Erstellt am 02. Dezember 2015, 05:23

von Claus Stumpfer

Pressbaumer gewinnt alle Elite-Duo-Bewerbe. Die Horak-Truppe stellt bei der WM in Thailand einen neuen Weltrekord auf, siegt im Damen-, Herren- und Mix-Bewerb!

Sensationeller Triumph im Duo Mix. Vor zwei Wochen bei den österreichischen Staatsmeisterschaften noch besiegt, holte der Eichgrabener Philippe Bleyer nun mit seiner Gablitzer Partnerin Andrea Gruber WM-Gold.  |  NOEN, zVg

Die Weltmeisterschaft in der thailändischen Metropole Bangkok war die erfolgreichste für den internationalen Jiu Jitsu Verband JJIF in der Geschichte. Und auch der österreichische Verband (JJVÖ) stellte mit vier Goldenen einen neuen Rekord auf — und alle vier Goldmedaillen holten Athleten von Goshindo Pressbaum!

Nach Thailand waren nicht weniger als 54 Nationen angereist , so viele wie noch nie — doch nach drei Wettkampftagen stand ein einmaliges Ergebnis für den österreichischen Verband fest. Mit vier Goldmedaillen sowie zwei Bronzemedaillen gewann Österreich unangefochten die Duo-Wertung.

Im Medaillenspiegel aller Nationen und Bewerbe belegte Österreich den dritten Platz. „Dies wurde auch durch die Bronzemedaille im Fighting-System durch die Salzburgerin Bianca Feichtlbauer ermöglicht“, freut Pressbaums Obmann Robert Horak auch der einzige Erfolg, den nicht seine Athleten beisteuerten. Aber Geschichte geschrieben haben seine Kämpfer. Noch nie zuvor war es bislang einer einzigen Nation gelungen, alle drei Bewerbe der allgemeinen Klasse im Duo-System in einem Jahr zu gewinnen. „Das alle drei Teams von einem Verein kommen, ist das I-Tüpferl“, lacht Horak.

Nichts zu deuteln gab es am Doppelgold für die Zwillinge Mirnesa und Mirneta Becirovic. Die beiden Pressbaumerinnen gewannen nicht nur den klassischen Duo-Bewerb wie erwartet souverän, sondern sicherten sich auch den Sieg im erstmals ausgetragenen Duo-Show-System-Bewerb — deshalb gab’s viermal Gold für Österreich!

„Auch bei diesem Bewerb, der eigentlich vor allem von den asiatischen Nationen wie Vietnam, Pakistan oder auch Gastgeber Thailand bevorzugt betrieben wird, mussten die asiatischen Spezialisten die technische Überlegenheit der Europäer und da vor allem der Twins zur Kenntnis nehmen“, ist Horak stolz.

Becirovis-Twins siegen ohne Ende

Die Becirovic-Schwestern sind nun bereits vierfache Weltmeisterinnen. „Ihre Überlegenheit erinnert an jene der österreichischen Skifahrer in früheren Zeiten“, fürchtet Horak, dass seine Schützlinge sich zu Tode siegen. „Die Konkurrentinnen geben aufgrund ihrer Chancenlosigkeit reihenweise auf!“

Aber auch bei den Herren bereiten die Athleten des Pressbaumer Paradeklubs der internationalen Konkurrenz schlaflose Nächte. Dabei sind es mit Nikolaus Bichler und Sebastian Vosta zwei Gablitzer, die sich Gold und Bronze sicherten.

Gegen die Vize-Weltmeister und Europacup-Sieger des Vorjahres blieben auch die aktuellen Europameister aus den Niederlanden auf der Strecke. Und so wie bei den Twins durften auch die Gegner aus Asien mit dem starken Team Bekanntschaft machen. In der Duo-Show auf der Matte gab es nur eine knappe Niederlage gegen Frankreich — deshalb Bronze! „Das sicherten sich die Beiden aber deutlich“, betont Horak.

Das Duo-Mix brachte endlich den vollen Erfolg für zwei altbekannte Kämpfer des Klubs, die im Vorjahr von Horak neu zusammengeschweißt wurden. Wie das Gewinnen von Medaillen funktioniert, wussten Philippe Bleyer (Eichgraben) und Andrea Gruber (Gablitz) bereits. Gruber hatte mit Vera Bichler im Duo women und Bleyer im Duo Mix bei WM und EM Medaillen erkämpft. Aber der ganz große Titel in der allgemeinen Klasse war ein Ziel, welches erst am Wochenende verwirklicht werden konnte. In einem packenden Finale standen den Beiden die Welt- und Europameister aus Italien gegenüber.

„Es war wie David gegen Goliath“, schildert Horak, denn die thailändischen Fans unterstützten die favorisierten Italiener. „Ein sympathisches Team und mit unseren Athleten befreundet — da wird ständig auf Facebook kommuniziert“, weiß Horak. Im Kampf ließen aber beide Teams nichts anbrennen.

Schon in den Vorrunden hatte Horak die Taktik der Italiener genau studiert, und dann die seiner Schützlinge darauf angepasst. Die Rechnung ist aufgegangen, der Favorit wurde gestürzt! Für Horak sind Bleyer/ Gruber auch noch aus einem anderen Grund würdige Champions. „Sie hatten die schwerere Auslosungen, mussten am Weg ins Finale auch die Europameister aus dem Weg räumen!“

Kurios nur, dass die nunmehrigen Weltmeister vor zwei Wochen bei den Staatsmeisterschaften an Österreichs U-21-Team Jaqueline Horak (Kirchstetten) und Daniel Rejzek (Eichgraben) gescheitert waren. Diesmal gab es für die Trainertochter und deren Partner „nur“ Rang fünf. Robert Horak hat eine Erklärung: „Jaqueline musste sich wegen einer Magenverstimmung am Wettkampftag immer wieder übergeben — einen Tag vorher wäre eine Medaille drinnen gewesen.“

In den Vorrunden wurden immerhin Teams aus Deutschland und Frankreich besiegt, und gegen die Italiener verloren die Beiden mit nur zwei Punkten Differenz. „Leider ließen wir im Kampf um Bronze gegen die Schweizer in der ersten Runde Punkte liegen, die nicht aufzuholen waren“, sieht Horak aber weiter viel Potenzial im Team.

Einen Achtungserfolg mit Platz 13 erzielte auch der Wiener Philipp Dietl in der Disziplin Newaza bis 77 Kilogramm.