Erstellt am 25. November 2015, 06:03

von Peter Sonnenberg

Tausend Tore für Engel. Die Kottingneusiedlerin Katrin Engel (31) schrieb für ihren Thüringer HC Vereins- geschichte, freut sich schon auf das Nationalteam und war auch vom Paris-Terror betroffen.

Meilenstein. Katrin Engel bei ihrem Thüringer HC.  |  NOEN, privat

Österreichs Handball-Damen- Nationalteam kam am Dienstag (bis Sonntag) ein letztes Mal zu einem Trainingslehrgang für 2015 zusammen. Zum Abschluss des Trainingslehrgangs trifft das Nationalteam zwei Mal auf die Schweiz – Samstag (Anwurf 18 Uhr) in Bärnbach und am Sonntag (11 Uhr) in der ASVÖ-Halle Graz. Mit dabei ist auch ÖHB-Teamkapitänin Katrin Engel aus Kottingneusiedl, die in den letzten Wochen turbulentes erlebte.

Die 31-jährige Weinviertlerin bekam zunächst im Heimspiel ihres HC Thüringen in der deutschen Bundesliga gegen die HSG Blomberg-Lippe Standing Ovationsnach ihrem Treffer zum 20:18. Warum? Weil Engel gerade einen unglaublichen Torrekord bei ihren Thüringern aufgestellt hatte und den Ball zum 1000. (!) Pflichttor ins Netz warf. „Natürlich bin ich stolz, da ich die erste Spielerin bin, die das im Verein geschafft hat. Aber auf der anderen Seite kein Wunder, ich bin ja schon seit sechs Jahren hier“, so Engel lachend. Dabei war der Druck die Wochen davor schon unangenehm: „Wenn man dauernd nur darauf angesprochen wird, ist’s mühsam.“

Zu allem Überfluss spielte Engel damals mit einer gebrochenen Nase. Aber das war auch das Einzige, was schief läuft im Moment. Rein sportlich läuft es nämlich rund für die Kottingneusiedlerin: In der Tabelle der deutschen Bundesliga liegt man auf Platz eins, punktegleich mit dem HC Leipzig, und steuert dem sechsten Meistertitel in Folge zu. Auch im Pokal löste man letztes Wochenende das Ticket für das Viertelfinale, bevor es jetzt aufgrund der EM in Dänemark zu einer dreiwöchigen Spielpause kommt. Schließlich stehen die Zeichen auch in der Champions League auf Aufstieg. Dort bekam sie mit ihren Mitspielerinnen aber auch den Terror in Paris zu spüren.

Paris-Terror sorgte für Absage und Verwirrung

Nach den Ereignissen in der französischen Hauptstadt wurde das Champions-League-Gruppenspiel gegen den französischen Meister Fleury Loiret Handball, das an jenem Tag stattfinden hätte sollen, abgesagt. „Das war eine chaotische Situation. Wir hätten Freitagnacht losfahren sollen, was aufgrund des Anschlags aber erst einmal verschoben wurde“, berichtet Engel. „Dann hieß es am Samstagvormittag vonseiten der EHF (Anm.: europäischer Handballverband), wir müssen doch fahren. Irgendwo auf einer Autobahn-Raststation kam dann wieder das Kommando retour. Gott sei dank, denn ans Spielen hat keiner von uns gedacht.“

Nicht nur deswegen ist Engel jetzt froh, beim Nationalteam ein wenig den Kopf frei zu bekommen – unter anderem deswegen, weil sie schon ewig dabei ist und sich sichtlich wohlfühlt. „Darauf freue ich mich, auch weil ich jetzt seit 15 Jahren Nationalspielerin bin und immer wieder meine alten Weggefährtinnen treffe.“ Stichwort Zukunft: Diese steht für Engel noch in den Sternen. Derzeit absolviert sie den Endspurt ihrer Ausbildung als Erzieherin. „Dann muss ich schauen, wie ich Job und Handball vereinen kann.“