Erstellt am 23. Dezember 2015, 05:53

von Claus Stumpfer

"Keine Ausnahme für Sportvereine". Nicht nur Gastrobetriebe werden ab 1. Jänner verstärkt zur Kasse gebeten – auch die Vereine trifft's. Leopold Dirnegger gesteht, derzeit schlaflose Nächte zu haben.

Der Vizepräsident des NÖ Fußballverbands und Notar im Hauptberuf hat die Aufgabe übertragen bekommen, die Fußballvereine in Sachen Registrierkassenpflicht zu beraten. Aufgrund der Steuerreform 2015 und der vom Bundesminister für Finanzen erlassenen Barbewegungsverordnung gilt die Registrierkassenpflicht per 1. Januar 2016 auch für Sportvereine, die mit ihrer Kantine 15.000 Euro Umsatz machen.

Für Dirnegger ist diese ein Anschlag auf hunderte Vereine und deren ehrenamtliche Funktionäre. „Sie ist ein Bürokratiemonster, das den Sport tyrannisiert“, erklärt er, dass gemäß den Vorschriften ein Verein nicht nur eine Registrierkasse benötigt. „Er muss eine solche für jede noch so kleine Ausschankhütte am Sportplatz anschaffen – mit Kosten von tausenden Euro und einem erheblichen Zusatzaufwand.“ Laut Dirnegger werden so Funktionäre kriminalisiert und gerade jene Vereine bestraft, die tolle Nachwuchsarbeit leisten: „Die Registrierkassenpflicht gilt nämlich nicht nur für Matches der Kampfmannschaft, sondern auch für den gesamten Spiel- und Trainingsbetrieb im Nachwuchs. Jeder Kaugummi muss registriert werden.“

„Weitere Funktionäre hauen Hut drauf“

Gablitz-Obmann Andi Forche beklagt die neue Schikane: „Die Registrierkasse und noch schlimmer die Belegpflicht machen uns das Leben schwerer. Das wird dazu führen, dass noch mehr Funktionäre den Hut draufhauen“, ist er überzeugt. Schon jetzt bemerkt er, dass es immer schwerer wird, Funktionäre zu finden. „Auch wenn ich in Gablitz aufhören würde, wüsste ich nicht, wer sich das jetzt noch antäte!“

Beim SV Pressbaum geht Neo-Obmann Michael Schramek etwas optimistischer an die Sache heran, klärt derzeit alles mit dem Steuerberater. Auch ihm ist aber klar, dass es nicht einfach wird: „Wenn ein kleines Kind ein Gummibärchen haben möchte — braucht es dann einen Beleg? Kann es diesen Beleg aufheben? Es gilt noch viel zu klären!“ Auch was die Grenzen für die Registrierkassa betrifft, habe er gehört, dass sich diese noch ändern könnten.

Keinen großen Nachteil sieht beim FC Purkersdorf Obmann Dieter Pawlek. „Natürlich sind wir nicht erfreut, weil es Geld kostet, aber wir werden uns eine Registrierkasse anschaffen — über den Betrag kommt jeder Pimperlverein“, bleibt er locker.

Auch Nichtfußballvereine machen sich Gedanken. Wolfgang Vonasek, Flagfootball-Coach der Klosterneuburg Indians, gibt aber Entwarnung. „Unser Obmann hat sich die Sache genau angesehen und wir benötigen keine Registrierkassa“, ist er überzeugt. „Da wir bei unseren Heimspielen im Happyland die Kantine nicht mitbenutzen und auch keine Getränke verkaufen, kommen wir nie über die Grenze von 15.000 Euro!“

In Gablitz glaubt Obmann Forche aber nicht, dass die Auslagerung des Kantinenprinzip ein Allheilrezept ist. „Wir erleben gerade im Bezirk ein großes Wirtesterben, und es gibt nicht viele, die sich um eine derartige Kooperation reißen“, sieht er nicht den großen Reibach. „In der Fußballkantine benötigt man nur kurz vor und nach dem Spiel sowie zur Pause sehr viele Freiwillige, um den Betrieb garantieren zu können. Wirte brauchen dafür viel Personal, dass die restliche Zeit untätig herumsteht“, ortet er für Wirte da ein Rentabilitätsproblem.