Erstellt am 07. September 2016, 05:00

von Maximilian Köpf

Alexandra Meixner: „So knackte ich den Weltrekord“. Alexandra Meixner über ihren Weltrekord für die Ewigkeit, die Suche, sich selbst zu spüren und das Race Across America.

Alexandra Meixner absolvierte 20 Ironman (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad, Marathonlauf) an 20 aufeinanderfolgenden Tagen. Die 44-Jährige stellte damit neuen Weltrekord auf.  |  Stefan Meier

NÖN: Herzliche Gratulation zu dieser Wahnsinnsleistung! Nach so einer Anstrengung darf man auch einmal mit einer banalen Frage loslegen: Wie geht‘s?
Alexandra Meixner: Danke, sehr gut! Auch körperlich. Ich hab‘ jetzt zwar noch keinen Sport gemacht, daher kann ich nicht sagen, ob ich da noch was spür‘ – aber grundsätzlich geht‘s mir sehr gut. Ich merke gar nichts.

20 Ironman-Distanzen in 20 Tagen absolviert, dabei den Weltrekord für Frauen pulverisiert. Haben Sie schon realisiert, was Ihnen da gelungen ist?
Meixner: Nein, absolut nicht. Wenn ich andere von meiner Leistung reden höre, denke ich mir immer: „Warum? Ich habe ja nur Sport betrieben, gemacht, was mir Spaß macht. Die Leistung haben die vollbracht, die mich ständig betreut haben.“

Dann anders gefragt: Wie ist das Gefühl, zu wissen, den Weltrekord geschafft zu haben – eine Leistung, die vor Ihnen noch keine andere Frau erbracht hat?
Meixner: Es ist ein immenses Glücksgefühl, aber auch viel Demut und Dankbarkeit. Es ist alles wie in einem Märchen. Allerdings wie eines aus einem Kindertraum – irgendwie unrealistisch, aber es wird doch wahr.

Nach drei anstrengenden Wochen legten Xandi Meixner und Walter Wegschaider am Montag bei der Weltrekord-Party im Hotel Sole-Felsen-Bad (siehe auch Seite 80) einfach mal die Beine hoch.  |  Maximilian Köpf

Das erinnert ein bisschen an Bernhard Bocks Erfahrungen beim Berliner Mauerweglauf vor drei Wochen. Er erzählte, ihm sei vorgekommen, als hätten sich Körper und Geist getrennt und er habe sich selbst beim Zieleinlauf zugesehen. Hatten Sie auch vergleichbare Momente?
Meixner: Weniger so spirituell, mehr emotional mit sehr viel Hochgefühl. Der Veranstalter hat gemeint, ich sei eine Bereicherung für den Wettbewerb gewesen, weil ich so viel positive Energie mitgebracht habe. Ich habe die Streckenposten immer gefragt, wie es ihnen geht, bevor sie mich fragen konnten, wie es mir geht. Ich bin ja nur gelaufen, geschwommen und radgefahren – dazwischen hab’ ich gegessen und geschlafen. Es war ein leichtes Leben. Die anderen haben sich um mich gekümmert, mich versorgt, motiviert.

Der Weltrekord war nach dem zwölften Ironman sicher. Wie haben Sie sich danach noch einmal motivieren können?
Meixner: Man wächst in diesem kleinen Teilnehmerfeld von Tag zu Tag mehr zusammen. Wir wollten uns weiter pushen, gemeinsam den Double-Deca finishen. Den Rekord in diese Höhen zu schrauben war keine Motivation. Obwohl mir viele dazu geraten haben, die 20 Tage durchzuhalten, weil das wohl ein Rekord für die Ewigkeit ist. Um ihn zu überbieten braucht es nicht nur die Sportlerin, sondern auch das passende Event.

Wie schafft man diesen Weltrekord? Warum will man überhaupt 20 Ironmans an 20 Tagen finishen?
Meixner: Als ich vor zwei Jahren in Mexiko den Deca-Triathlon geschafft habe, habe ich gespürt, es wäre noch etwas gegangen. Das weckte meine Neugier, wie weit es gehen kann. Komme ich an meine Grenzen? Es ist eine Suche danach, sich selber zu spüren. Zur Motivation ist das Team enorm wichtig. Das hat wirklich super Dienste geleistet. Und ich habe immer gewusst, dass ich nach dem Schwimmen gut drauf bin – egal, wie‘s mir vorher gegangen ist. Das taugt mir einfach am besten.

Haben Sie Ihre Grenzen diesmal gefunden?
Meixner: Es wäre noch etwas gegangen. Zwar nicht schneller, aber weiter – bei konstantem Wohlfühltempo.

