Erstellt am 08. September 2015, 08:22

von Cornelia Grotte

Gehirntumor bei 17-Jährigem: Helfer trotz Handicap. Bei Manuel Hauer (17) wurde mit zwei Jahren ein Gehirntumor diagnostiziert. Um anderen in ähnlichen Situationen zu helfen, nahm er am Pleissinger Wunschlauf teil.

Der 17-Jährige Manuel Hauer aus Pleissing (l.) wollte mit seiner Teilnahme am Pleissinger Wunschlauf anderen Kindern in seiner Situation helfen. NÖN-Sportmitarbeiterin Cornelia Grotte war mit ihm beim Lauf dabei. Foto: privat  |  NOEN, privat

NÖN: Frau Hauer, wie ist es Ihnen ergangen, als Sie von der Diagnose erfuhren?
Maria Hauer: Es war schlimm, aber in der Situation im AKH musste ich stark bleiben. Es ist erst später, zuhause, alles rausgekommen. Zu der Zeit habe ich auch ein Projekt für die Kinderkrebshilfe gestartet. Gemeinsam mit Familie und Freunden haben wir Handtücher bestickt und an Kindergärten verkauft. Den Reinerlös von 7.300 Euro haben wir dann an die Kinderkrebshilfe gespendet. Ich habe mir nur gedacht, wenn ich Geld für die Forschung spende, dann können die meinem Kind besser helfen. Das war meine Art, mit der Situation umzugehen.

„Ich bin auf einem Auge ganz blind,
auch beim Gehen muss ich aufpassen“

Manuel, wie beeinflusst die Krankheit deinen Alltag?
Manuel Hauer: Ich bin auf einem Auge ganz blind. Auf dem anderen sehe ich vier Prozent. Lesen kann ich nur große Schrift am Computer. Auch beim Gehen muss ich aufpassen. Wenn ich die Umgebung nicht kenne, fühle ich mich da meistens sehr unsicher.

Du hattest auch schon einige Operationen?
Manuel: Ja. 2001 wurde der Tumor verkleinert. Ganz kann man ihn nicht rausoperieren. 2003, 2005, 2007 und heuer hatte ich weitere Operationen. Dieses Jahr im Mai musste mir ein Shunt gelegt werden, da der Tumor eine Flüssigkeit produzierte. Die verhinderte den Abfluss der Gehirnflüssigkeit. Vor den Operationen bin ich einfach nur froh, wenn meine Mama dabei ist, dann kann ich mich etwas ablenken.
Maria: 2010 hatte Manuel eine Lungenentzündung. Sein Immunsystem war durch die Chemotherapie geschwächt. Fünf Tage war er in akuter Lebensgefahr und musste künstlich beatmet werden. Der Notarzt sagte, dass ich ihn verlieren würde. Ich wollte das nicht glauben. Bei mir war das so, als ob man einen Schalter umgelegt hätte. Du musst einfach funktionieren.

Warum hast du beim Pleissinger Wunschlauf mitgemacht?
Manuel: Weil ich anderen Menschen helfen will. Mir wurde auch schon so viel geholfen.

„Für Tamara war es schwer, dass ihr Bruder
die ganze Aufmerksamkeit bekam“

Hast du schon mit einer der Organisationen zu tun gehabt, die beim Lauf vertreten waren?
Manuel: Ja, mit „e.motion“. Meine Schwester Tamara war schon ein paar Mal dort, wir haben dort auch schon ein Familienwochenende verbracht.
Maria: Für Tamara war es schwer, dass ihr Bruder aufgrund der Krankheit die ganze Aufmerksamkeit bekam. Wir waren dann vier bis fünf Mal auf einem Familienwochenende von „e.motion“. Tamara war drei bis vier Mal im Camp für Kinder, die Schicksalsschläge in der Familie erleben mussten. Als Kleinkind war das für sie wichtig, damit sie auch etwas für sich macht, um von der Situation zu Hause wegzukommen. Sie ist dort richtig aufgeblüht. Mittlerweile hat sie die Situation akzeptiert und ist mir zu einer sehr großen Hilfe geworden. Und auch „make a wish“ hat uns geholfen. Im Alter von acht Jahren hat Manuel ein Gartenhaus von der Organisation bekommen.

Also hat es geholfen, sich an die Organisation zu wenden?
Maria: Ja, an diesen Familienwochenenden hatten die Kinder Therapie mit Pferden. Für die Eltern gab es ein psychologisches Gespräch. Das hat geholfen.
Manuel: Mir hat es gut gefallen. Die Therapie mit den Pferden war einmal etwas anderes. Die Tiere waren gelassen. Man konnte so viel mit ihnen machen.

Wie sieht es mit deiner Zukunftsplanung aus?
Manuel: Zurzeit gehe ich in die vierte Klasse der Hauptschule des BBI (Bundesblindeninstituts) in Wien. Danach würde ich gerne eine Ausbildung zum Masseur machen.