Erstellt am 12. April 2017, 02:46

von Maximilian Köpf

Interview: "Jugend ist die Zukunft“. Franz Modliba steht seit 25 Jahren an der Spitze des NÖ-Schachverbandes. Mit der NÖN sprach er über die Vergangenheit, die Zukunft und den Reiz am Spiel der Könige.

Das Gesicht des Schachsports im Waldviertel. Für seine Verdienste wurde der Litschauer Franz Modliba, der seit 2015 auch Vizepräsident des Österreichischen Schachverbands ist, mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2008) und den Sportehrenzeichen der NÖ Landesregierung in Gold (2007) ausgezeichnet.  |  privat

NÖN: Sie wurden vergangene Woche beim Landestag des Niederösterreichischen Schachverbandes für weitere vier Jahre als Präsident wiedergewählt. Was bedeutet das für Sie?

Franz Modliba: Es ist eine Anerkennung meiner jahrzehntelangen Arbeit. Das stimmt mich zufrieden und freut mich.

Als Präsident haben Sie mittlerweile ein Vierteljahrhundert des Schachsports in Niederösterreich mitgeprägt. So lange wie kein Anderer in der 90-jährigen Verbandsgeschichte. Was hat sich in dieser Zeit im Schachsport getan?

Modliba: Ich habe sehr viel Wert auf Jugendarbeit gelegt. Seit zehn Jahren ist Schach in Österreich als Sport anerkannt. Das bedeutet mehr Unterstützung der öffentlichen Hand, wodurch hauptamtliche Trainer angestellt werden konnten. Diese Schachtrainer durchlaufen eine dreistufige Ausbildung analog zu den anderen Sporttrainern. Ebenso wurde die Anzahl der Turniere erhöht.

Welche Ereignisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Modliba: Gerne erinnere ich mich an das Großmeisterturnier und das Internationale Meisterturnier, parallel zur NÖ-Landesmeisterschaft, vor 15 Jahren in der Sportschule St. Pölten.

Welche Herausforderungen gibt es in den nächsten vier Jahren?

Modliba: Leider ist in Niederösterreich ein Rückgang der Vereine zu verzeichnen. Dem kann nur mit verstärkter Jugendarbeit entgegengetreten werden. Die Jugend ist der Vereine Zukunft.

Schon bevor Sie Präsident wurden, haben Sie 1977 an der Hauptschule Litschau die Unverbindliche Übung Schulschach initiiert. Was war ihr Antrieb?

Modliba: Damals wurden einige neue Schulgesetze eingeführt – unter anderem wurde die Möglichkeit geschaffen, Unverbindliche Übungen, wie Fußball, Schulspiel oder eben Schulschach, anzubieten. In vielen Ostländern ist Schach in der Grundschule ein Pflichtgegenstand, mit dem Hintergrund denken zu lernen. Da dachte ich, dass dies für die Kinder der Hauptschule Litschau auch Vorteile bringen könnte. Der Start war mit über 30 Schülern ein großer Erfolg. Damit begann eine Erfolgsgeschichte. Dass eine Lehrperson über 40 Jahre lang jedes Schuljahr eine Schachgruppe unterrichten konnte, ist in Österreich einmalig.

1981 haben Sie auch den Schachklub Litschau gegründet. Warum?

Modliba: Nachdem ich sehen musste, wie meine Schüler nach vier Jahren Ausbildung dem Schachsport mangels Spielmöglichkeit verloren gingen, habe ich mit einigen Freunden den Klub gegründet, um der Jugend die Möglichkeit zu geben, wettkampfmäßig Schach zu spielen. Diese Idee ist voll aufgegangen. In den vergangenen 40 Jahren habe ich etwa 200 Kinder im Schachunterricht gehabt.

„Man lernt zu verlieren, aber auch mit dem Gefühl des Gewinnens richtig umzugehen.“ 
Franz Modliba über die Vorzüge des Schachsports

Heute ist Litschau auch eine Schachstadt. Erst kürzlich gab‘s den Landesmeistertitel im Schulschach für das Mädchenteam. Zudem ist die SG Litschau/Eisgarn ein Aushängeschild unter den Waldviertler Klubs, stellt mehr Teams als jeder andere Waldviertler Verein. Waren die Litschauer schon immer so schach-verrückt?

Modliba: Wir waren damals viel unterwegs. Ich habe mit meinen Schülern Turniere in Polen und Budapest besucht. Mit den Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene ist auch die Begeisterung stetig gewachsen.

Welche waren die schönsten Erlebnisse, die größten Erfolge im Litschauer Schachsport?

Modliba: Auf schulischer Ebene haben wir an die 40 Landesmeistertitel geholt. Mit dem Verein sind wir mehrmaliger Waldviertel-Meister, Rekordsieger im Waldviertel-Cup, waren einmal Landescup-Sieger. Dass wir seit drei Jahren Landesliga spielen, ist der Höhepunkt. Wir sind momentan Sechster. Eine Rekordplatzierung. Und das mit einer halben Jugendmannschaft. Diesen Standard zu halten und die Jugend sukzessive an den Wettkampfsport heranzuführen werden sicher Herausforderungen für die Zukunft.

Mit Ende 2015 sind Sie als Direktor der Hauptschule Litschau in den Ruhestand getreten. Wie ist Schulschach seither aufgestellt?

Modliba: In Form von privatem Unterricht im Rahmen des Schachklubs.

Schach wird auch das Spiel der Könige genannt. Für viele Menschen hat es dennoch den Ruf eine langweiligen Spiels. Warum sollte man Schach spielen? Was macht den Reiz aus?

Modliba: Wettkampfmäßig betrieben ist Schach Sport. Bei einer fünf- bis siebenstündigen Partie kann ein Spieler bis zu zwei Kilogramm an Körpergewicht verlieren. Fitness ist eine Voraussetzung. Darüber gibt es zahlreiche medizinische Studien. Bei kürzerer Bedenkzeit (bis zu fünf Minuten; Anm.) sind gute Nerven und Theoriekenntnisse notwendig. Darüber hinaus gleicht keine Partie bis zum Ende betrachtet einer zweiten. Und natürlich macht auch der Kampf am Brett den Reiz aus. Besser zu sein, als sein Gegenüber. Man lernt zu verlieren, aber auch mit dem Gefühl des Gewinnens richtig umzugehen.