Erstellt am 20. Januar 2016, 05:43

von Maximilian Köpf

Wende in der Granitstadt. Nachfolger-Frage nach überraschendem Rücktritt von Sektionsobmann Gottfried Schreiber noch nicht geklärt. Auch Stellvertreter Ernst Preissl ist zurückgetreten.

Ein Ende nach neun Jahren: Sektionsobmann Gottfried Schreiber trat überraschend zurück.  |  NOEN, Archiv

Das neue Jahr bringt beim ASV Eaton Schrems nicht nur auf sportlicher Ebene einen Umbau, sondern auch in der Leitung der Fußballsektion. Überraschend verkündete deren Obmann Gottfried Schreiber nämlich vergangene Woche seinen Rücktritt (NÖN.at und meinfussball.at berichteten).
„Ich bin seit dem 17. Dezember 1979, dem Gründungsdatum des SV Langschwarza, immer in führender Position bei Vereinen tätig“, sagt Schreiber, der kürzlich seinen 61. Geburtstag gefeiert hat, der NÖN. „Mittlerweile bin ich einer der ältesten Obmänner der Liga.“ Jetzt sei der beste Zeitpunkt für einen Abgang. „Wir stehen sportlich super da, haben den besten Trainer des Waldviertels, eine tolle Mannschaft, eine Top-Reserve, starke Nachwuchsteams und gute Funktionäre. Vor eineinhalb Jahren wäre ich sicher nicht gegangen.“

Schreiber hinterlässt viele Spuren

Beim ASV Schrems wurde Gottfried Schreiber im Juli 2007 nach Franz Zimmel Obmann der Fußballsektion, die damals in der 1. NÖN Landesliga kickte. Die Saison 2008/09 wurde dann gleich die erfolgreichste der Vereinsgeschichte, mit 53 Punkten und dem vierten Platz. Nur ein Jahr später waren indes Tränen angesagt. Wegen fünf Toren musste der ASV als einer von vier Klubs absteigen.

„Das hat wahnsinnig wehgetan“, erinnert sich Schreiber. „Im Nachhinein gesehen glaube ich aber, dass der Abstieg kein Fehler war. Wir hatten damals fünf Wiener und vier St. Pöltner in der Mannschaft. Ich wollte mehr auf eigene Spieler setzen.“

Zur Steigerung der Qualität setzte er im Nachwuchsbereich mit dem damaligen Nachwuchsleiter Franz Hobbiger (mit ihm schuf Schreiber auch die Frauenmannschaft) auf Spielgemeinschaften. „Das hat gegriffen“, sagt Schreiber. „Jetzt sieht man die Früchte. Das Gros des Kaders besteht aus eigenen Spielern.“ Die Reserve hat 2015 nur ein Spiel verloren, sonst alles gewonnen. Jetzt soll diese Generation in die Kampfmannschaft integriert werden.

„Jetzt habe ich mehr Zeit für die Familie, für
meinen Hund und zum Radfahren. Fad wird
mir sicher nicht.“
Gottfried Schreiber schmiedet bereits Zukunftspläne

Dann könne man in zwei oder drei Jahren auch wieder an den Aufstieg denken. „2012/13 war eine tolle Saison für uns. Aber der Aufstieg wäre zu früh gekommen“, meint Schreiber.

Seine Spuren hat der scheidende Sektionsobmann aber nicht nur im sportlichen Bereich hinterlassen, sondern sie bleiben auch im Birkenpark-Stadion sichtbar. Das heutige Erscheinungsbild des Schremser Sportplatzes, die Spielfeldumrandung samt Weg und die Einzäunung des Geländes oder die Errichtung des VIP-Bereichs inklusive Blockhütte, passierten während seiner Obmannschaft. Mit der Installation des Registrierkassen-Systems hat Schreiber seine letzte Tat als ASV-Obmann vollbracht. Dieses geht mit dem Start der Kunstrasen-Saison in den Probebetrieb.

Seinem Nachfolger hat Schreiber damit schon etwas Arbeit abgenommen. Überhaupt habe Schreiber gute Arbeit geleistet, wie Paul Rzepa, Gesamtobmann des ASV, sagt: „Er hat in wirtschaftlicher und in struktureller Hinsicht sehr gut gearbeitet, hat die Sektion auf sehr breite Beine gestellt, viele Helfer hergebracht und den Generationenwechsel begonnen. Er übergibt einen guten ASV.“

Vorbereitungsstart ohne Masch und Kollenz

Wer die Sektion übernimmt, ist offen. „Es muss noch einiges geklärt werden“, erklärt Rzepa, der mit dem Sportlichen Leiter Herbert Zimmel die Vereinsleitung interimistisch übernimmt. „In den nächsten drei bis fünf Wochen wollen wir eine Lösung für die zu besetzenden Positionen gefunden haben.“

Mit Schreiber verabschiedet sich nach dem Sportlerball am Samstag nämlich auch sein Stellvertreter Ernst Preissl, der vor allem als Platzsprecher bekannt ist. Preissl ist aber auch als Obmann-Stellvertreter ein Urgestein, „diente“ schon unter Hannes Ramharter, Franz Zimmel und jetzt Schreiber. „Ich habe drei Obmänner verbraucht“, grinst er. „Es ist an der Zeit. In der Mannschaft werden Junge eingebaut, das wird auch auf Funktionärsebene passieren.“

Wie Schreiber wird auch Preissl dem Verein weiter helfend zur Seite stehen. „Ich bleibe natürlich ein treuer ASV-Fan“, schmunzelt Schreiber. „Aber jetzt habe ich mehr Zeit, mich meiner Familie zu widmen, mich mit meinem Hund zu beschäftigen und Rad zu fahren. Fad wird mir sicher nicht.“

Die langweilige Zeit hat am Freitag und Samstag auch für die Fußballer aufgehört, die mit zwei Einheiten in die Vorbereitung gestartet sind. Trainer Manfred Mayer hatte den Großteil seiner Mannschaft zur Verfügung. Einzig Thomas Masch, der den Skifliegern am Kulm zusah, und Benjamin Kollenz, der noch immer an einer Schambein-Entzündung laboriert, fehlten. Letzterer wird noch länger ausfallen. „Wir hoffen, dass er bis zum Saisonstart fit wird“, so Mayer. Auch nicht dabei war Thomas Painsipp. Der Defensivmann wechselt zum SC Gmünd.