Regionalliga-Schiri: „Es ist ein schwerwiegendes Szenario. Seitdem ich vor 13 Jahren angefangen habe, ist im ganzen Waldviertel kein einziger junger Schiedsrichter länger dabei geblieben.“ Die Gründe dafür seien vielschichtig. „Etliche gehen der Arbeit wegen nach Wien und wollen dann am Wochenende Ruhe haben, vielen fehlt die Zeit…“

Ähnliche Probleme gebe es auch in anderen Schiedsrichtergruppen, berichtet Gerstbauer: „Rund um Wien gibt es keine Probleme, aber in der Wachau, zum Beispiel, ist es genauso schlimm wie im Waldviertel. Wir probieren alles, aber neue, junge Kollegen zu finden, ist kaum noch möglich.“

„Der Schiedsrichter hat schon einen
zwiespältigen Ruf. Da müsste der
ÖFB am Image arbeiten.“
Jürgen Uitz, Trainer
SG Brand/Nagelberg

Dass der Nachwuchsmangel auch vor den Unparteiischen nicht Halt macht, wundert Jürgen Uitz, Trainer der SG Brand/Nagelberg, wenig: „Der Schiedsrichter hat schon einen zwiespältigen Ruf, da müsste der ÖFB am Image arbeiten. Das Nachwuchsproblem zieht sich aber durch alle Bereiche, ob das die Fußballmannschaften sind, oder die Feuerwehr, oder die Blasmusik-Kapelle. Wenn die Jüngeren in der Schule sind, oder im Internat, die Älteren schon auf der Uni, brauchst du mit denen unter der Woche nicht rechnen.“

Dabei wäre das Schiri-Sein gerade für Schüler und Studenten ideal, die sich fit halten und dafür Geld bekommen. Die Vergütungen gehen dabei von 148 Euro (1. NÖN Landesliga) über 131 Euro (2. Landesliga), 109 Euro (Gebietsliga), 92 Euro (1. Klasse) und 88 Euro (2. Klasse) bis 27 Euro (JHG-Nachwuchsmatch auf dem Halbfeld).

Mit 48 Jahren geht‘s in die Altenliga

Da ist das Problem, dass kaum Nachwuchs vorhanden ist. Andererseits darf kein Schiedsrichter ewig Spiele leiten. Es gibt Altersgrenzen. Mit Erreichen des 48. Lebensjahres fallen alle Unparteiischen der Regionalliga, 1. und 2. Landesliga in die sogenannte Altenliga, wo sie bis 56 Spiele bis zur Gebietsliga leiten dürfen. Alle darunter werden automatisch in die 2. Klasse versetzt. Ab dem 60. Lebensjahr hat sich das Leiten eines Spiels im Erwachsenenfußball erledigt.

Diese Altersgrenzen-Struktur ist St.-Martin-Trainer Lukas Meisner ein Dorn im Auge: „Nur weil ein Schiedsrichter ein gewisses Alter erreicht hat, heißt das ja noch lange nicht, dass er die Liga, wo er vorher war, nicht mehr pfeifen kann. Da braucht es Leistungstests, aber keine Altersgrenzen.“

Einen interessanten, wenn auch populistischen Lösungsansatz brachte letztlich Andreas Blauensteiner, Gruppenobmann der 2. Klasse Waldviertel Süd, vor: „Alle Zuseher, die gescheit reinreden, sollten selber ein Spiel pfeifen. Dann sehen sie, dass das nicht so leicht ist. Die Beschimpfungen würden aufhören und die Schiris einen höheren Stellenwert bekommen.“

Mitarbeit: Werner Grubeck, Lukas Schandl, Marcel Schindl,  Mathias Schuster & Christopher Eckl


Die Waldviertler Schiedsrichter:

Regionalliga: Markus Gerstbauer (Bezirk Zwettl).- Gebietsliga: Leopold Deimel, Dieter Madlberger (bd. Bezirk Waidhofen).- 1. Klasse: Klaus Kainberger, Alen Nuhanovic (bd. Bezirk Gmünd).- 2. Klasse: Erich Edinger, Wolfgang Fitzinger, Marcel Hobbiger, Andreas Müllauer (alle Bezirk Gmünd), Günther Armberger, Günther Dangl, Edgar Gratzl, Josef Kern (alle Bezirk Waidhofen), Herbert Anderl, Gerhard Ratzberger (beide Bezirk Zwettl), Johannes Marek (Wien).- Jugendschiedsrichter: Wolfgang Dürnitzhofer, Christian Führer, Franz Stütz (Bezirk Gmünd), Josef Hauer, Nadine Winkler (Bezirk Waidhofen), Fritz Laschober, Gerald Simhandl, Matthias Schiller, Reinhard Scheidl, Josef Zmeck (Bezirk Zwettl), Lukas Willinger (Bezirk Horn)