Erstellt am 24. März 2016, 07:24

von Johannes Wiesmann

„Bleibt hoffentlich noch 100 Jahre so“. Handball / Hypos Neo-Trainer Martin Matuschkowitz über die Bürde von Pflichtsiegen, lästige Aufgaben und das „Halbprofitum“ im Sport. NÖN: Sie springen zum wiederholtenmal als Cheftrainer von Hypo NÖ ein. Warum diesmal?

Martin Matuschkowitz will mit Hypo das Double holen, ehe er die Mannschaft wieder abgeben wird: »Mir fehlt die Zeit.«  |  NOEN, Starka

NÖN: Sie springen zum wiederholtenmal als Cheftrainer von Hypo NÖ ein. Warum diesmal?

Martin Matuschkowitz: „Das ist schwer zu sagen. Das war ein längerer Prozess mit viele Gesprächen zwischen mir und Feri (Kovacs, Anm.). Schlussendlich haben wir uns gemeinsam mit dem Vorstand dazu entschieden, dass ich vom Co zum Chef werde. Auch, um den Spielerinnen vielleicht einen neuen Motivationsschub zu geben.“

Warum ist es überhaupt so weit gekommen? Was passt heuer nicht?

Matuschkowitz: „Diese Fragen haben wir uns auch immer wieder gestellt und eigentlich nicht wirklich eine Antwort darauf gefunden. Nach der letzten Saison, die ja doch sehr erfolgreich war, sind die Schwächen heuer schon überraschend.“

Die größte war wohl die erste WHA-Niederlage nach einer jahrzehntelangen Siegesserie?

Matuschkowitz: „Natürlich kommt das nach einer so langen Zeit im ersten Moment überraschend. Das ist eine echte Schlagzeile, da haben sich alle drauf gestürzt. Aber die Leute vergessen etwas: die Zeiten haben sich geändert. Früher war Hypo europaweit absolute Spitze, wir hatten fast nur Vollprofis im Kader, haben acht Mal pro Woche trainiert. Heute kochen wir mit dem gleichen Wasser wie alle anderen Mannschaften auch, trainieren genauso oft wie die anderen und haben auch nicht mehr diese Stars im Kader wie früher.“

Ist man bei Hypo auf nationaler Ebene nicht trotzdem zum Siegen verdammt?

Matuschkowitz: „Natürlich! Es ist eine echte Bürde, die auf den Mädels lastet. Aber davon müssen oder dürfen wir uns langsam aber sicher verabschieden. Wir werden lernen müssen, auch mit der einen oder anderen Niederlage umzugehen. Wir dürfen einfach niemanden mehr unterschätzen. Die WHA ist nicht mehr die lästige Verpflichtung mehr, sondern eine echte Challenge.“

Eine Challenge, die trotzdem mit dem Double gemeistert werden soll?

Matuschkowitz: „Das ist das Ziel und das bleibt hoffentlich auch noch die nächsten hundert Jahre so.“

Will Hypo mittelfristig international auch wieder eine Rolle spielen?

Matuschkowitz: „Sicher, aber das ist mit dem Halbprofitum, auf das wir zurzeit angewiesen sind, auch ein wenig Glückssache. Wenn sich wie heuer zwei Leistungsträgerinnen verletzen, wird es schwer. Klammert man Fußball und Skisport aus, ist das aber ein generelles Problem in der österreichischen Sportlandschaft.“

Ein Problem, mit dem sie sich auch über diese Saison hinaus als Cheftrainer befassen werden?

Matuschkowitz: „Nein, ich habe dem Verein angeboten, bis zum Meisterschaftsende zu helfen. Eine interne Lösung ist in der jetzigen Situation sicher die beste. Auf Dauer macht das aber keinen Sinn, ich habe auch noch einen Job. Außerdem würde ich es sehr begrüßen, wenn nächste Saison wieder ein renommierter, internationaler Trainer bei Hypo ist. Das wäre für die Entwicklung sehr wichtig.“