„Die Kommentare und, dass so viele dort mit mir mitgefiebert haben, haben mich extrem aufgebaut.“

Meixner über Facebook & Co.

Müssen Sie Ihre Aussage von vor drei Wochen, es wäre Ihr letzter Ultra-Triathlon, revidieren?
Meixner: Ich hoffe, es war der letzte. (lacht) Ich war mir davor ganz, ganz, ganz sicher, dass es der letzte Ultra-Triathlon sein wird. (Bezieht Ehemann und Partner Walter Wegschaider ins Gespräch mit ein. Der antwortet auf die Frage, ob sie noch einen Ultra-Triathlon machen, verschmitzt mit „Mal schauen.“) Wenn, dann wegen der Ultra-Familie. Die ist einfach so schön. Aber eher nicht. Es ist nix Neues mehr. Darum hab ich ja vor dem Double-Deca gesagt, dass es mein letzter sein wird.

Ihre Erfolge in der Schweiz haben unzählige Menschen auf Facebook mitverfolgt. Viele haben kommentiert, angefeuert, motiviert. Man kann erahnen, wie viele SMS und Anrufe Sie erhalten haben. Wie haben Sie das miterlebt?
Meixner: Mir wurde immer berichtet, wie viel und was geschrieben wird. Das hat mich extrem aufgebaut. Meine Betreuer haben mir aber immer nur davon erzählt. Selbst nachlesen haben sie mich nicht lassen. Das war auch gut so, sonst wäre ich in Versuchung gekommen, zu antworten, und hätte auf die Regeneration vergessen. Das Interesse hat mich total überrascht. Anfangs habe ich Walter gesagt, er soll die Leute nicht so zumüllen auf Facebook. Dann hat er mir aber erzählt, wie viele Leute mitlesen und kommentieren, um wie viele Likes die Seite wächst. Das hat mich umgehaut.

Ihr Weltrekordversuch war auch Gesprächsthema an Mittagstischen und in Wohnzimmern. Thema war dabei auch oft, ob sie vom Extremsport später einmal beeinträchtigt sein könnten. Betreiben Sie Raubbau am Körper?
Meixner: Das kommt darauf an, von welcher Warte aus man das betrachtet. Für die Chinesische Medizin ist schon ein Marathon Raubbau am Körper. Tatsache ist, es gibt nicht viele Untersuchungen über Ultra-Sport. Diese wenigen kommen aber zum Schluss, dass es bei den Belastungen zwar zu Beeinträchtigungen kommt, diese aber reversibel sind, schnell abklingen. Da ist das Risiko bei einer Mannschaftssportart wie Fußball sicher höher. Weil das Verletzungsrisiko an sich höher ist.

Mit welchen kurzfristigen Beschwerden muss sich ein Ultra-Sportler herumschlagen?
Meixner: Schmerzen. Es beginnt beim Zehenballen vom Radfahren, nach ein paar Tagen das Sitzfleisch. Ich war bei der Ernährung zu unaufmerksam, hatte eine Zeit Probleme mit Wassereinlagerungen. Die Schweißwimmerl entzünden sich. Das brennt und juckt. Dazu habe ich mich verkühlt, sicher weil mein Körper geschwächt war. Und ich hatte diese muskulären Probleme im Unterschenkel.

Haben Sie ans Aufhören gedacht?
Meixner: Wenn sich der Muskel weiter entzündet hätte, hätte ich wahrscheinlich aufhören müssen. Das ist das Schlimmste, wenn man muss, weil einen der Körper bremst, obwohl man nicht aufhören will. Wir haben das aber mit Homöopathie toll in den Griff bekommen.

Wenn man Sie herumgehen sieht, glaubt man kaum, dass Sie bis Freitag 20 Tage lang jeden Tag 3,8km geschwommen, 180km Rad gefahren und 42,2km gelaufen sind. Wie steht es um Ihre Regeneration?
Meixner: (grinst) Morgen (Dienstag, Anm.) fahr ich wieder mit dem Rad in die Arbeit. Ich lege immer Wert darauf, dass ich zwei oder drei Tage nach einem Wettkampf wieder Sport betreiben kann – normal und locker.

Apropos Wettkampf. Die Vorbereitungen für Ihr nächstes Projekt, das Race Across America 2017, laufen schon?
Meixner: Die haben knapp vor der Abfahrt in die Schweiz begonnen. Das Betreuerteam steht ‘mal. Ich hoffe, es bleibt auch dabei. Mit dem Training werde ich in einigen Wochen loslegen.