Erstellt am 07. Oktober 2015, 06:27

von Maximilian Köpf

„Es ist einfach ein Wahnsinn“. Stefan Fegerl über seine historische EM, die Euphorie in der Heimat und neue Ziele.

Nichts glänzt schöner als Gold. Stefan Fegerl bei der Siegerehrung.  |  NOEN, EPA/Sergei Ilnitsky

NÖN: Gratulation zu dieser Wahnsinnswoche in Jekaterinburg. Wie haben Sie diese Tage erlebt?
Stefan Fegerl: Das ist ganz schwer zu beschreiben. Wir sind so oft vor dem Aus gestanden, haben immer wieder die Kurve gekratzt. Wir waren alle körperlich am Limit, sind immer sehr spät ins Bett gekommen, weil die Matches so lange gedauert haben. Dann schlägst du den amtierenden Europameister Portugal im Viertelfinale. Und plötzlich stehst du im Finale und gewinnst gegen Deutschland. Unbeschreiblich, was da passiert ist. Team-Gold ist der zweitwichtigste Titel für Österreich überhaupt. Darüber kommt nur mehr Werner Schlagers WM-Gold von 2003.

Für Sie war die EM ja in zweifacher Hinsicht historisch. Am Sonntag haben Sie auch noch Gold im Doppel gewonnen. Schon realisiert, was da passiert ist?
Fegerl: Langsam realisiere ich es, bin aber immer noch total euphorisiert. Im Doppel bin ich ja eigentlich nur so zum Spaß mit Joao Monteiro angetreten. Wir kennen uns zwar schon lange, haben aber noch nie miteinander trainiert. Wir dachten uns, probieren wir’s einmal. Dann waren wir auf einmal im Viertelfinale, dann im Halbfinale und die Medaille war fix. Und dann gewinnen wir auch noch gegen das beste Doppel Europas im Finale…

Wie war das Echo auf die beiden EM-Titel?
Fegerl: Alleine auf Facebook habe ich um die 180 Einträge mit Gratulationen, dazu noch Mails und SMS. Es ist eine unglaubliche Zahl. Mich bei jedem einzelnen zu bedanken, schaffe ich gar nicht. Das zeigt den Stellenwert des Titels, plötzlich waren wir überall auf den Titelseiten. Ich habe nur positives Feedback bekommen, auch aus der Heimat. Für Dietmanns sind die Erfolge natürlich ein Wahnsinn, eine Riesengeschichte. Ich wurde hier von Anfang meiner Karriere an immer unterstützt. Die kommen jetzt zu vielen Matches oder fiebern vor dem Fernseher gemeinsam mit. Bei so einer Fangemeinde kann man sich nur ganz herzlich bedanken.

Wird es auch eine Feier mit den Dietmannser Fans geben?
Fegerl: Das ist fix eingeplant. Wann genau, weiß ich aber noch nicht. Am Samstag steht ein wichtiges Champions-League-Spiel an, dann kommen Turniere in Polen und Schweden, dazwischen Matches in der Bundesliga und der Champions League. Ich komme sehr gerne ins Waldviertel, das geht aber meist nur kurzfristig. Oft wissen nicht einmal meine Eltern, dass ich komme. Der Terminkalender ist so dicht gedrängt…

Ihren ersten großen Erfolg feierten Sie 1998. Damals wurden Sie U14-Landesmeister, mit Neun.
Fegerl: Der Zeitungsausschnitt aus der NÖN hängt noch heute im Schuppen daheim in Unterlembach. Neben mir ist darin auch ein Foto von Michael Leitner. Das war in Traismauer.

Haben Sie damals schon davon geträumt, dass Sie einmal zweifacher Europameister sein werden?
Fegerl: Geträumt natürlich, aber das war ja damals absolut undenkbar, so weit weg… es ist einfach ein Wahnsinn.

Wann haben Sie das erste Mal gedacht, dass es klappen könnte, Ihr Hobby zum Beruf zu machen?
Fegerl: Das war mit 16 oder 17 Jahren, als ich das Internat in der Südstadt abgeschlossen hatte und begonnen habe, in der ersten Bundesliga zu spielen. Ich war damals schnell vorne dabei und konnte plötzlich vom Tischtennisspielen leben. Reich wird man damit zwar nicht, aber man kann leben.

Und heute sind Sie in der Weltspitze. Was können wir uns von Stefan Fegerl noch erwarten?
Fegerl: Diese Titel nimmt dir keiner mehr weg. Ich muss mir aber jetzt neue Ziele setzen – mein großes Ziel muss eine Einzel-Medaille bei der EM sein. Außerdem will ich mich mit der Mannschaft für Olympia qualifizieren und in Rio um eine Medaille kämpfen. Klar kann ich Titel wiederholen, aber der Stellenwert wird dann ein anderer sein als beim ersten Mal.