Erstellt am 27. April 2016, 06:24

von Alexander Wastl

Dankesbesuch beim alten Lehrmeister. Rene Pranz fährt zu den Olympischen Spielen, focht in alten Zeiten bei der Fecht-Union-Mödling unter Giovanni Lottspeich.

»Fecht-Guru« Giovanni Lottspeich gratulierte seinem einstigen Schützling, Rene Pranz, zu dessen Olympia-Qualifikation.  |  NOEN, Alexander Wastl

Rene Pranz ist am Ziel. Mit 30 Jahren fährt der Fechter zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro. Die Ausscheidung in Prag hätte nicht spannender sein können, im entscheidenden Duell setzte sich Pranz mit 15:14 durch.

Nach einer Woche absoluter Regeneration hat der in Mödling aufgewachsene Pranz „es langsam realisiert.“ Das Olympia-Ticket war freilich kein Zufallsprodukt, der Fechter arbeitete hart – auch im mentalen Bereich. „Ich habe mich auch der Frage gestellt: Was passiert, wenn ich scheitere? Das war im positiven Sinne entscheidend“, ist sich Pranz sicher. Die freie Woche nutzte der frischgebackene Olympionike auch, um einem „alten Bekannten“ einen Besuch abzustatten: Giovanni Lottspeich von der Fecht-Union Mödling (FUM).

Mödling ist der Ort, wo alles begann. Mit sieben Jahren startete Pranz seine Karriere bei der FUM, mit 13 ging es ab ins Leistungszentrum der Südstadt. Da wie dort unter der Ägide von Österreichs „Fecht-Guru“ Lottspeich. Mit 22 Jahren zog es Pranz nach Salzburg, weil in Mödling die Konkurrenz ausging. Das ganze Nationalteam – rund um Michael Ludwig, Roland Schlosser und Co. – war in der Mozartstadt stationiert.

Kontakt nach Mödling riss nie ab

Der Kontakt nach Mödling riss freilich nie ab. „Das ist nicht selbstverständlich!“, freut sich Lottspeich. Unter dem Italiener nahm Pranz wesentliche Dinge für seine weitere Laufbahn mit – vielleicht sogar entscheidende für die Olympia-Qualifikation.

Als Kind war Pranz nicht unbedingt mit Siegen verwöhnt worden, zudem begann das Fecht-Ass erst relativ spät zu wachsen. „Das ist viel besser, wenn du als Kind nicht alles gewinnst“, weiß Lottspeich, „dann bleibst du aus Leidenschaft beim Sport.“

Während andere Jung-Fechter von der Seite mit Kommandos der Trainer und Eltern zugedröhnt wurden, war Pranz auf sich alleingestellt. Analysiert wurde später. „Auf der Bahn bist du alleine, du triffst die Entscheidungen“, so Lottspeich. Pranz stimmt zu: „Wenn dir jeder Zug vorgesagt wird, kommst du nicht weiter.“

Im Hinblick auf die Spiele geht es der Wirtschafts-Student ähnlich an, wie mit der Qualifikation. „Ich fahre nicht zu den Spielen, um mir ein Limit zu setzen. Ich lehne mich jetzt aufgrund der Quali aber sicher nicht zurück.“

„Fecht-Guru“ Giovanni Lottspeich gratulierte seinem einstigen Schützling, Rene Pranz, zu dessen Olympia-Qualifikation.Alexander Wastl