Erstellt am 11. November 2015, 09:07

von Maximilian Köpf

SC-Gmünd-Obmann: "Nicht allen recht machen". SC-Gmünd-Obmann Karl Bauer über den Konflikt mit den Fans, sinkende Zuschauerzahlen, die finanzielle Situation und den Aufstieg in die 1. NÖN Landesliga.

 |  NOEN, zVg

Erstmals gab es beim Derby in Schrems wieder die Gesänge der Gmünder Eagles zu hören. Dass sie gleich einen Sieg bejubeln konnten, war Wasser auf die Mühlen der aufflammenden Fanszene. Die Vorwürfe an den SC Gmünd bleiben aber aufrecht. Zum Ende der Herbstsaison äußert sich SC-Gmünd-Obmann Karl Bauer erstmals dazu und zieht Bilanz über seine erste Periode als Obmann.

NÖN: Der Sprecher der Gmünder Eagles, Christoph Binder, hat Ihnen vergangene Woche Zwei-Klassen-Gesellschaft und keine Gesprächsbereitschaft vorgeworfen. Was sagen Sie dazu?
Karl Bauer: Als Obmann tut es mir extrem leid, dass durch die Einstellung Einiger die Gespräche einseitig derart negativ geführt wurden, dass wir sie abbrechen mussten. Es sind über die Jahre viele Missstände eingerissen, die wir versuchen abzubauen. Am Ende stehe ich als Vereinsverantwortlicher. Das kostet Erklärungsarbeit, aber jedem kann man es nicht recht machen. Ich bin froh, dass sich die Eagles beim Derby wieder formiert haben.

Warum braucht es diesen Premiumbereich, der ja als Hauptkritikpunkt herhalten muss?
Als wir vor zweieinhalb Jahren den Verein übernommen haben, gab es viele offene Rechnungen, aber kein Geld. Wir haben dann nach Möglichkeiten versucht, die Rechnungen zu begleichen. Wir haben uns verstärkt auf den Premium-Bereich konzentriert, den es ja damals schon gab, und so das Loch gefüllt. Dort sind viele Geschäftsmänner aus der Umgebung, die zu uns kommen, um zu netzwerken. Wir stellen ihnen den Raum dafür zur Verfügung und sind Nutznießer. Wir haben jetzt rund 40 Premium-Mitglieder, zusätzlich die Premium-Besucher, die Eintrittskarten kaufen. Das bringt mehr ein, als die restlichen Eintrittsgelder eines gesamten Jahres.

Die Eintrittsgelder sind aber wohl auch weniger geworden, weil die Zuschauerzahlen sinken.
Die Zahlen sind nicht so schlecht. Es sind immer zwischen 180 und 300 Leuten am Platz. Man darf nicht vergessen, dass ungefähr 70 davon im Premium-Bereich sind.

Der SC Gmünd hat eine gute Mannschaft, einen guten Trainer, steht in der Tabelle super da. Warum fehlt die Euphorie?
Die geht natürlich ohne Fans, die für Stimmung sorgen, unter. Es ist aber nicht so, dass es keine Euphorie gibt. Ich bekomme ein unglaubliches Feedback der Sportplatz-Besucher. Jeder geht zufrieden heim. Nicht alle sind Schreier, die Emotionen rauslassen. Ein großer Teil unseres Publikums sind Stammgäste. Das zeigt ja auch, dass die Zuschauer zufrieden sind.

Vor zwei Jahren sind sie sehr turbulent in ihre Funktion gekommen. Die folgende Generalversammlung war sehr emotionsgeladen. Heuer war‘s bei der Wiederwahl ganz ruhig.
Fast ungewöhnlich ruhig, ja. Quertreiber gibt es in jedem Verein, die noch in der Vergangenheit leben, sagen, das beim SV und EPSV alles besser war. Damit muss man leben. Leid tut mir, dass es vom SV Gmünd nur mehr einzelne Brocken gibt. Es war mein Ziel, Vertreter beider ehemaligen Gmünder Vereine im Vorstand zu haben. Dafür hat sich aber niemand gefunden. Auch unser Aufruf nach historischen Accessoires von SV und EPSV zur Dekoration des Premium-Bereichs, um die Geschichte des Gmünder Fußballs und was daraus geworden ist zu zeigen, ist kaum angekommen. Du hältst ihnen die Hände hin, aber es kommt wenig retour.

Was ist in den vergangenen zwei Jahren beim SC Gmünd passiert? Die finanzielle Sanierung war ja ein großes Thema.
Das ist es auch weiterhin. Es ist aber schon sehr viel geschafft. Wir haben 65 Prozent der Außenstände abgegolten und darüber hinaus beide Saisonen ausfinanziert. Beim derzeitigen Stand ist die Sanierung mit der Saison 2016/17 abgeschlossen. Dann werden wir uns dem nächsten Ziel widmen.

Dem Aufstieg in die 1. NÖN Landesliga?
Dass wir uns mit den anderen Waldviertler Bezirkshauptstädten, Waidhofen und Zwettl, messen wollen, ist ja kein Geheimnis. Wenn es schon vorher mit dem Aufstieg klappt, ist das toll. Wirklich aktiv angehen wollen wir es aber erst nach der finanziellen Sanierung.

Und was ist in der nahen Zukunft geplant – also im Winter?
Wir haben eine kompakte Mannschaft, daran wollen wir nicht viel ändern. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, junge Spieler zu forcieren. Einerseits rücken Spieler aus unseren U16-Teams nach. Andererseits strecken wir unsere Fühler nach Talenten aus der Region aus. Da habe ich aber in den vergangenen zwei Jahren sicher zehn Absagen bekommen. Ich war perplex, dass es für viele Burschen offenbar nicht reizvoll ist, sich in der Landesliga zu etablieren.

Wie denkt Ihr darüber? Stimmt ab!