Erstellt am 20. Januar 2016, 05:38

von Maximilian Köpf

„Ein Wechsel ist kein Geld wert“. Ab Juni 2017 können alle Spieler über 28 Jahre gratis wechseln. Vereine sehen dem locker entgegen.

Der Zwangserwerb von Spielern jeden Alters kostet aktuell aus der 2. Klasse Waldviertel Süd in die 2. Landesliga West 4.800 Euro, in die Gebietsliga 3.300 Euro. Ab Juni 2017 geht das für Spieler, die älter als 28 Jahre alt sind, gratis.NÖN  |  NOEN

Am Thema der „Zwangsverpflichtungen“ haben sich schon jeher die Geister geschieden. Als Trostpflaster gab es bisher für all jene Vereine, welche Spieler gegen ihren Willen abgeben musste, eine fix gestaffelte Ausbildungsentschädigung.

Nach langen Verhandlungen wurde diese Regelung nun vom ÖFB-Präsidium gekippt. Ab Juni 2017 können Spieler ab dem 28. Lebensjahr auch ohne Einverständnis des Stammvereins wechseln – und zwar gratis! Grund dafür war, dass Ausbildungsentschädigungen – als Hemmnisse für die Arbeitnehmerfreizügigkeit – europarechtlich problematisch sein.

Kritiker befürchten, dass es für Vereine nun noch schwieriger wird, langfristig einen starken Kader aufzubauen. Auch dass Spielergagen aufgrund der gestärkten Position der Amateure steigen könnten, wird gemutmaßt. Im Bezirk Gmünd werden diese Änderungen allerdings relativ locker hingenommen, teilweise sogar begrüßt.

„Ich finde, dass es kein Geld wert ist, wenn jemand den Verein wechselt“, sagt etwa Karl Bauer, Obmann des SC Gmünd. „Wenn einer wechseln will, dann soll er gehen. Bei wirklich selbst ausgebildeten Spielern wäre eine Ausbildungsentschädigung sinnvoll, aber nur zeitlich begrenzt.“
Nach drei oder vier Saisonen in der Kampfmannschaft habe sich die Ausbildung des Spielers ja schon ausgezahlt. Überhaupt sei die Entschädigung meistens das Thema, wo sich die Vereine bei den Transfers in die Haare kommen.

Vereine rechnen nicht mit „Völkerwanderung“

Gänzlich anders sieht das Wolfgang Dürnitzhofer, Sportlicher Leiter des SV Eibenstein: „Ausgebildete Nachwuchsspieler sind das Kapital eines Vereins! Ich finde es nicht richtig, dass Vereine mit eigenem, gut ausgebildeten Nachwuchs ihre Spieler im besten Alter ohne Entschädigung ziehen lassen müssen.“

Damit steht Dürnitzhofer aber ziemlich allein auf weiter Flur. Aus einem guten Grund: Das Gros der Vereinsvertreter rechnet nicht damit, dass diese Regelung häufig zum Einsatz kommen wird. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine große Völkerwanderung geben wird“, sagt Rene Breit, Sportlicher Leiter beim SV Haie Hoheneich. „Wenn ein Spieler den Verein verlassen will, wird ihm ohnehin selten etwas in den Weg gelegt.“

Christoph Anderl, Sektionsleiter-Stellvertreter des USC Bad Großpertholz, befürchtet dennoch Probleme bei der Kadeplanung: „Es wird bestimmt mehr Wechsel geben, Spieler bei einem besseren Angebot schneller weg sein.“

Entspannt blickt Schrems-Trainer Manfred Mayer 2017 entgegen: „Das wird heißer gekocht als gegessen. Der Spieler erhält dadurch eben ein bisschen mehr Macht.“

Das ändert sich

• Bisher sind für alle Zwangsverpflichtungen fixe Tarife festgeschrieben, die je nach Ausgangsliga und Zielliga variieren – von der 3. Klasse bis in die Tipico Bundesliga.

• Ab Mai 2017 können Spieler, die 28 Jahre oder älter sind, zwischen 1. und 20. Juni per Zwangserwerb gratis wechseln. Das heißt: Der Stammklub kann den Transfer nicht verhindern, wenn sich der Kicker und der aufnehmende Verein einig sein. Ein Faktum, das Klubs schon jetzt bei der Verpflichtung erfahrenerer Fußballer berücksichtigen sollten.

• Eine (gestaffelte) Transferentschädigung wird‘s weiterhin für Kicker unter 28 Jahren geben. Berücksichtigt werden bei der Berechnung Ausbildungszeiten zwischen dem 9. und dem 23. Lebensjahr.

• Auch für den Frauenfußball und den Futsal-Sport soll die Neuregelung (mit angepasster Höhe der Entschädigungen) gelten. Details will der Verband bei Infoveranstaltungen im Mai weitergeben.

Stimmen & Sprüche

„Wenn dir jemand einen Spieler wegnimmt, dann solltest du auch etwas dafür bekommen – und wenn man einen Spielertausch macht. Jeder Verein hat ja etwas zu erhalten, nicht nur die Mannschaft, sondern auch den Fußballplatz und alles drumherum. Wenn ein Verein in höheren Ligen spielt, ist es vielleicht weniger ein Problem, Spieler zu bekommen. Die Vereine aus den unteren Klassen werden aber darunter leiden. Insgesamt halte ich von der Neuerung gar nichts.“
Christian Scherzer, Sektionsleiter SC Amaliendorf

„Mit 28 hat man doch eh schon seine eigenen Vorstellungen vom Leben, seinen fixen Wohnsitz und so weiter. So viel wird da nicht gewechselt werden.“
Rene Breit, Sportlicher Leiter SV Haie Hoheneich

„Einerseits hilft dir die Regelung vielleicht, wenn du einen Spieler verpflichten willst, andererseits kann sie dir natürlich auch schaden.“
Werner Fraissl, Sektionsleiter SC Pfaffenschlag

 Mitarbeit: Werner Grubeck, Lukas Schandl, Mathias Schuster