Erstellt am 06. Januar 2016, 05:18

von Claus Stumpfer, Michael Salzer und Bernd Dangl

Dirnegger: „Anschlag auf unsere Vereine“. Seit 1. Jänner 2016 gilt eine neue Regelung für Sportvereine, deren Jahresumsatz mehr als 15.000 Euro beträgt.

Thomas Steinbauer und Patrick Müllner kicken gemeinsam beim USC Schweiggers und entwickeln beruflich optimale Gesamtpakete für Registrierkassen.  |  NOEN, privat
Aufgrund der Steuerreform 2015 und der vom Bundesminister für Finanzen erlassenen Barbewegungsverordnung gilt die Registrierkassenpflicht per 1.Jänner 2016 auch für Sportvereine, die mit ihrer Kantine mindestens 15.000 Euro Umsatz machen. Für Leopold Dirnegger, Notar und Vizepräsident des NÖ Fußballverbands, ist diese „ein Bürokratie-Monster und ein Anschlag auf unsere Vereine und deren ehrenamtliche Funktionäre“. Denn ein Verein benötige nicht nur eine Registrierkasse, sondern eine für jede Versorgungsstelle. „Jeder Kaugummi muss registriert werden.“

Die Vereine im Zwettler Bezirk sehen es hingegen weniger dramatisch. Patrick Müllner, Eigenbau-Verteidiger des USC Schweiggers und Produktionsverantwortlicher für Fakturierung im Rechenzentrum Amaliendorf (rza), hat individuelle Lösungen parat: „Wir arbeiten mit der Sportunion NÖ zusammen und bieten komplette Pakete für Sportvereine an: Laptop oder Gerät mit Touch-Funktion, Bondrucker und die laufenden Aktualisierungen, die in den nächsten Jahren noch auf uns zukommen werden.“

Der zurzeit große Aufwand werde sich allerdings erst in ein paar Jahren lohnen, fügt Patrick Müllner hinzu. Beim eigenen Verein in Schweiggers wird derzeit noch abgewartet: „Die Fußball-Saison beginnt ja erst Mitte März. Bis dahin könnten noch neue Regelungen oder Erlässe kommen.“

SC Zwettl hat gleich zwei Systeme bestellt

Zugeschlagen hat hingegen schon, als einer von wenigen Vereinen im Waldviertel, der SC Zwettl. „Wir haben zwei Systeme bestellt, für die Sportanlagen am Edelhof und im Zwettltal“, erklärt Sektionsleiter Harald Resch. „Uns trifft die Regelung deswegen voll, weil die Kantine als konzessionierter Gastronomie-Betrieb geführt wird, und zwar schon seit 25 Jahren.“

Wie sinnvoll ist die Verpflichtung zur Registrierkasse aus seiner Sicht? „Dazu kann ich nicht viel sagen, sondern nur vermuten, dass bei einigen Vereinen Geld zur Seite geschafft wurde. Dem wird jetzt ein Riegel vorgeschoben“, so Harald Resch. Er fand bei der neuen Regelung sogar positive Aspekte: „Das Einschulen wird zwar ein großer Aufwand sein. Aber wenn alles läuft, ist man schneller beim Rechnen und Kassieren.“

Das Positive möchte auch SC Gmünd-Obmann Karl Bauer hervorheben. „Den Mitarbeitern im Kantinenbereich wird Last von den Schultern genommen, wenn sie nicht auch noch mit Geld hantieren müssen, sondern die Kunden vorher einen Bon erworben haben.“ Schmunzelnder Nachsatz: „Es geht dann halt nur, dass ich jemanden auf ein schnelles Seidl Bier einladen, wenn ich halt auch Bons für ein Seidl Bier einstecken habe.“