Erstellt am 01. Dezember 2015, 05:48

von Ingrid Vogl

Eine Regenschlacht für die Rekordbücher. Bei seiner ersten WM eroberte Christian Kromoser in Taiwan im strömenden Regen mit Platz 14 das bisher beste WM-Ergebnis eines Österreichers.

Es kann losgehen. Vor der Eröffnungsfeier nahm sich Christian Kromoser noch Zeit für ein Erinnerungsfoto vor dem WM-Transparent.  |  NOEN, zVg

30 Grad und extreme Luftfeuchtigkeit empfingen die weltbesten Skater in Kaohsiung. Die zweitgrößte Stadt Taiwans war Austragungsort der Weltmeisterschaft und somit Schauplatz der WM-Premiere von Christian Kromoser. Und diese wurde für den 22-jährigen Mostviertler zum erhofften Karrierehighlight. „Die ganze Atmosphäre war megacool“, schwärmt der Waidhofner. Dass er bei seinem ersten Auftritt in Asien auch noch mit Topleistungen aufwarten konnte, war natürlich eine willkommene Draufgabe.

Gleich bei seinem ersten Rennen, der 15.000 Meter Elimination auf der Bahn, stellte Kromoser unter Beweis, dass er in dem hochkarätigen Feld bestens mithalten kann. Er erwischte den stärkeren der beiden Vorläufe, qualifizierte sich aber dennoch für das Finale der besten 36 Skater. Dort fühlte er sich noch besser als im Vorlauf, lieferte eine hervorragende Leistung ab, aber musste zur Kenntnis nehmen, dass manche Skater mit ihren Konkurrenten nicht gerade zimperlich umgehen und auch zu unsportlichen Mitteln greifen. „Ein Spanier hat mich zurückgezogen und ich wurde zu Unrecht eliminiert. Das ist einfach unfair und war sowas von eindeutig. Das hätte der Schiedsrichter sehen müssen“, ärgert sich Kromoser über das vorzeitige Ende seines ersten WM-Rennens und Platz 26. „Es wäre mehr möglich gewesen“, trauert er einer besseren Platzierung nach. Diese sollte folgen. Noch nicht in den weiteren Bewerben auf der Bahn, wo Kromoser mit der Mittagshitze und dem ungewohnten Klima zu kämpfen hatte, aber auf der Straße.

Rangeleien prägten dann den ersten Bewerb (Elimination über 20 Kilometer) auf dem anspruchsvollen Straßenkurs. Christian Kromoser fuhr ein hervorragendes Rennen, hielt sich vorne im Feld und war bis zu seinem Ausscheiden nie wirklich eliminationsgefährdet. „Ich war kurz eingesperrt und konnte auf der langen Zielgerade nicht mehr genug beschleunigen“, schildert er den Moment seiner Elimination. Er beendete das Rennen auf Platz 27.

Nervenkitzel und Hektik vor dem Regenrennen

Zu einer besonderen Herausforderung für das gesamte Starterfeld wurde das Punkterennen über zehn Kilometer, das im strömenden Regen über die Bühne ging. „Die ganzen zwei Wochen hat es hier nie geregnet und darum habe ich die Regenrollen an diesem Tag im Hotel gelassen. Ein riesiger Amateurfehler“, gibt Kromoser zu.

Um trotzdem an den Start gehen zu können, musste der Mostviertler binnen weniger Minuten regentaugliche Rollen auftreiben. Ein Franzose, dem Kromoser am Vortag seinen zweiten Satz Rollen gegeben hatte, organisierte ganz neues Material vom Händler. „Die Rolle ist noch niemand im Regen gefahren. Wir haben nicht gewusst, ob das funktioniert oder nicht. Es war reiner Poker, aber die einzige Alternative.“ Und keine schlechte.

Kromoser erwischte einen guten Start, fuhr ein perfektes Rennen, aber war von der Kraft und vom Halt am rutschigen Terrain her stets am Limit. „Im Zielsprint konnte ich einfach nicht mehr schneller. Platz neun wäre möglich gewesen, aber auf Platz 14 bin ich auch stolz.“ Mit gutem Grund, denn dieser Rang bedeutet das bisher beste WM-Ergebnis eines Österreichers überhaupt. Überlegungen, ob mit den eigenen Regenrollen vielleicht noch mehr möglich gewesen wäre, stellt Kromoser erst gar nicht an. „Ich bin so zufrieden mit dem 14. Platz, dass mir das eigentlich ganz egal ist“, lässt er sich nicht auf Spekulationen ein.

Dass es nach dieser Topleistung im abschließenden Marathon noch eine Steigerung geben könnte, war unwahrscheinlich. Doch Kromoser war nah dran am ganz großen Coup. In der letzten von neun Runden, die von harten Positionskämpfen geprägt war, schuf sich der 22-Jährige eine aussichtsreiche Position für den Zielsprint um Platz drei. In der letzten Kurve wurde er aber von beiden Seiten zurückgezogen und verlor die Geschwindigkeit. „Ich bin zwischen den Leuten verhungert und durchgereicht worden. Ich muss in Zukunft noch viel mehr bereit sein, mich zu verteidigen und die Hände wegzuschlagen“, hat er daraus gelernt. Kromoser finishte auf Platz 27.
 


Der Sportler

Name: Christian Kromoser
Geboren am: 5. März 1993
Wohnort: Wien, Waidhofen/Ybbs
Beruf: Sportler, Medizinstudent
Sportart: Inlinespeedskating
Verein: BL Austria Wieselburg
Trainerin: Marta Nunes

Größte sportliche Erfolge:
Platz 14 im Punkterennen Straße (WM 2015); Platz 8 im Marathon (EM 2015); Staatsmeister im Punkterennen Bahn (ÖM 2015); Europacupsieg (2013); Staatsmeister im Halbmarathon (2011, 2012 und 2013)

Die weitere Karriere:
Weil Kromoser durch den WM-Start in Taiwan ein Studienjahr verliert, schiebt er seinen Grundwehrdienst ein. Diesen wird er als Heeressportler absolvieren – voraussichtlich im Heeresleistungszentrum Innsbruck oder in der Südstadt. Nach der Grundausbildung im Jänner wird er für Training und Wettkämpfe freigestellt