Erstellt am 22. September 2015, 07:24

von Volker Ostermann und Peter Sonnenberg

Spillerner Training mit Flüchtling. Der SV Spillern beweist Herz und lässt einen syrischen Kriegsflüchtling mittrainieren.

Spillerns Sektionsleiter Gerhard Sturm.  |  NOEN, zVg

Der SV Spillern macht in den letzten Tagen nicht nur sportlich mit positiven Schlagzeilen (Anm.: punktegleich mit Neudorf an der Spitze der 1. Klasse Nordwest) auf sich aufmerksam. Seit kurzer Zeit trainiert auch ein syrischer Kriegsflüchtling bei der Reserve des Gebietsliga-Absteigers mit.

„Hassan ist von seinem Wesen her sehr nett und geht offen auf Leute zu, aber er spricht weder deutsch noch englisch. Wir versuchen, ihn so zu unterstützen, damit er sich in der neuen Umgebung leichter integrieren kann“, gibt Sektionsleiter Gerhard Sturm eine Stellungnahme zu dieser Aktion ab. Der Syrer entschied sich vor circa einem Jahr aufgrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen in seinem Land zur Flucht.

Über Traiskirchen und eine Wohngemeinschaft in Wien kam Hassan schließlich nach Spillern. Hier wurde er von einer Privatperson aufgenommen. Dann war es auch möglich, seine Frau und Kinder nachzuholen. Und Stichwort Nachwuchs: Sein Sohn spielt ebenfalls bei den Spillerner „Kids“ mit und zeigte dabei auch sein großes Talent.

Wie kam er aber zum SV Spillern? Hassan ließ sich immer öfter am Sportplatz in der Marienhof-straße blicken und konnte seine Begeisterung für Fußball nicht verbergen. Spillerns Co-Trainer Mohamed Dbab stammt aus Marokko, er konnte sich auf Arabisch mit dem 26-Jährigen verständigen und lud ihn zum Training ein.

Spillern setzt sich mit Verband in Verbindung

Inzwischen arbeitet man in Spillern daran, den Neuankömmling beim Verband anzumelden. „Es geht da jetzt nur zweitrangig um sportliche Leistung. Vielleicht können wir ihm ein bisschen helfen, seine traumatischen Erlebnisse zumindest zeitweise zu vergessen“, zeigt sich Sektionsleiter Sturm sehr mitfühlend.

Großes Herz bewiesen auch sämtliche Spieler des SV Spillern, die Hassan und dessen Familie mit einigen notwendigen Sachen beschenkten.


Wie kam es dazu?

Der SV Spillern ließ den syrischen Flüchtling mit der Reserve mittrainieren. Er wohnt in Spillern und auch sein Sohn spielt mittlerweile im Nachwuchs der Spillerner, er schoss bei seinem Debüt in der U10 gleich zwei Tore.

Sektionsleiter Gerhard Sturm (Bild oben) und der gesamte Verein wollten damit auch ein Zeichen in Sachen Integration und Solidarität setzen.

Was sagt der Verband?
„Da gibt es eine klare Regelung“, zählt Herbert Wesely vom NÖFV auf: Der ÖFB stellt eine Anfrage an die FIFA und wenn nichts dagegenspricht sowie der Flüchtling eine gültige Asylantenkarte vorweisen kann, bekommen der Verein bzw. der Spieler innerhalb von 30 Tagen eine Spielberechtigung.

Das gilt sowohl für den Kampfmannschafts- als auch Nachwuchsbereich. „Da geht es vor allem darum, dass es im Fußball den Status Flüchtling nicht gibt.“  Foto: privat