Erstellt am 23. Dezember 2015, 04:18

von Cornelia Grotte

Tribelnig: „Hollabrunn fehlt es an Sportressourcen“. Sportunion-Hollabrunn-Präsident Johannes Tribelnig (45) erzählt über die Erfolge der SPU und spricht über fehlende Mitarbeit der Gemeinde.

Johannes Tribelnig, Präsident der Sportunion Hollabrunn. Foto: privat  |  NOEN, privat

NÖN: Wie zufrieden sind Sie mit der Saison 2015?
Johannes Tribelnig: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden, da wir im Herbst unser Bewegungsangebot im Prinzip fast zur Gänze wieder anbieten konnten. Auch wenn es, besonders im Kinderbereich, zu Fluktuationen kam, sind dennoch immer wieder neue Leute dazugekommen. Dadurch sieht man, dass es großes Interesse gibt.

„Die Balla-Balla-Ballsporttage wurden
gut angenommen, daher wollten wir das
im Herbst weiterführen“

Wie zufrieden sind Sie mit den Leistungen der Volley- und Basketballteams im Jahr 2015?
Im Volleyball ist es sehr gut für uns gelaufen. Wir haben im Frühjahr mit den Herren im Aufstiegs-Play-off gespielt und den Aufstieg auch geschafft. Mit den Damen ist uns in der Spielgemeinschaft mit Bisamberg der Aufstieg in die 2. Bundesliga gelungen. Bei den Burschen sind wir im Nachwuchsbereich mit der U17 zu den Staatsmeisterschaften gefahren. Auch die U15 war bei den Staatsmeisterschaften. Die U17 der Mädchen holte den dritten Platz bei den Landesmeisterschaften. Die U19 hat bei der Qualifikation für die Staatsmeisterschaft den zweiten Platz geholt. Beim Basketball spielten die HL Heats im Mittleren Play-off, konnten gute Leistungen erbringen, haben dann aber im entscheidenden Spiel verloren.

Kommen wir zum Angebot der Sportunion. Was gibt es Neues?
Heuer haben wir im September mit Jugendbasketball begonnen. Seit Herbst gibt es außerdem die Balla-Balla-Ballspiele. Im Sommer haben wir parallel zum Beachvolleyball die Balla-Balla-Ballsporttage angeboten. Die wurden gut angenommen, daher wollten wir das im Herbst weiterführen. Seit September können Kinder bis zu zwei Mal pro Woche zum Training kommen. Bisher sind etwa 15 Kinder dabei.

Wie kam man auf die Idee für die Ballsporttage?
Die Idee dazu kam uns, als wir merkten, dass einige Kinder Probleme mit der Hand-Augen-Koordination haben. Daher wollten wir Kindern im Volksschulalter die Chance geben, den Umgang mit dem Ball besser zu erlernen.

„Der Vorteil der Ganztagsschule ist, dass
man nicht immer nur sitzen kann“

Wieso haben die Kinder solche Koordinationsprobleme?
Ein Hauptgrund ist, dass es in den Volksschulen oft nur zwei Turnstunden in der Woche gibt. Dazu kommt der Druck des Bildungssystems, welches den Fokus hauptsächlich auf Theoriefächer legt. Die Kinder haben, aufgrund der Anzahl an Schulstunden pro Tag, auch oft nicht die Zeit für sportliche Aktivitäten.

Die Ganztagsschule wäre für den Sport also nicht förderlich?
Würde ich so nicht sagen. Der Vorteil der Ganztagsschule ist, dass man nicht immer nur sitzen kann. Es könnte also Sport angeboten werden. Da muss dann die Direktion dahinter sein.

Wird diesbezüglich schon mit den Schulen zusammengearbeitet?
Das Konzept, dass Vereine an Schulen Sportunterricht anbieten, gibt es schon. Dazu braucht es aber auch die Möglichkeiten. In Hollabrunn würde es meiner Meinung nach nicht gehen, weil die Turnhallen oft außerhalb der Schulen liegen. Wenn der Campus gebaut wird, wäre das eine super Möglichkeit, in Kooperation mit den Sportvereinen ein Sportprogramm anzubieten.

„Die Stadtregierung sollte einmal
Geld in die Hand nehmen und den
Campus als Chance sehen.“
Johannes Tribelnig über den
geplanten Campus-Bau

Stichwort Campusprojekt. Sollte dieser gebaut werden, soll es keinen Beachvolleyballplatz mehr geben. Was bedeutet das für die Sportunion?
Bei meinem letzten Gespräch mit dem Bürgermeister wurde mir gesagt, dass er nicht weiß, wann der Campus gebaut werden wird und ob der Beachvolleyballplatz dem Projekt weichen muss. Wir hätten natürlich großes Interesse daran, weiter Beachvolleyball in Hollabrunn spielen zu können. Im Sommer sind wir über 80 Leute, die den Platz nutzen. Außerdem wird der Beachvolleyballplatz auch für Turniere und Kinderbetreuung genutzt. Wenn der Platz weg ist, können wir das alles nicht mehr anbieten. 2015 haben wir im Sommer 60 Kinder betreut, das wäre dann nicht mehr möglich.

Wird die Gemeinde mit lokalen Vereinen, wie der Sportunion, zusammenarbeiten, wenn es um die Sportmöglichkeiten am Schulcampus geht?
Die Sportunion hat der Gemeinde angeboten, als Berater zu fungieren. Dabei geht es vor allem darum, dass die Gemeinde erfährt, was eine Turnhalle alles können sollte. Es gibt bei uns im Verein eine eigene Gruppe, die sich mit dem Thema beschäftigt. Ziel ist es, die Turnhalle als Mehrzweckhalle nutzbar zu machen. Motivierte Sportler haben immer den Sport im Fokus. Die Gemeinde sieht hauptsächlich die Kosten. Da sollte man als Stadtregierung einmal Geld in die Hand nehmen und den Bau des Campus auch als Möglichkeit zum Ausbau der Hollabrunner Sportinfrastruktur sehen.

„Mein Ansatz ist, immer etwas zu tun
und es kontinuierlich zu verbessern.“

Würde das die Sporthalle in Hollabrunn entlasten?
Ja, und das wäre vor allem für uns als Sportunion sehr wichtig. Wir haben nur die Turnhallen, und die sind oft zu klein, um auch Publikum unterzubringen, ohne dass die Leute gefährlich knapp am Spielfeld sitzen. Bei den Volleyballspielen haben wir regelmäßig 90 Zuschauer. In der Turnhalle im Bundesgymnasium, wo wir derzeit unsere Partien spielen, ist es schwierig, so eine Zahl von Personen unterzubringen.

Gab es etwas, was man 2015 hätte besser machen können?
Man kann immer etwas besser machen. Mein Ansatz ist, immer etwas zu tun und es kontinuierlich zu verbessern. Es ist auch immer eine Sache der Ressourcen.

Welche Probleme gibt es mit den Ressourcen?
Es wird immer schwieriger, ehrenamtliche Helfer zu finden. Es gibt im Bezirk eine Vielzahl an Vereinen, die ebenfalls von ehrenamtlichen Mitarbeitern lebt. Auch in puncto Sportler merke ich einen Rückgang bei den Meisterschaftsspielern. Regelmäßiges Training und Matches sind doch sehr zeitaufwändig. Im Hobbybereich könnte die Sportunion durchaus mehr anbieten. Doch dafür fehlen uns wieder die Ressourcen.