Erstellt am 23. August 2016, 04:37

von NÖN Redaktion

Walter Heckl: „Regeln bieten jede Menge Zündstoff“. Die Änderungen werden das Spiel noch mehr beschleunigen, die Schiris sind noch mehr gefordert.

Analyse. Walter Heckl, Kremser Handball-Referee mit jahrelanger HLA-Erfahrung, sieht einige Teile der Regeländerungen kritisch.  |  Bauer

In zwei Wochen erfolgt der Startschuss zur neuen Saison. Und das mit gravierenden Neuerungen im Regelwerk. Die NÖN hat mit der Kremser Schiri-Legende Walter Heckl die wichtigsten Änderungen unter die Lupe genommen.

Kein Leibchen für 7. Feldspieler: „Die Wechsel erfolgen schneller, die Trainer müssen sich auf einen spielenden Tormann einstellen. Dass sich früher der Spieler mit dem Leibchen zur Not ins Tor stellen konnte, ist jetzt nicht mehr möglich.“

Passives Spiel : Ein Passus, der in Zukunft sowohl Referees als auch das Kampfgericht stressen wird. Heckl: „Im Vorfeld war sogar angedacht, ähnlich wie im Basketball die Angriffszeit auf eine Minute zu limitieren. Dieser Vorschlag wurde aber wieder fallen gelassen!“ Bei Eckball, Out oder Foul, das nicht progressiv bestraft wird (Zwei Minuten, rote Karte), werden die Pässe weitergezählt.

Blaue Karte: „Damit ersparen sich Unparteiische mögliche Reklamationen und Diskussionen nach einem Match mit den betroffenen Trainern, Spielern oder den Funktionären.“

Letzte 30 Sekunden: „Eine Regel, die früher selten angewendet wurde. Wird von einem angreifenden Spieler in der Folge der Vorteil nach Foulspiel nicht genutzt, erhält das Offensivteam einen Strafwurf zugesprochen. Bei vergebener Chance ging’s früher weiter.“

Verletzte Spieler: Aus Sicht von Referee Heckl der heikelste Punkt: „Der Schiri muss jetzt entscheiden, ob ein Betreuer aufs Spielfeld gelassen wird oder nicht.“ Diese Order darf eine Mannschaft aber nicht verweigern, sonst gibt es eine Zweiminuten-Strafe für das Team. Der Halbzeitpfiff hebt die Regel auf. Heckl weiter: „In Zukunft werden die Akteure ihren verletzten Mitspieler zur Bank tragen.“

Ebenfalls prekär: Wie wird ein abgeschlossener Angriff definiert? Heckl: „Laut Regelwerk, wenn der Ball die Hand des werfenden Spielers verlässt, bei Irrtum des Referees gibt es aber keinen Einspruch. Hier sind Manipulationen leider Tür und Tor geöffnet.“ Richtig knifflig könnte es für das Kampfgericht werden, wenn mehrere Spieler gleichzeitig von dieser Regel betroffen sind. Vorläufig will man die neuen Regeln in Österreich ab dem U16-Team umsetzen, da Vereine bei vielen Nachwuchsspielen die Kampfgerichte nicht entsprechend besetzen können.