Erstellt am 09. März 2016, 05:04

von Petra Suchy

Thomas Neuwirth: Vorm RAA soll noch der WM-Titel her. Wie Thomas Neuwirth (29) mit neuem Ernährungs- und Trainingsplan den Platzhirschen ärgern und Stefan Schrenk (35) 30.000 Höhenmeter verkaufen will.

In Biker-Pose. Xandi Meixner und Stefan Schrenk schilderten am Montag ihre eindrucksvollsten Erlebnisse von der Strecke - und warben für den guten Zweck.  |  NOEN, P. Suchy

 Profis leben danach, viele Hobbysportler kennen das Prinzip der Ganzheitlichkeit zumindest in der Theorie: Um das Optimum an Leistung abzurufen, ist eine Balance zwischen Be- und Entlastung, differenzierten Trainings- und Regenerationsphasen sowie darauf abgestimmte Ernährung unabdinglich.

Extrem-Biker Thomas Neuwirth aus Litschau hat das Prinzip der Ganzheitlichkeit in seinem Training auf ein neues Level gehoben – inklusive Ernährungsumstellung (Stichwort: Paleo-Diät), neuen High-Intensity-Intervallen, mehr Bergeinheiten und Nüchterntrainings. Seit eineinhalb Monaten isst er weder raffinierten Zucker, Milch- noch Getreideprodukte. Er mixt Trinknahrung aus pflanzlichen Fetten, bäckt Zucchini-Brot mit Mandeln und misst regelmäßig seine Darmtemperatur.

"Müsste 60 Stunden ohne Pause durchfahren"

All das soll helfen, seine „Muckis“, aber auch Darm, Magen und Gehirn auf sein großes Ziel, das Race Around Austria (RAA) am 9. August, vorzubereiten. Seine Motivation? „Ich will um den dritten Platz mitfahren“, sagt Neuwirth forsch. „Das ist realistisch, wenn ich 60 Stunden ohne Pause durchfahren kann. Derzeit schaffe ich 48.“

Im Vorjahr war der 29-jährige Litschauer mit dem Hang zum Extremen als Betreuer im Team von Alexandra Meixner mit dabei, diese Erfahrungen will er mitnehmen. „Ich werde die ersten zwei Etappen und dann bis knapp vorm Glockner auf jeden Fall durchfahren und dann erst eine Stunde pausieren“, erklärt Neuwirth seine Strategie. „Viele unterschätzen den Glockner und gehen dort ein, weil es so lange bergauf geht. Die eine Stunde Schlaf sollte dann für einen guten Aufstieg und die folgenden 24 bis 30 Stunden reichen.“

Den Großglockner will der Waldviertler übrigens schon vorm RAA bezwingen: Am 26. Mai testet er beim „Glockner Man“, dessen 1.000 Kilometer und 17.000 Höhenmeter heuer als Weltmeisterschaft ausgetragen werden, seine neue Form. „In 40 Stunden sollte ich das schaffen – da fahr’ ich um den Titel mit“, gibt sich der Waldviertler kämpferisch. Danach ist er im Juni auch wieder beim 24-Stunden-Race in Grieskirchen dabei. „Das will ich auch gewinnen“, lacht er.

„Mein Fitnesstrainer hat ein einfaches Credo 
ausgegeben: Mein Körper muss wie ein alter 
Volvo werden. Da darf nix wackeln!“
Thomas Neuwirth

Zuerst Duo-Fahrer, dann Teamchef und heuer Einzelkämpfer: Stefan Schrenk (35) scheint die Faszination des Race Around Austria nicht loszulassen. „Das Thema, das Rennen alleine zu bewältigen, ist Jahre in mir gereift“, sagt er vor der versammelten Menge des Rotary-Clubs Zwettl am Montagabend in seinem Vitiser Firmengelände. Seine Idee:

Neben dem körperlichen und geistigen Stresstest soll das Rennen für ihn auch eine soziale Komponente haben. Schrenk: „Mein Traum wäre es, die 30.000 Höhenmeter des Rennens in 30.000 Euro Spendengeld für ein karitatives Projekt zu verwandeln.“ Als erste Sponsorin meldete sich freilich Einzel-Vorjahressiegerin Alexandra Meixner, die sich mit Schaudern an einen ihrer nervenaufreibendsten Aufstiege erinnerte: „Ich zahl‘ dir die Höhenmeter auf den verfluchten Soboth. Mit dem hab ich eh noch eine Rechnung offen!“


Race Around Austria 2016

Das Rennen: Das Extreme Race Around Austria ist das härteste Radrennen Europas und ein Qualifikationsrennen fürs legendäre Race Across America. In vier Etappen bewältigen die Einzel- und Teamfahrer 2.200km und 30.000 Höhenmeter.

Der Zeitplan: Die ersten Starts sind am Dienstag, 9. August, um 8 Uhr (Damen) und von 18 bis 19 Uhr (Herren B-Startblock). Am 10. August gehen u.a. der Herren-A-Startblock, die 2er- und 4er-Teams auf die Strecke. Vorjahressieger Christoph Strasser wurde nach 3 Tagen, 14 Stunden und 44 Minuten von seinen Fans im Ziel in St. Georgen/Attergau gefeiert. Zielschluss ist am Montag, 15. August.

Die Strecke: von St. Georgen im Attergau über das Mühlviertel, ins Waldviertel über Gmünd und Litschau, Drosendorf zum Neusiedlersee, über die Südsteirische Weinstraße, zum Großglockner (2.505m), zur Silvretta-Hochalpenstraße (2.039m), über Innsbruck zurück zum Ausgangspunkt.