Erstellt am 03. August 2016, 03:30

von Maximilian Köpf

26 Stunden im Flieger. Erste Tage in Rio für Stefan Fegerl ein Wechselbad der Gefühle: zu wenig Kerosin im Flugzeug und Zwischenlandung, katastrophale Quartiere, aber Top-Trainingsbedingungen.

Zumindest die Trainingsbedingungen in Rio passen, berichtet Stefan Fegerl aus Brasilien.  |  NOEN, Sporthilfe

Zwischenlandung auf Teneriffa, unfertige Zimmer, kaum Wasser aus der Dusche und dann auch noch Fieber – die Anreise und die ersten Tage in Rio de Janeiro wurden für Stefan Fegerl, der am Freitag nach Brasilien abhob, zur Herausforderung.

„Die Anreise war schon mal eine echte Hürde“, erzählt er. Das Flugzeug hatte nämlich zu wenig Kerosin getankt und musste auf Teneriffa – noch nicht einmal auf der Hälfte des Weges in Richtung Zuckerhut – zwischenlanden. Die Treibstoff-Reserven aufgefüllt, ging‘s weiter nach Rio. „Nach guten 26 Stunden haben wir dann endlich unser Zimmer bezogen“, schildert Fegerl.

So wirklich durchatmen konnte er dort aber auch nicht. Denn die Berichte, denen zufolge die Olympia-Delegationen aus den USA, Italien und den Niederlanden ihre Quartiere im Olympia-Dorf als unbewohnbar beschrieben haben, bewahrheiten sich auch für den Unterlembacher. „Die Zimmer sind katastrophal“, berichtet Fegerl. „Viele Dinge wurden nicht fertiggestellt oder schlecht gemacht.“

Insgesamt sollen in den 31 Wohntürmen mit je 17 Stockwerken und insgesamt 3.604 Apartments auf dem 200.000 Quadratmeter großen Grundstück im wohlhabenderen Stadtteil Barra da Tijuca (1,5km vom Olympia-Park entfernt) über 10.000 Athleten aus aller Welt während der ersten Olympischen Spiele in Südamerika wohnen – zu Spitzenzeiten werden 18.000 Menschen dort erwartet. 13.000 Mitarbeiter und Freiwillige werden sich nach Angaben des Organisationskomitees im olympischen Dorf um das Wohl der Sportler kümmern. In den Wohnungen gibt es neben den Betten insgesamt 3.604 Sofas, 10.650 Schränke und 120.580 Handtücher.

Training mit Ma Long und Fan Zhendong

Funktionieren tut im Olympia-Dorf allerdings noch herzlich wenig. Fegerl: „Es gibt auch kaum Warmwasser. Das Duschen ist überhaupt sehr mühsam, weil viel zu wenig Wasser aus dem Duschkopf kommt.“

Und zu allem Überdruss wurde der 27-Jährige am Sonntag auch noch krank – wohl wegen der Temperatur-Schwankungen, bedingt durch die insgesamt 11.152 Klimaanlagen, die alleine im Olympia-Dorf verbaut wurden. „Draußen ist es heiß, im Inneren dann wieder sehr kalt. Ich habe Fieber bekommen, musste am Montag das Training komplett auslassen, war nur im Zimmer“, so Fegerl.

Bei allen Strapazen – aus sportlicher Sicht waren die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro für Stefan Fegerl bisher ein Erfolg. Die Trainingsbedingungen sind nämlich sehr gut. „Ich hatte vier gute Trainings in der Haupthalle“, erzählt er. „Einmal durfte ich sogar mit Ma Long und Fan Zhendong (Nr. 1 und 2 der Welt; Anm.) trainieren. Das war eine unglaublich tolle Erfahrung für mich.“

Hält der Abwärtstrend beim Fieber an, will Fegerl am Dienstag das Training wieder aufnehmen. Wofür er trainiert – also welchen Gegnern sich der Unterlembacher stellen wird müssen – entschied sich am Mittwoch. Da fand nach Redaktionsschluss die Auslosung für das am 6. August startende Einzelturnier statt. Fegerl: „Ab dann wird‘s noch spannender.“